Sensationsfund im jüdischen Viertel Eisenstadts wieder geschleift

Unbarmherzig

Erst vor wenigen Wochen wurden bei Grabungsarbeiten an der Rampe der Krankenhaus-Apotheke Reste des alten jüdischen Viertels entdeckt worden. Die wissenschaftlichen Stellen des Jüdischen Museums und des Bundesdenkmalamtes waren begeistert. Jetzt sind sie plötzlich weg.

Von Markus Kaiser

Hier wurden vor wenigen Wochen die Grundmauern eines jüdischen Lokals und einer koscheren Fleischerei gefunden. Sie mussten einem Ausbau der Apotheke der Barmherzigen Brüder weichen.

Hier wurden vor wenigen Wochen die Grundmauern eines jüdischen Lokals und einer koscheren Fleischerei gefunden. Sie mussten einem Ausbau der Apotheke der Barmherzigen Brüder weichen.

© BVZ/Kaiser

Dass die koschere Fleischerei und das jüdische Lokal nur einen Meter unter der Erd- (bzw. Asphalt-) Oberfläche liegt, zeige, wie eng verbunden die jüdische Geschichte mit der Stadt ist, hatte die Direktorin des nur wenige Meter entfernen jüdischen Museums gewohnt lyrisch der BVZ gesagt.

Landeskonservator Peter Adam hatte die Ausgrabungen untersuchen und Überlegungen anstellen lassen, wie diese der Nachwelt erhalten werden könnten. Etwa indem man, wie in Klostermarienberg, die Mauern mit Spezialglas zudeckt. Oder sie zumindest einzementiert, dann wären sie zwar unsichtbar aber der Nachwelt wenigstens noch erhalten.

Diese Überlegungen sind nun hinfällig, die Funde wurden abgerissen, übrig ist nur noch ein Loch mit wenigen Steinen aus dieser vergessenen Zeit.

Sensationsfund im jüdischen Viertel Eisenstadts wieder geschleift

© BVZ/Kaiser

„Das Bundesdenkmalamt wurde hinzugezogen und alle Bauschritte wurden und werden im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt gesetzt und begleitet“, heißt es von Seiten der Barmherzigen Brüder auf BVZ-Nachfrage. Was Adam so nicht stehen lassen kann: „Es handelte sich von unserer Seite um eine so genannte Notgrabung, bei der wir die Chance haben, die Dokumentation der Ausgrabungen weitestgehend unabhängig vom Willen der Bauherren umzusetzen. Was weiter damit passiert, können wir leider nur dann beeinflussen, wenn das Objekt bereits unter Denkmalschutz gestanden hätte. Das war nicht der Fall, daher konnten wir den Abriss nicht verhindern.“

Hätte andere Lösung gefunden werden können?

Auch Heiss ist unglücklich mit dem Abriss der jüdischen Ausgrabungen: „Wünschenswert wäre natürlich eine andere Lösung gewesen“, so Heiss, deren Arbeit sie bereits an Ausgrabungen rund um die Welt geführt hat.

Dass auch die Landesregierung, die ja die Abgänge des Ordens durch die Krankenhausfinanzierung deckt, derzeit eine andere Strategie fahre und historische Ausgrabungen etwa derzeit in Mattersburg und Schandorf der Öffentlichkeit erhalte und präsentiere, quittiert die Krankenhausleitung wie folgt: „Der Zubau ist Teil des Masterplans des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt. Die Baukosten trägt zu 100 Prozent der Konvent der Barmherzigen Brüder.“

Dass die Optik, Teile des jüdischen Unterbergs für den Ausbau von Büroräumlichkeiten einzureißen, eine problematische ist, sieht man anscheinend nicht: „Der Zubau mit aufrechter Baubewilligung wird optisch an den historischen Altbestand angepasst“, heißt es nur dazu.

„Schade“, seufzt Adam: „Diese Häuser waren die ältesten und spannendsten des jüdischen Viertels. Man hat sie 1939 schon teilweise eingerissen. Dass man jetzt die letzten Teile ausgräbt und nochmals abreißt, ist schon absurd.“