„Auf und ab und trotzdem hier“ - der Neusiedler See im Jahr 2023

Neusiedler See

Das „Happy End des Jahres“ feierte wohl der Neusiedler See: Im Frühjahr lautete die Frage noch eher wann, und nicht ob der See austrocknet. Dann folgten ein verregnetes Frühjahr und ein nasser Sommer – nun steht der See deutlich besser da als vor einem Jahr. Also „Ende gut, alles gut“? Leider nein.

Von Von Peter Wagentristl

Dass das Jahr 2023 für den Neusiedler See so glimplich ausgeht, war im Frühjahr noch schwer vorstellbar.

Dass das Jahr 2023 für den Neusiedler See so glimplich ausgeht, war im Frühjahr noch schwer vorstellbar.

© Hydrographischer Dienst Burgenland

„Auf und ab und wir sind trotzdem hier“, singen die Fans des von Auf- und Abstiegen geprägten 1. FC Köln gerne – und haben damit unwissentlich die Hymne für den Neusiedler See verfasst. Mit dem „trotzdem hier“ wäre es heuer aber fast knapp geworden – im April hätten die Buchmacher wohl schlechte Quoten für einen ausreichenden Wasserpegel ausgegeben.

Über den Neusiedler See wurde 2023 jedenfalls nicht nur im Burgenland diskutiert, auch im Rest Österreichs und sogar international war das Interesse am gefährdeten Mittelpunkt des Nordburgenlands groß. Unzählige Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge, Dokumentationen (und eine umstrittene „Mockumentary“), zugängliche und eher fachspezifische Bücher wurden dem See gewidmet.

„Auf und ab und trotzdem hier“ - der Neusiedler See im Jahr 2023

© BVZ, Peter Wagentristl

Lösungsorientiert, wie man im Burgenland meistens/oft/manchmal diskutiert, standen dabei vor allem das Schlamm- und Schilfmanagement und zwei Kanäle im Fokus – der Einser-Kanal und der geplante Zufluss über die Donau.

Beim Schilf- und Schlammmanagement wünschen sich viele Menschen um den See schnelleres Handeln der neugegründeten Neusiedler See Management GmbH des Landes. Diese kommt dabei aber nicht ganz zurecht zum Handkuss: Im Sommer sind Schlamm- und Schilfarbeiten im großen Stil aus Rücksicht auf heimische und touristische Gäste am See nicht möglich. Auch tier- und naturschutzrechtliche Bestimmungen stehen dem im Wege.

Seit Oktober wird nun erstmals großflächig dem Schilf der Kampf angesagt. Auch die Testphase für das schwere Gerät hat einiges an Zeit gekostet. Mittlerweile hat die GmbH nun aber modernes Gerät um Millionen Euro angeschafft, Personal angestellt und die Arbeit aufgenommen. Bei der Schlammbekämpfung vermeldete das Land im November, dass bereits eine 100 Millionen Liter Schlamm abgepumpt wurden.

Viele Fragezeichen beim Thema Seezufluss

Überhaupt noch nichts Konkretes liegt dagegen beim Thema Seezufluss am Tisch. Noch zu Jahresbeginn hieß es mehrmals: die Lösung über Ungarn kommt. Mittlerweile, wohl auch wegen Problemen bei der Koordination mit den ungarischen Stakeholdern, schielt man beim Land aber eher Richtung Hainburg. Für den Zufluss gibt es jedenfalls ein vom Land beauftragtes Gutachten, das die Machbarkeit bestätigen soll. Im Wissenschaftsbetrieb gibt es daran aber durchaus scharfe Kritik. Man muss nicht schwarzmalen, um diesbezüglich eine Lösung für 2024 anzuzweifeln.

Apropos Ungarn: Beim Mega-Projekt in Fertörakos jubelten 2023 vor allem dessen Gegner. Zuerst hob ein Gericht die Baugenehmigung auf, dann folgte tatsächlich eine Redimensionierung der Pläne. Seither hat allerdings Brüssel Budapest wieder den Geldhahn aufgedreht (im Zuge eines nicht unumstrittenen Deals zum Thema Ukraine). Es könnte nun also doch wieder mehr Geld für ein größeres Projekt am Neusiedler See da sein. Das letzte Wort ist in Fertörakos noch nicht gesprochen.

Berechtigte Erleichterung, aber das Problem bleibt

Und jetzt die schlechten Nachrichten: Der See hat sich kurz- bis bestenfalls mittelfristig „daschupft“ – wer glaubt, die Wasser-Problematik sei nun vom Tisch, könnte von einem heißen, trockenen Jahr 2024 eines besseren belehrt werden. Denn: der Klimawandel und der menschliche Einfluss darauf sind ein wissenschaftlicher Fakt. Da ist sich der Wissenschaftsbetrieb einig. (Muss man das 2024 noch betonen?) Extreme Hitze und lange Dürreperioden nehmen statistisch evident zu und werden dem Neusiedler See auch in den nächsten Jahren schwer zusetzen – wenn nicht sogar in großen Teilen austrocknen lassen.

„Auf und ab und trotzdem hier“ - der Neusiedler See im Jahr 2023

© ORF/BFILM, Peter Wagentristl

Um das Jahr aber mit angebrachtem Optimismus ausklingen zu lassen, ein Blick auf die Messwerte des Hydrographischen Dienstes Burgenland (siehe Grafik): der Wasserpegel des Neusiedler Sees ist 2023 um 30 Zentimeter (Stand: 25. Dezember) gestiegen und liegt nun sogar dem langjährigen Mittelwert näher als dem Negativrekord aus dem Vorjahr.