Wirtshaussterben: Stadtwirt Oberwart schwimmt gegen den Strom

15-Jahr-Jubiläum

Es ist ein besorgniserregender Trend, der sich schon seit längerem vor allem im ländlichen Raum abzeichnet. Immer mehr traditionelle Gaststätten und Wirtshäuser schließen ihre Türen und die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Der Stadtwirt in Oberwart feiert hingegen seinen 15. Geburtstag.

Von Bertie Unger

„So schwierig, wie es jetzt ist, war es noch nie“, sagt auch der Stadtwirt aus Oberwart.

„So schwierig, wie es jetzt ist, war es noch nie“, sagt auch der Stadtwirt aus Oberwart.

© Stadtwirt

Der demografische Wandel ist einer der Hauptgründe für das langsame Sterben der gastronomischen Art. Ländlichen Regionen verlieren an Bevölkerung, Wirtshäuser sind auf die Unterstützung der lokalen Gemeinschaft angewiesen. Und während viele junge Menschen abwandern, um ihr berufliches Glück in der Stadt zu finden, wird die regionale Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Wirtshaussterben hat viele Gründe

„Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, die da mitspielen“, sagt Franz Perner, der Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Burgenland. „Das Gästeverhalten ist anders geworden, Menschen, die ins Wirtshaus gegangen sind, sind aufgrund von Corona nicht mehr gekommen. Das Gasthaus als Kommunikationszentrum wurde zurück gedrängt. Es sind die Frequenzen, die nachgelassen haben. Dazu kommt der enorme Aufwand, Auflagen sind oft überzogen. Da gibt es viele, viele Ursachen“, sagt Perner, der darauf hinweist, dass es vor allem auch in kleinen Orten sehr schwierig ist, ein Gasthaus rentabel zu führen.

Die Schließung von Wirtshäusern hat aber nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch eine tiefgreifende soziale und kulturelle Dimension. Wirtshäuser waren immer mehr als Orte, an denen man isst und trinkt. Wirtshäuser sind Begegnungsstätten, in denen sich Gemeinschaften treffen, Feste gefeiert und Traditionen gepflegt werden. Mit dem Verlust dieser Orte geht ein Stück kultureller Identität verloren.

Der Stadtwirt in Oberwart trotzt dem Trend

Raimund Schmidinger kennt man als Stadtwirt in Oberwart. Der gebürtige Oberösterreicher ist seit 25 Jahren selbstständig. Sein Gasthaus führt er seit 15 Jahren und auch da spielen viele kleine Mosaiksteinchen zusammen. „Eine gewisse Hartnäckigkeit gehört dazu und man muss den Beruf als Berufung leben. Das, was man gerne macht, ist dann manchmal auch von Erfolg gekrönt“, sagt Schmidinger. „Es ist nicht leicht, ganz im Gegenteil. Ich bin seit 25 Jahren selbstständig, aber so schwierig wie jetzt war es noch nie. Das Kaufverhalten der Gäste hat sich geändert. Dass man sich gemütlich hinsetzt und mehrere Stunden sitzt, das gibt es nicht mehr. Die Zeit für Genuss ist nicht mehr da. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Die Prioritäten haben sich verschoben“, sagt der Stadtwirt, der darauf hinweist, dass eine Wartezeit von zehn Minuten für ein Backhendl manchmal schon zu lange ist. Das 15-Jahr Jubiläum seines Traditionslokals feiert der Wirt der in Oberwart auch sozial sehr engagiert ist, mit Stolz.