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Stadtgeschichte
Wie nach brutalen wie turbulenten Tagen das Burgenland als erstes Bundesland schon am 11. März an die Nazis fiel.
Nationalsozialist Tobias Portschy putscht sich zum Landeshauptmann - übrigens das Andenken Joseph Haydns wortwörtlich mit den Füßen tretend (für Vollbild anklicken).
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Sie halten diese Zeitung wahrscheinlich am Donnerstag, 13. März 2025, oder vielleicht am Wochenende danach in der Hand. Alleine das hätte Ihre Großeltern vor exakt genau 87 Jahren das Leben kosten können, christliche und sozialdemokratische Drucksachen waren da schon verboten: Am 12. März hatte die Deutsche Wehrmacht - unter ihnen leider viel zu viele Österreicher - die Grenze überschritten, am 13. März war es mit den wenigen Resten unserer Republik, die die Vaterländische Front noch gelassen hatte, auch vorbei.
In Graz ging es bekannterweise schneller, da war am 12. März schon alles in braunen Tüchern. Was wenig bekannt ist - nicht zuletzt, da die österreichische Geschichtsschreibung meist an der Leitha endet -, ist, dass die Nazis sich im Burgenland schon am 11. März an die Macht putschen konnten.
Zu spät: Einstige Gegner wurden Partner gegen Nazis
Ab dem 9. März überschlugen sich die Ereignisse: Als letzten Befreiungsschlag setzte Bundeskanzler Kurt Schuschnigg von der aus den Christlich-Sozialen hervorgegangenen Vaterländischen Front (VF) eine Volksabstimmung über den Beitritt Deutsch-Österreichs zu Hitler-Deutschland an. Für diese Abstimmung brauchte sein burgenländischer Landeshauptmann Hans Sylvester die Hilfe politischer Gegner wie den Sozialdemokraten Ignaz Till (SDAP) und den Kommunisten Vinzenz Böröcz (KPÖ).
Beide Parteien, am Vortag noch verfolgt und mit Haft im Lager Wöllersdorf bedroht, wurden mit Mitteln ausgestattet, um für die Eigenständigkeit Österreichs Stimmung zu machen. „Es ist nicht der Tag, an dem wir mit dem österreichischen Faschismus abrechnen […]. Am kommenden Sonntag manifestieren wir unseren glühenden Haß gegen den Hitler-Faschismus“, zeigten sich SDAP, Revolutionäre Sozialisten und KPÖ damals einverstanden.
Die trotz der vierjährigen Illegalität mächtig organisierte KPÖ krachte dabei mit nicht minder gut aufgestellten Nazis zusammen, in Illmitz wäre Böröcz beinahe gelyncht worden. Immerhin, muss man ironischerweise sagen, sprachen damals noch die Fäuste, nicht die Gewehre.
Kuriose bis traurige Folgen der schleppenden Kommunikation
Auch war die Kommunikation damals langsamer und so verhaftete kurioserweise die Siegendorfer Gendarmerie einen KPÖ-Politiker, der für das Ja zu Österreich werben wollte, in der Meinung, das sei nach wie vor illegal.
Die Nazis rund um Tobias Portschy und Josef Palham wussten von dem antifaschistischen Schulterschluss der einstigen Feinde VF, SDAP und KPÖ nichts - wohl aber kannten sie besser als alle anderen in Österreich die Einmarschpläne Hitlers.
Ebenfalls bestens organisiert und bewaffnet, besetzten sie nach langen Demonstrationszügen zum Eisenstädter Landhaus (Portschys Putsch-Rede finden Sie hier) ebendieses sowie Gendarmeriestationen und verhafteten Organe der Landesregierung. Das Burgenland war damit das erste Bundesland, in dem die Nazis die Macht übernommen hatten.
Die Listen mit politischen Gegnern hatten sie lange schon bereit gehabt, ganz oben standen Till und Sylvester, die ins KZ Dachau deportiert wurden, sowie Böröcz der in die Strafkompanie der Wehrmacht kam. Sylvester überlebte die NS-Zeit nicht, Till nur schwer krank, Böröcz wie durch ein Wunder.