650.000 Kilo Lebensmittel verteilt die Pannonische Tafel im Jahr. In Eisenstadt wurde jetzt ein neuer Standort bezogen.
Zweisprachige Ortstafeln beschmiert: Volksgruppen-Zentrum alarmiert
Ermittlungen laufen
Die Suche nach den Tätern, die die Ortstafeln von Steinbrunn und Hornstein beschmiert haben, läuft noch.
Der kroatische Schriftzug wurde bei der Ortstafel in Hornstein durchgestrichen.
© APA/Privat
In Steinbrunn und Hornstein (beide Bezirk Eisenstadt Umgebung) haben Unbekannte den kroatischen Schriftzug mit schwarzer Farbe durchgestrichen.
Der Hornsteiner Bürgermeister Christoph Wolf (ÖVP) zeigte sich über die Tat verärgert: „Diese Tat ist kein Jugendstreich und kein Kavaliersdelikt.
© zVg Gemeinde, KROTSCHECK
Es ist eine bewusste Respektlosigkeit gegenüber unserer Volksgruppe, unserem gemeinsamen Zusammenleben und unserer Geschichte.“ Für den Bürgermeister stehen die Ortstafeln für gelebte Geschichte und gegenseitigen Respekt innerhalb der Gemeinschaft. Man stehe zur eigenen Kultur und Herkunft und erwarte diesen Respekt auch von anderen.
Reinigung sofort veranlasst
Auch in der Marktgemeinde Steinbrunn löste der Vorfall Reaktionen aus. Bürgermeisterin Isabella Radatz-Grauszer (SPÖ) betonte gegenüber der BVZ, dass das Miteinander im Ort sehr gut funktioniere. Sowohl der Singkreis als auch die Tamburizza seien bei der Bevölkerung beliebt, und auch Zugezogene stünden der Zweisprachigkeit offen gegenüber. „Mir war wichtig, dass meine Mitarbeiter die Tafel gleich nach dem Bekanntwerden am Sonntag reinigen“, erklärte die Bürgermeisterin.
Ein Steinbrunner Gemeindebürger hatte zwar eine private Kamera installiert, um das eigene Grundstück zu filmen, das Geschehen auf der Straße lag jedoch knapp im toten Winkel, weshalb es keine Aufnahmen der Täter gibt.
Sprache als Schatz
Trotz des Vorfalls sieht die Steinbrunner Bürgermeisterin eine positive Seite in der Reaktion der Bevölkerung. Sie habe viel Resonanz erhalten, die zeige, dass die Steinbrunner die Sprache als Schatz ansehen. Es gebe keinen ersichtlichen Grund, warum ein Steinbrunner eine solche Tat begehen sollte.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl
Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Zeugen, die in der Nacht auf Sonntag verdächtige Wahrnehmungen im Bereich der Ortseinfahrten gemacht haben, werden gebeten, sich zu melden.
Das Österreichische Volksgruppenzentrum hat die Beschmierungen am Montag in einer Aussendung ebenfalls verurteilt und auf die Beschädigung mehrerer zweisprachiger Ortstafeln in Kärnten im Oktober 2025 verwiesen. Dies sei kein Zufall, sondern "Ausdruck einer Haltung, die Minderheitenrechte infrage stellt".
Präsident Marian Wakounig erklärte: "Diese Taten sind ein Angriff auf unsere gemeinsame Identität und auf das friedliche Zusammenleben, das Österreichs Volksgruppen seit Generationen prägt. Zweisprachige Ortstafeln sind sichtbare Symbole unserer Geschichte, unserer Rechte und unseres gegenseitigen Respekts. Wer sie beschädigt, greift die Grundwerte unseres Landes an."

© APA/GÜNTER PRÜNNER, GÜNTER PRÜNNER
SPÖ-Volksgruppensprecherin im Nationalrat Pia Maria Wieninger verurteilte die Vandalenakte ebenfalls und forderte volle Aufklärung. "Wer unsere Minderheitensprachen unsichtbar macht, will unsere autochthonen Volksgruppen unsichtbar machen. Das mutwillige Zerstören eines gut funktionierenden, friedlichen Zusammenlebens hat in Österreich keinen Platz und wird es nie haben", so Wieninger in einer Aussendung.
SPÖ verurteilt Vandalenakte, Kritik auch von Grünen und FPÖ
Die Beschmierungen zweisprachiger Ortstafeln sind ein "Angriff auf Minderheitenrechte und das demokratische Miteinander", so auch der burgenländische Grünen-Klubchef Wolfgang Spitzmüller. Er ortet eine besorgniserregende Entwicklung und betonte: "Das dürfen wir keinesfalls hinnehmen."
FPÖ-Klubobmann Christian Ries sprach von einem "dummen Vandalenakt", der geklärt werden müsse. "Wir haben im Burgenland die besten Erfahrungen im Zusammenleben zwischen der deutschen, der kroatischen, der ungarischen sowie der Volksgruppe der Roma. Dieses gute Miteinander ist ein wesentlicher Teil unserer burgenländischen Identität", so Ries. Nun müsse man die Ermittlungen der Polizei abwarten.