650.000 Kilo Lebensmittel verteilt die Pannonische Tafel im Jahr. In Eisenstadt wurde jetzt ein neuer Standort bezogen.
Der Siegendorfer Käse-Kurti und seine Vorarlberger Waren
PORTRAIT
Darf's ein Bergkäse sein, ein Laurentius oder doch ein Brie? Im Laden vom Käse-Kurti in Siegendorf bekommt man sie alle. Aber wer steckt hinter dem Namen und wie kam es dazu, dass der Vorarlberger Käse in der burgenländischen kroatischen Gemeinde Einzug hielt? Dem wollen wir auf die Spur gehen.
Nina Mayer (BVZ) ist begeistert von den Delikatessen des "Käse-Kurti". Seit acht Jahren betreibt er in Siegendorf seinen Laden, in dem er neben Vorarlberger Käse auch Joghurt, Butter, Speck, Honig, Säfte, Weine und mehr anbietet.
© Nina Mayer
Eigentlich heißt der Käse-Kurti Kurt Juraszovits. Ein gebürtiger Siegendorfer ist er, burgenlandstämmig, wie man der ungarisch-kroatischen Schreibweise seines Namens entnehmen kann. Vor 57 Jahren kam er auf zur Welt, beruflich hat er einiges ausprobiert.
Der erste schulische Weg war ein technischer. Er besuchte die HTL schloss sie aber nicht ab, da es mit dem technischen Zeichnen nicht so klappte, wie die Lehrer meinten. Dem Kurti gefiel's aber ohnedies besser bei der Musik. Sein Ziel wäre eine Karriere als Profimusiker gewesen. Früh übte er sich an der F-Tuba, spielte diese bereits mit zehn Jahren im Siegendorfer Musikverein. Autodidaktisch, wie der lustige Burgenland-Kroate erzählt.
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Schicksal im Skiurlaub
Mit 19 Jahren wollte er es dann genau wissen und bewarb sich bei der Militärmusik in Eisenstadt. Man gab ihm die Chance, aber nur wenn er die „Große Tuba“ bedienen konnte. Ein Jahr lang übte der Kurt. Sein Fleiß trug Früchte und er wurde aufgenommen. Beruflich arbeitete er als technischer Zeichner, dann wandte er sich dem Bohren und Fräsen zu. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde Kurt Juraszovits entlassen.
Erst mal skifahren dachte sich der Kurti, der immer das Beste aus dem Leben macht und fuhr mit Freunden nach Vorarlberg. Lustig war's, Musikanten lernte er kennen und dann die schicksalhafte Begegnung mit seinem Pendant, dem Vorarlberger Käse-Kurti. Bei ihm lernte er die Käsespezialitäten des österreichischen Westens kennen, für die der Osten damals noch nicht bereit war. Versuche einer großen Käsefirma, diesen zu etablieren, scheiterten östlich von Salzburg kläglich.
Vorarlberger Intermezzo
Mild wollte man es damals im Burgenland. Gouda und Edamer waren angesagt, ein Emmentaler galt schon als gewagt. Dem Kurti gefiel's in Vorarlberg, er bekam ein Jobangebot und blieb 13 Monate dort. Dann ging's wieder zurück in die Heimat.
Er übernahm den elterlichen Weinbau mit dem dazugehörigen Heurigen und wechselte 2003 in die Finanzbranche, in der er noch heute als Versicherungsvertreter tätig ist. Den Heurigen gibt's nicht mehr, dafür seit acht Jahren den Käseladen.
Kurzerhand hat sich der Kurti entschlossen, seine Liebe zum Vorarlberger Käse mit den Burgenländern zu teilen. Er kaufte Regale, eine Waage und eine Kühlvitrine und startete das Unternehmen.
Werbung machte er so gut wie keine. Auf burgenländische Mundpropaganda war schon immer Verlass. Jeweils am Freitag von 14 bis 18 Uhr hat er geöffnet, samstags von 8 bis 12 Uhr. Juli und August ist freitags geschlossen.

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Brie, Laurentius oder doch Bergkäse?
Das Sortiment kann sich sehen lassen: Da wäre der Bergkäse in verschiedenen Reifegraden. 6, 10, 18 oder sogar 24 Monate ist die Delikatesse gereift. Je älter, desto kräftiger. Sehr beliebt ist auch sein Laurentius. Mild, als zwei Monate gereifte Variante, pikanter mit einer Reifezeit von 10 Monaten. Besonders delikat die Vinus-Laurentius-Variante, die mit Wein und Trester verfeinert wird.
Wer zum Frühstück oder zur Jaus'n einen zarten Käse bevorzugt, kann den Dorf-, Wiesen- oder Sennkäse schmausen, aber auch Tillsitter, Emmentaler, besonders duftiger Passkäse, Pfeffer-, Chili- und Paprikakäse, Brie und vier Sorten Camembert stehen zum Kauf bereit.
Und weil Käse wichtig, aber nicht alles ist, hat der Kurt das Angebot erweitert. Joghurt, Topfen, Butter, Speck, Honig. Säfte und vieles mehr stehen bereit, um den Gaumen zu erfreuen.

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Blasmusik vom Feinsten
Noch einmal zurück zur Musik: manche werden den Käse-Kurti von seinen Auftritten mit der „Sautanz-Musi“ kennen. Seit 2010 spielt er bei der Band „Z'sammgsuacht'n“, eine Formation, die aus der Blasmusikkapelle „Makos“ hervorgegangen ist, die 30 Jahre lang durch Mitteleuropa tourte.
Der Käse-Kurti ist zufrieden mit seinem Leben. Er kann seine Gourmet-Leidenschaft mit seinen Kunden teilen und seine Blasmusikleidenschaft ausleben. Wer neugierig geworden ist, welche Polkas, Walzer oder Märsche die Burschen zum Besten geben, kann in eine der beiden CDs reinhören oder sich live am 24. Juni am Johannikirtag in St. Margarethen vom Können überzeugen. Ein Weg in den Käseladen lohnt immer. Silofreie Heumilch als Grundlage für höchste Qualität, das schmeckt!