Marillenknödelaffäre

Ninas liebes Geflüster

Nina Mayer gerät zwischen die Fronten der Marillenknödelmafia.

Von Nina Mayer

Nina Mayer schreibt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer schreibt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

In den Gärten reift das Obst. Sommeräpfel, Marillen, Zwetschgen. Man soll's kaum glauben, aber die orangefarbenen und violetten Früchte können schon Anlass zu einem handfesten Streit sein.

Mit zwei älteren Damen saß ich unlängst bei einem Fest zusammen. Nennen wir sie Franzi und Anni. Da der Nahrungsaufnahme in unserem Burgenland besondere Aufmerksamkeit zuteil wird, verkündete die Franzi stolz: „Heute zu Mittag habe ich Marillenknödel gemacht!“ „Mhhhhhh!“, lobte ich, zur Freude derselbigen.

„Zehn Stück hat mein Mann, der Franzl, gegessen! Er sagt immer, dass meine Marillenknödel die besten der Welt sind. Weißt ...“ - dramatische Pause, um sich meiner Aufmerksamkeit sicher zu sein - „ich mache sie nämlich mit Erdäpfelteig!“ „Ohhhh...“, bestätigte ich ihre Kochkünste gebührend, woraufhin ein selbstgefälliges Lächeln ihr Antlitz erhellte.

Annis Antlitz spiegelte Anderes wider. „Meine sind mit Topfenteig!“, informierte sie in einem scharfen Ton, dessen Härte sich mir erst im weiteren Gespräch erschloss. „Vierzehn hat der Franzl einmal davon gegessen!“

„Es muss sich um denselben Franzl handeln“, folgerte ich, zumal feindliches Schweigen die Stimmung drückte. Einen Themenwechsel sah ich als einzigen Ausweg: „Wart ihr bei der Premiere in Mörbisch?“

Als Journalistin darf ich mich einer gesunden Neugierde erfreuen und so ging ich im Laufe der Nacht dem Vorkommnis erfolgreich auf die Spur. Es war nämlich so: der gute Franzl war zuerst mit der Anni verheiratet, fand dann aber seine große Liebe in Franzi. Ein Jahrzehnt Schweigen zwischen den beiden Konkurrentinnen war die Folge.

Nun, nach drei Jahrzehnten, wird zwar wieder kommuniziert, verziehen und vergessen ist die amouröse Verstrickung aber nicht. Diesmal entflammte sie in Form von verarbeitetem Obst - sprich in der Marillenknödelaffäre.