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„Fliegender Holländer“ ankert in St. Margarethen
Oper im Steinbruch
„Der fliegende Holländer“ startete seine dramatischen Irrfahrten am Mittwochabend mit der Premiere im Steinbruch St. Margarethen. Fünftausend Steuermänner standen dem verfluchten Seemann bei, um in rauer See bestehen zu können und die Hoffnung auf Erlösung nicht zu verlieren. Ob sie ihm im Burgenland vergönnt war? Lesen Sie selbst!
"Der fliegende Holländer" ankert im Steinbruch von St. Margarethen.
© Nina Mayer
Zum ersten Mal in der Geschichte der „Oper im Steinbruch“ steht Wagner am Spielplan. „Der fliegende Holländer“ ist mit zweieinhalb Stunden das kürzeste Werk des Komponisten, wohl aber sein atmosphärisch dichtestes.
Die Naturkulisse des Steinbruchs hätte passender nicht sein können. Burgenländische Felswände suggerierten die norwegische Steilküste, vor der Bühnenbildner Momme Hinrichs riesige türkisfarbige, irisierende Wellen kreierte, ein tosendes Meer, durchaus bedrohlich, dennoch faszinierend.
Passend das Wetter, denn kühle Temperaturen vermittelten Skandinavien-Feeling.

© Nina Mayer
Die Sehnsucht der Seele
Dem Holländer, der zur ewigen Irrfahrt über die Weltmeere verdammt ist, schenkte George Gagnidze seine Stimme. Dramatisch sein Bariton, aus dem kraftvoll und glaubwürdig in jedem Ton Verzweiflung mitschwang, gleichzeitig aber auch Sehnsucht. Tiefe Sehnsucht nach Erlösung.
Des Seemannsmärchens Inhalt sei kurz angeschnitten. Alle sieben Jahre ist es dem verfluchten, zu ewigem Reisen verdammten Seemann vergönnt, an Land zu gehen. „Die Frist ist um... und abermals verstrichen sind sieben Jahr... voll Überdruss wirft mich das Meer an Land.“ Wir haben Glück, denn diesmal lassen Intendant Daniel Serafin und Regisseur Philipp M. Krenn den Kapitän in St. Margarethen ankern.
Im Holländer keimt neue Hoffnung. Wird Senta, die Tochter des Kapitäns Dalland, diejenige Frau sein, die ihn durch ihre bedingungslose Liebe von seinem Fluch erlöst, die ihm Sterblichkeit schenkt? „Ihr Welten, endet euren Lauf! Ew'ge Vernichtung, nimm mich auf!“

© Nina Mayer
Erhoffte Erlösung durch Liebe
Und tatsächlich! Elisabeth Teige, in der Rolle der Senta, hat Erbarmen. Mehr noch, sie sieht es als ihre Aufgabe den Seemann zu erlösen, trotz der Gefahr, selbst ins Unglück zu stürzen. Liebe als stärkste Kraft, die alles besiegen kann. Liebe als Kraft, die in diesem Fall vermag Sterblichkeit zu schenken?
Sentas Sopran, bezaubernd. Verträumt, verletzlich in der „Ballade der Senta“, dramatisch und kraftvoll in den Passagen, in denen der Holländer an ihrer Treue zweifelt und sie ihn von ebendieser überzeugen will.
Überragend das Piedra Festival-Orchester. Dichte Klanggewalten, gespenstische Melodien, Gänsehautfeeling. Messerscharfe Geigen lassen meterhohe Wellen an die Küste schlagen, Posaunen und Trompeten lassen es blitzen und donnern. Bühnenbild und Musik schaukeln sich gegenseitig auf.

© Nina Mayer
Der Fantasie Raum geben
Realität und Fantasie verschwimmen. Kaum mag man seinen Augen trauen, als das Geisterschiff des Holländers monumental, wie aus dem Nichts, auftaucht. Überdimensional, morbid, märchenhaft, von Verwesung und Tod erzählend. Gruselig, das Seemannsmärchen, „Fluch der Karibik“ lässt grüßen.
Hervorragend auch die anderen Darsteller. Wagner hat Erik eine liebevolle Musik geschrieben, der Tenor AJ Glueckert gibt sie zum Besten, der in anderen Passagen mit durch Eifersucht verursachte Wut und Hass überzeugt. Im Versuch, Senta für sich zu gewinnen, scheitert er kläglich.
Dallands Bass ist kraftvoll und wohlklingend. Väterliche Fürsorge spricht aus ihm, stimmlich würde man kaum vermuten, dass er bereit ist, seine Tochter für die Reichtümer des Holländers zu opfern, aber so kann man sich im Leben täuschen.
Das Ende dramatisch. Senta wählt den Freitod. Brennend springt sie von der Felswand ins aufgewühlte Meer, womit sie zwar stirbt, aber den fliegenden Holländer von seinem Fluch erlöst.

© Nina Mayer
Auf Wagner muss man sich einlassen, dann zieht er in seinen Bann
„Wird ein Wagner in St. Margarethen funktionieren?“, fragten sich viele zweifelnd in den letzten Monaten. Man darf die Frage mit einem deutlichen „ja“ beantworten. Mehr noch! Wagner beeindruckte, nahm gefangen und man wäre durchaus gewillt gewesen, weitere zwei Stunden dem Schauspiel beizuwohnen und mit dem Holländer auf Irrfahrt zu gehen.
Das Premierenpublikum war begeistert. Schiff ahoi! Vielleicht wird der eine oder andere seine geplante Kreuzfahrt stornieren, aber das macht nichts, denn wo lässt es sich schöner urlauben als im Burgenland?