Heidi Schröck: Süßwein vom Neusiedler See unter den Besten der Besten

Plädoyer für den Süßwein

Beim internationalen Gipfeltreffen „Late Harvest United“ im altehrwürdigen Schloss Johannisberg waren die besten Süßwein-Regionen der Welt vertreten - darunter auch das Burgenland. Diese hohen Ehre nutzt die Ruster Winzerin Heidi Schröck für einen Appell: mehr Mut zur Süße.

Von Von BVZ Redaktion

Heidi Schröck mit einem ihrer heißbegehrten Süßweine bei "Late Harvest United" auf Schloss Johannisberg.

Heidi Schröck mit einem ihrer heißbegehrten Süßweine bei "Late Harvest United" auf Schloss Johannisberg.

© zVg

Bei der internationalen Masterclass „Late Harvest United“ auf Schloss Johannisberg war das Burgenland prominent vertreten: Die Ruster Winzerin Heidi Schröck präsentierte ihre Süßweine neben Spitzenbetrieben aus Tokaj, Sauternes und dem Rheingau. Damit zeigt Rust erneut, dass der Ruster Ausbruch und Süßwein vom Neusiedler See international auf höchstem Niveau mitspielen.

„Tokaj, Sauternes, die deutschen Flusstäler und Rust: In dieser Liste genannt zu werden, ist ein Ritterschlag für den Süßwein vom Neusiedler See“, sagte Schröck nach der Sweet Wine Masterclass. Das Event gilt als Gipfeltreffen der besten Süßweinregionen der Welt. Rund 70 Fachgäste und fünf Spitzenweingüter stellten ihre Auslesen, Spätlesen, Eiswein und mehr vor. Für Schröck war es ein besonderer Moment, Rust und den Ruster Ausbruch international zu positionieren.

Ruster Ausbruch: Flüssiges Gold mit Tradition

Der Ruster Ausbruch gilt als einer der prestigeträchtigsten Süßweine weltweit. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1479 zurück. Am kaiserlichen Hof war er so beliebt, dass Leopold I. Rust im Austausch gegen einige Fässer den Titel „Freistadt“ verlieh. Sogar die Titanic hatte einige Flaschen an Bord.

Heidi Schröck: Süßwein vom Neusiedler See unter den Besten der Besten

© BVZ/Wagentristl

„Als wir 1991 den Cercle Ruster Ausbruch, der Vorgänger-Organisation des Ruster Ausbruch DAC, ins Leben gerufen haben, war genau das unser Traum: An einer Tafel mit den wichtigsten Süßwein-Regionen der Welt zu sitzen. Dort gehören die Weine vom Ost- und Westufer des Neusiedler Sees auch hin“, erklärte Schröck.

Süßwein als kulinarischer Begleiter

Im zweiten Teil von „Late Harvest United“, der unter dem Motto „Sweet Wine & Fine Dining“ stand, ging es um Food Pairing. Schröcks Beerenauslese „Anthologie“ Non-Vintage, eine Cuvée der Jahre 2014 bis 2022, harmonierte mit gegrillter Tristan-Languste, Urkarotte und Chicorée.

Heidi Schröck: Süßwein vom Neusiedler See unter den Besten der Besten

© Philipp Horak, Philipp Horak

„Süßer Wein zu üppigen Nachspeisen ist eine Themenverfehlung“, betont Schröck. „Die Süße des Weines als Kontrast zur Bitterkeit der Olive oder des Chicorées, zu salzigen Meeresfrüchten oder würzigem Curry funktioniert hervorragend. Zuhause wie in der Gastronomie sollte Süßwein unbedingt wieder öfter eingesetzt werden – aber eben in der richtigen Kombination. Nur Mut!“

Vom Massenprodukt zur süßen Niesche

Süßwein ist heute kein Massenphänomen mehr, sondern eine „süße kleine Nische“. Dennoch gibt es weltweit begeisterte Märkte, etwa in China, den USA, Großbritannien, der Schweiz oder Skandinavien. Schröck betont: „Der Süßwein hat völlig zu Unrecht ein Image-Problem. Hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten, denn wenn man die Leute erst einmal dazu bringt, Süßweine zu probieren, ist die überwältigende Mehrheit begeistert und die Flasche meist schnell leer.“

Heidi Schröck: Süßwein vom Neusiedler See unter den Besten der Besten

© NÖN/Josef Rittler

Das Image-Problem geht dabei auch auf den Weinskandal Mitte der 80er-Jahre zurück. Burgenländische Winzer hatten dabei Glykol in ihre Weine gemischt, um höhere Zuckergrade vorzutäuschen um minderwertigen Wein dennoch am Markt verkaufen zu können.

In der Süßwein-Metropole Rust gab es zwar keinen einzigen Fall von Glykol-gepanschtem Wein. Den Image-Schaden hatten die Ruster trotzdem. Bei trockenen Weinen ist davon heute nichts mehr zu spüren. Gerade bei Süßweinen litt der gute Ruf dennoch nachhaltig, das Vertrauen mussten sich die Winzer wieder hart erarbeiten - durchaus mit Erfolg, wie auch die Einladung zum prestigeträchtigen Süßwein-Gipfel im Rheingau zeigt.

Heidi Schröck bewirtschaftet gemeinsam mit ihren Söhnen Georg und Johannes rund zehn Hektar Rebfläche in Rust. Ihr Herz schlägt für den Furmint und den Ruster Ausbruch. Inspiriert von „Late Harvest United“ hat die Familie ein Genuss-Set aus drei Weinen und vier Rezepten entwickelt, um die Vielseitigkeit des Süßweins zu zeigen.