Mutwillig soll ein Mieter in einem Haus im Bezirk Eisenstadt Verwüstungen verursacht haben. Jetzt wurde er verurteilt.
Mehr Anstand, bitte!
Ninas liebes Geflüster
Nina Mayer fragt sich, warum Respekt nicht lauter klingt als Spott.
Ein Herz für Musik.
© Nina Mayer
Es ist erstaunlich und erschreckend, was passieren kann, sobald ein junger Künstler es wagt, sich auf eine große Bühne zu stellen. In diesem Fall traf es Cosmó, jenen Burgenländer, der für Österreich bei der Vorentscheidung zum Songcontest angetreten ist und gewonnen hat. Kaum war der erste Ton verklungen, schien für manche in den sozialen Medien bereits das Urteil festzustehen. Laut, hämisch, verletzend und vor allem: anonym.
Da steht ein Mensch im Scheinwerferlicht, investiert Jahre an Arbeit, Herzblut und Mut und im digitalen Schatten sitzen Subjekte, die mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit urteilen, spotten, schimpfen. Feige hinter Profilbildern versteckt, die mehr Filter als Gesicht zeigen. Würde man all das auch so sagen, wenn man dem Gegenüber direkt in die Augen schauen müsste? Ist denn überhaupt kein Anstand mehr übrig geblieben?
Kritik gehört dazu, selbstverständlich. Aber Musik ist Geschmackssache. Zwischen „Das ist nicht mein Stil“ und persönlichen Beleidigungen liegt ein gewaltiger Unterschied. Wer diesen Unterschied nicht mehr erkennt, sollte sich vielleicht weniger mit dem Song und mehr mit sich selbst beschäftigen.
Ich sage es ganz offen: Mir gefiel das Lied von Cosmó. Es hatte etwas, das viele Beiträge der letzten Jahre vermissen ließen. Es war mitreißend und ging ins Ohr. Cosmó hatte Energie, Mut und Wiedererkennungswert. Und allein dafür verdient er Respekt.
Wir fordern ständig mehr Authentizität, mehr Persönlichkeit, mehr Eigenständigkeit in der Musik. Doch wenn jemand genau das wagt, reagieren viele mit Spott. Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei denen auf der Bühne, sondern bei jenen vor den Bildschirmen.
Der Burgenländer hat sich hingestellt und geliefert. Das erfordert Rückgrat. Ein anonym verfasster Kommentar erfordert keines. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich wieder daran zu erinnern, dass hinter jedem Künstler ein Mensch steht. Einer mit Gefühlen. Einer mit Hoffnungen. Und vielleicht wäre es auch an der Zeit, den eigenen Ton zu überprüfen, bevor man den eines anderen verurteilt.
Denn am Ende sagt der Umgang miteinander oft mehr über uns aus als jedes Lied über einen Sänger.