Durchaus spannend!

Ninas liebes Geflüster

Kommt mit in die heiligen Hallen der Künstler!

Von Nina Mayer

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

Dieses Wochenende war es wieder so weit: Die „Tage der offenen Ateliertür“ fanden statt.

Das ist für viele jener Moment im Jahr, in dem sie sich vornehmen, sich endlich der Kunst zuzuwendung.
Nicht nur darüber zu reden, sondern wirklich einen Künstler in seinem Atelier zu besuchen und dessen Werke zu bestaunen.

Mit diesem Spirit zieht man los. Schon beim Eintreten wird es ein bisschen stiller. Man spricht leiser, geht langsamer, schaut konzentrierter. Dann steht man vor dem ersten Werk. Man schaut. Man denkt. Man nickt.

Das Nicken ist wichtig. Es signalisiert: Ich verstehe das. Ich bin ein Kunstkenner. Ein Profi. Mir braucht keiner etwas erklären. Insgeheim überlegt man vielleicht, ob das absichtlich so aussieht oder einfach so geworden ist.

Neben einem steht jemand, der sagt: „Spannend.“ Das ist ein gutes Wort. „Spannend“ passt immer. Selbst hängt man vielleicht ein „sehr interessant“ daran, um etwas G’scheites zur Bewertung beizutragen. „Sehr interessant“ klingt nach einer Meinung, die man aber vage hält.
Ein sogenannter sprachlicher Joker.

Plötzlich aber steht die Künstlerin oder der Künstler neben einem und fragt: „Was sehen Sie darin?“ Jener Moment, in dem sich entscheidet, ob man mutig ist oder ehrlich. Die meisten entscheiden sich für eine elegante Mischung aus beidem: „Es wirkt sehr aussagekräftig, gleichzeitig aber reduziert.“ Das kann fast alles bedeuten und ist genau deshalb perfekt.

Dabei wäre alles so viel einfacher. „Keine Ahnung, was es darstellen soll, aber es gefällt mir.“
oder auch nicht. Denn genau darum geht es. Die Tage der offenen Ateliertür sind keine Prüfung. Es geht nicht darum, alles zu verstehen, sondern darum, überhaupt hinzuschauen. Vielleicht auch ein bisschen über sich selbst zu lachen. Über das bedeutungsvolle Nicken, mit dem man sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen kann. Über die vorsichtigen Formulierungen, an denen man gedanklich feilt.

Am Ende verlässt man das Atelier mit dem guten Gefühl, dass man da war und denkt sich: „Spannend!“