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Gerichtspräsident: „Wir arbeiten alle mit 120%"
Porträt
Vom Vizepräsidenten stieg der gebürtige Südburgenländer und jetzige Mörbischer zum Gerichtspräsidenten auf. Bernhard Kolonovits über bevorstehende Prozesse, die Personalsituation am Landesgericht und seinen Ausgleich zum Job.
Seit 1. Jänner 2025 leitet Bernhard Kolonovits als Gerichtspräsident das Landesgericht Eisenstadt.
© BVZ/Kirchmeir
Mit dem Forchtensteiner Karl Mitterhöfer, der mit Jahresende 2024 als Gerichtspräsident in Pension gegangen ist, verbindet Bernhard Kolonovits eine jahrzehntelange Freundschaft. Gemeinsam waren beide einige Zeit lang als Untersuchungsrichter tätig, dann trennten sich die richterlichen Wege: Während Karl Mitterhöfer weiterhin im Strafrecht tätig war, schlug Bernhard Kolonovits die Karriere des Zivilrichters ein.
„Die Kollegialität und Freundschaft blieben zwischen uns aber immer bestehen“, so Kolonovits.
Zwölf Jahre lang war er als Vizepräsident des Landesgerichtes an der Seite des Gerichtspräsidenten gestanden. „Alle Themen konnten wir am kurzen Weg klären“, blickt Kolonovits zurück. 350 Bauverhandlungen haben die beiden während der Um- und Zubauphase am Justizzentrum Eisenstadt gemeinsam bestritten - allein das schweißt schon zusammen.
Vater war Kanzleileiter am Bezirksgericht Oberwart
Geboren 1964 als Sohn eines Kanzleileiters am Bezirksgericht Oberwart fühlte sich Bernhard Kolonovits schon früh zu einer Laufbahn als Jurist berufen. Auch sein Bruder Dieter Kolonovits, Jahrgang 1969, studierte Jus; er ist heute Präsident des Verwaltungsgerichtshofes Wien.
Während sein Bruder bereits das Gymnasium Oberschützen besuchen konnte, weil zwischenzeitlich die öffentliche Anreise verbessert worden war, musste Bernhard Kolonovits nach der Volksschule ans Internat des Gymnasiums Graz-Liebenau wechseln. Auf das Jus-Studium in Graz folgte ein sechsmonatiges Rechtspraktikum. Von Anfang an habe er die Richterkarriere angestrebt, so Kolonovits.
Verbunden mit dem Burgenlandkroatischen
Als der Burgenlandkroate einst mit dem damaligen Präsidenten des Oberlandesgerichtes Graz nach Kroatien reiste, um für ihn zu dolmetschen, sei in ihm der Entschluss gereift, so Kolonovits, irgendwann wieder ins zweisprachige Gebiet im Burgenland zurückzukehren. „Und dann habe ich kurzerhand den Gerichtssprengel gewechselt“, erzählt er.
Nach der Ernennung zum Richter war er aber zunächst für kurze Zeit im Justizministerium in Wien für internationales Zivilrecht zuständig. 1994 folgte er dem Ruf ans Landesgericht Eisenstadt. Bis zur Ernennung zum Vizepräsidenten war Bernhard Kolonovits hier als Zivilrichter tätig. Er führte unter anderem den Vorsitz im familienrechtlichen Senat und unterstützte das Team im Firmenbuch.
Lukas Belza wird voraussichtlich neuer Vizepräsident
Das Amt des Gerichtspräsidenten sei ihm von Karl Mitterhöfer in einem „hervorragenden Zustand“ übergeben worden, lobt Kolonovits die Arbeit seines Vorgängers. „Er hat ja buchstäblich bis zum letzten Tag gearbeitet“, erzählt der neue Präsident. Das partnerschaftliche Prinzip, das ihn mit Mitterhöfer verbunden hat, will er mit dem designierten neuen Vizepräsidenten, dem Eisenstädter Zivilrichter Lukas Belza, so weiterführen.
Kolonovits steht an der Spitze eines „funktionierenden Gerichtes“, dieses komme aber immer wieder an seine Grenzen, sei es wegen der Schlepperwelle, seien es die Anforderungen des umfangreichen Commerzialbank-Prozesses, sei es die in manchen Bereichen prekäre Personalsituation.
Immer wieder müssen Sprengelrichterinnen zur Vertretung ans Landesgericht Eisenstadt geholt werden, zum Beispiel zur Entlastung von Richterin Karin Knöchl, die sich aktuell ausschließlich dem enormen Arbeitspensum des Commerzialbank-Prozesses widmet.
Am Gericht stehen Pensionswellen bevor
Die Personalsituation bezeichnet Kolonovits als größte Herausforderung. „In ganz Österreich fehlen 200 Richterinnen und Richter, auch am Landesgericht Eisenstadt stehen für die Jahrgänge 1964 und 1965 Pensionswellen bevor“, berichtet er. Wenn in den nächsten Jahren sieben Richterinnen und Richter in Pension gehen, dann gilt es nicht nur, geeignete Nachfolger zu finden, sondern auch das wertvolle Wissen der langjährigen Mitarbeiter vor dem Verlust zu bewahren.
„Da wäre eine Mentorentätigkeit ideal“, überlegt Kolonovits eine Begleitung junger Einsteiger durch erfahrene Kräfte.
„Wir sind 23 Richter, fahren alle mit 120 Prozent und haben nie eine Phase, wo man kurz verschnaufen kann“, fasst Kolonovits die personell enge Situation in Zahlen. „Das gilt für Zivilprozesse ebenso wie für Strafprozesse am Bezirksgericht und am Landesgericht.“
Klagswelle gegen Burgenland Energie könnte drohen
Als weitere Herausforderung sieht er eine in den Medien angekündigte mögliche Klagswelle von Kunden gegen die Burgenland Energie. Da könnten 2.000 bis 2.500 Klagen drohen, die man am Bezirksgericht Eisenstadt abwickeln müsste.
Unter einer hohen Arbeitsbelastung leidet auch das Konkursgericht. „Beim Konkursanfall gab es 2024 eine Steigerung von 44% und das scheint 2025 so weiterzugehen“, blickt der Gerichtspräsident sorgenvoll in die Zukunft.
Nur 18% der Justizarbeit am Landesgericht betrifft übrigens das Strafrecht - dieses erhält aber in der Öffentlichkeit die meiste Aufmerksamkeit, auch dank der Berichterstattung durch die BVZ. „Was sich daneben im Familienrecht und Zivilrecht abspielt, das sieht man gar nicht“, erinnert Kolonovits. Viele dieser Verhandlungen finden in nichtöffentlichen Prozessen statt.
Seine Fitness stärkt der Gerichtspräsident beim Volleyball
Ausgleich zu den hohen Anforderungen in seinem Beruf holt sich der Gerichtspräsident beim Sport. „Lange Zeit habe ich mit den Youngsters Volleyball gespielt, jetzt trainiere ich regelmäßig mit den 40-Jährigen“, erzählt er. Im Sommer sieht man Bernhard Kolonovits in Mörbisch am Beachvolleyballplatz beim Aufschlag.
Ein zweites Hobby, das der Gerichtspräsident gerne pflegt, ist das Kochen. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Karl Mitterhöfer und dem früheren Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt Johann Fuchs hat er einst drei Kochkurse bei Haubenkoch Wolfgang Weißmann besucht. Wenn er den Kochlöffel schwingt, dann wird es häufig „etwas mit Lachs“. Wobei er bescheiden zugibt, das die wirkliche Meisterköchin in der Familie seine Frau ist.
Die beiden Söhne und die Tochter traten nicht in die juristischen Fußstapfen des Vaters. Ein Sohn absolvierte die Montanuniversität, der andere die TU, die Tochter, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, widmet sich ab Februar dem Hebammenstudium.
Ein Termin für den Festakt zur Amtseinführung des neuen und zur Verabschiedung des pensionierten Gerichtspräsidenten steht noch nicht fest. Vor März wird dieser wohl nicht stattfinden, zumal wohl erst der Abschluss der Regierungsverhandlungen und die Ernennung der Justizministerin oder des Justizministers abzuwarten sein werden. Bis dahin werden die Richterinnen und Richter am Justizzentrum Eisenstadt wohl noch zu Dutzenden Verhandlungen aufrufen.