Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane

Segel-Abenteuer

Vivien Mileder aus Frankenau und Julian Reiner aus Oberpullendorf segeln mit ihrer „Ventura“ seit knapp acht Monaten über Ozeane, meistern Wind und Wetter, trafen auf Orcas und erlebten Momente, die für immer bleiben. Vor Kurzem überquerten sie erfolgreich den Atlantik.

Von Isabella Kuzmits

Nach ihrer ersten fünftägigen Überfahrt vom Festland brachten Vivien Mileder und Julian Reiner das Logo ihres Segelschiffs Ventura an der Kaimauer der Insel Porto Santo (Portugal) an. Von dort ging es via Kapverden (Afrika) nach Französisch-Guayana (Südamerika).

Nach ihrer ersten fünftägigen Überfahrt vom Festland brachten Vivien Mileder und Julian Reiner das Logo ihres Segelschiffs Ventura an der Kaimauer der Insel Porto Santo (Portugal) an. Von dort ging es via Kapverden (Afrika) nach Französisch-Guayana (Südamerika).

© Privat

BVZ: Ihr seid im Juli 2025 auf eure Weltreise aufgebrochen. Welche Orte habt ihr bisher besucht?

Mileder & Reiner: Wir sind mittlerweile durch sieben Länder gesegelt – Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal mit Porto Santo und Madeira, vier kanarische Inseln, Sao Vicente in Kapverden und über den Atlantik nach Südamerika, nach Französisch-Guayana und Suriname. Vor einigen Tagen sind wir in der Karibik auf der Insel Tobago angekommen. Jeder Ort hat seine Schönheit, aber eigentlich ist Porto Santo, die kleine Insel vor Madeira, noch immer sehr präsent. Wir sind dort nach unserer ersten fünftägigen Überfahrt vom Festland angekommen und fühlten uns zum ersten Mal als Langfahrer.

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Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane
Vivien Mileder bei einer Wanderung auf Porto Santo: „In der Marinabar waren lauter Segler, die ihre Geschichte erzählten. Auch die Landschaft ist einfach sehenswert“.

© Sailing Ventura

Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane
Julian Reiner bei einem Ausflug auf der Insel Porto Santo.

© Sailing Ventura

BVZ: Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr den Atlantik erfolgreich überquert habt?

Mileder & Reiner: Es war anfangs surreal. Wir zwei auf unserem 11 Meter langen Segelboot waren 17 Tage allein auf See und haben 1.900 Seemeilen zurückgelegt. Eigentlich kamen wir an, und dachten uns, wann geht es weiter? Auch wenn die letzten Tage der Überfahrt aufgrund starker Regenfälle und Starkwind sehr anstrengend waren, hätten wir gleich weiterfahren können. Wir waren so in unserem Rhythmus, es passte einfach alles. Erst als viele Nachrichten von daheim gekommen sind, konnten wir selbst stolz, ehrfürchtig und einfach begeistert über uns und unser Segelboot sein.

BVZ: Was war der schönste Augenblick während der Überfahrt?

Mileder & Reiner: Silvester 2025 auf See zu verbringen und dabei auch noch ein anderes Segelboot, das am selben Tag wie wir aus Mindelo auf den Kapverden losgefahren ist, zu treffen. Wir hatten uns eigentlich nach dem ersten Tag verloren und dann zu Mitternacht am 31. Dezember hätten wir beinahe von Boot zu Boot anstoßen können, so nah sind wir uns gekommen. Wir wünschten über Funk auf Französisch und das Boot „Argo“ auf Mundart ein frohes neues Jahr. Eigentlich gab es aber viele schöne Momente: atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge, einen sternenübersäten Nachthimmel mit unzähligen Sternschnuppen, unsere Wahnsinns-Fänge – zwei Mahi Mahi und ein Thunfisch -, jedes von Julian gezauberte Essen, …

Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane

© Sailing Ventura

Einen Moment wollen wir aber noch besonders hervorheben. Bei der Überfahrt auf die Kapverden entlang der afrikanischen Küste sah Julian ein treibendes Fischernetz , in dem sich eine Schildkröte verfangen hatte. Wir wussten sofort, wir wollen helfen! Das Vorhaben war aber nicht ganz ungefährlich, denn wenn ein Netz in die Schiffsschraube kommt, kann dies schnell zu einem ernsten Problem werden. Wir konnten jedoch helfen und die Schildkröte in die Freiheit entlassen.

BVZ: Gab es Situationen, in denen ihr Angst hattet oder euch unsicher gefühlt habt?

Mileder & Reiner: Angst hatten wir eigentlich nie, denn wir vertrauen unserem Boot sehr. Respekt hatten wir jedoch schon in einigen Situationen: Zum Beispiel, als am Radar nur noch rote Flecken herum zu sehen waren, besonders nachts, wenn dunkle Wolken kaum erkennbar sind. Auch das Schlafen bei starkem Wellengang, prasselndem Regen und tosendem Wind fiel uns schwer.

Ein anderes Erlebnis, das gleichzeitig Ehrfurcht und Dankbarkeit hervorrief, war eine Orcasichtung zwischen den Kanaren und den Kapverden, etwa 700 Kilometer vom Land entfernt. Diese majestätischen Meeresbewohner begleiteten uns eine halbe Stunde. Unsere „Ventura“ wirkte neben den großen Tieren winzig, und obwohl kurz ein Gefühl von Respekt aufkam, überwog schnell die Dankbarkeit, diese Riesendelfine in freier Wildbahn beobachten zu dürfen. Es war ein unvergesslicher Moment, der uns die Größe und Schönheit des Ozeans eindrucksvoll vor Augen führte.

Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane

© Sailing Ventura

BVZ: Wie habt ihr euch auf mögliche Notfälle vorbereitet?

Mileder & Reiner: Wir haben uns umfassend vorbereitet. Dazu gehörte das Zusammenstellen einer Grab-Bag mit den wichtigsten Ausrüstungs- und Erste-Hilfe-Materialien. Zudem haben wir verschiedene Notfallszenarien im Vorfeld durchgesprochen und klare Abläufe festgelegt. Die Kommunikation mit einem definierten Notfallkontakt war jederzeit über ein Satellitentelefon sichergestellt, sodass wir auch in abgelegenen Gebieten erreichbar sind.

BVZ: Wie sieht ein typischer Tag auf eurem Segelboot aus?

Reiner: Ein typischer Tag an Bord richtet sich stark nach der Sonne – insbesondere bei der Atlantiküberquerung. Der Tag beginnt mit dem Frühstück, während Vivien gleichzeitig die Eintragungen ins Logbuch vornimmt. Danach verbringen wir die Tageswachen gemeinsam im Cockpit, genießen die frische Brise und das Schaukeln des Bootes. Zwischendurch wird gefischt, gelesen und gekocht - gelegentlich backen wir sogar Brot. Zum Alltag gehören ein kurzes Mittagsschläfchen sowie regelmäßige Kontrolle von Segeln, Kurs, Geschwindigkeit und Wetter. Nachts übernehmen wir die Wachen im Wechsel: Jeder trägt in etwa vier bis fünf Stunden Verantwortung, während der andere versucht erholsamen Schlaf zu finden.

Liegen wir im Hafen, vor Anker oder an einer Boje richtet sich unser Tagesablauf stark nach der Umgebung und danach, ob Arbeiten am Boot anstehen. Oft gibt es etwas zu warten, zu pflegen oder defekte Teile auszutauschen – dann ist mein handwerkliches Talent gefragt. Gleichzeitig sind wir an neuen Orten immer neugierig auf das Land, die Menschen und alles, was es zu entdecken gibt. Häufig verbringen wir auch gemeinsam mit anderen Seglern Zeit, tauschen Erfahrungen aus und knüpfen neue Freundschaften.

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© Sailing Ventura

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In der Werft von Madeira wurde im Oktober das „Antifouling“ (Bewuchsschutz) der Ventura erneuert. Das Boot wechselte hierbei von der Farbe Rot auf Blau.

© Sailing Ventura

BVZ: Was war die größte Umstellung im Vergleich zum Leben an Land?

Mileder & Reiner: Die größte Umstellung ist eindeutig der begrenzte Raum. Uns stehen 15 Quadratmeter zur Verfügung, von denen ein großer Teil für Ausrüstung benötigt wird. Entsprechend haben wir unsere Kleidung und persönlichen Gegenstände auf das absolute Minimum reduziert. Mit dem begrenzten Raum geht auch die Herausforderung einher, Zeit für sich selbst zu finden. Auch Ordnung ist essenziell: Alles muss seinen festen Platz haben und nach jeder Nutzung wieder verstaut werden.

Außerdem dauert auf einem Boot vieles deutlich länger. Selbst alltägliche Aufgaben wie Lebensmittel einkaufen oder organisatorische Erledigungen erfordern mehr Planung, Geduld und Flexibilität. Mit der Zeit haben wir jedoch gelernt, uns darauf einzustellen, bewusster mit Platz, Ressourcen und Zeit umzugehen – und gerade diese Herausforderungen machen das Leben auf See gleichzeitig intensiv und besonders.

BVZ: Welche Aufgaben habt ihr untereinander aufgeteilt?

Mileder: Julian ist eindeutig unser Koch, während ich hauptsächlich für Struktur an Bord sorge. Reparaturen rund ums Boot übernehmen wir gemeinsam, ebenso alltägliche Dinge wie Einkaufen oder Wäschewaschen. Bei der Planung von Ausflügen bin ich meist federführend, während Julian sich um die Organisation von Ersatzteilen kümmert und schnell Kontakte mit anderen Seglern knüpft.

Segeltechnisch arbeiten wir Hand in Hand: Julian fühlt sich auf dem Vordeck wohl, z.B. beim Setzen der Segel, während ich in dieser Zeit das Steuer übernimmt. Beim An- und Ablegen steuert meist Julian das Boot, während ich mich um das Leinenhandling und das Festmachen kümmere.

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© Sailig Ventura

BVZ: Habt ihr auf eurer Reise Gleichgesinnte getroffen und Freundschaften mit anderen Crews geschlossen?

Mileder & Reiner: Ja, sehr viele! Eigentlich fast an jedem Ort, den wir bisher bereisen durften. Die Seglercommunity ist ausgesprochen offen und der Austausch untereinander ist ein fester, wertvoller Bestandteil des Unterwegsseins. Einige Crews haben uns sogar über mehrere Etappen begleitet, sodass wir Meilensteine gemeinsam erreichen und feiern konnten.

Besonders bereichernd ist es, länger an einem Ort zu bleiben und Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen. Auf Madeira wurden wir beispielsweise an zwei Abenden von einem Werftarbeiter eingeladen und durften trotz Sprachbarriere mit seiner Familie zu Abend essen.

Immer wieder ist es auch ein wunderschönes Wiedersehen, wenn man andere Crews nach längerer Zeit an einem völlig anderen Ort wiedertrifft. Für all diese Begegnungen sind wir sehr dankbar, und wir wissen: Nach unserer Reise werden wir viele Menschen rund um den Globus sicher wieder besuchen.

BVZ: Was würdet ihr anderen Paaren raten, die von einer ähnlichen Reise träumen?

Mileder & Reiner: Traut euch! Diese Erlebnisse nimmt euch niemand mehr weg, und sie auf „später“ zu verschieben kann bedeuten, dass es irgendwann zu spät ist. Sucht euch ein gutes, solides Boot – aber verliert euch nicht zu lange in der Suche. Vieles lernt man erst unterwegs. Versucht, möglichst viel selbst zu machen, denn gerade an abgelegenen Orten ist es wichtig, kreativ zu werden. Vor allem aber: Seid offen für alles – für die leichten, schönen Momente ebenso wie für die schwierigen, ungewohnten Erfahrungen. Genau diese Mischung macht die Reise so besonders.

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Mit dem Wind um die Welt – Oberpullendorfer Paar überquert Ozeane
Die Langfahrt-Abenteurer Vivien Mileder und Julian Reiner – auf dem Bild im Dschungel von Französisch-Guyana – erzählen im Interview mit der BVZ von ihren schönsten Erlebnissen, Herausforderungen auf See und warum man große Träume nicht auf später verschieben sollte.

© Sailing Ventura

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Im Regenwald von Französisch Guyana.

© Sailing Ventura

BVZ: Wie geht ihr mit Heimweh um?

Mileder & Reiner: Heimweh gehört für uns dazu, auch wenn die Zeit unterwegs unglaublich schnell vergeht. Wir versuchen, Familie und Freunde so oft wie möglich per Videotelefonie zu sehen. Trotzdem ersetzt das nicht die Nähe – Eltern, Geschwister, Neffen, Großeltern und Freude in den Arm nehmen zu können. Gleichzeitig wissen wir, dass diese Zeit wieder kommen wird. Wir freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen nach unserer Reise und sind gespannt darauf, wie sich alle verändert haben – genauso wie wir selbst.

BVZ: Was sind die nächsten Etappen eurer Weltreise?

Mileder & Reiner: Aktuell erkunden wir Tobago in der Karibik. Danach Grenada, die Grenadinen und St. Lucia. Vor der Hurrikan-Saison, die Ende Mai/Anfang Juni beginnt, planen wir die ABC-Inseln zu bereisen und weitere Ziele in dieser Region zu entdecken. Zum Abschluss könnten wir uns gut vorstellen, Kolumbien gemeinsam mit einer anderen Crew kennenzulernen. Danach wartet bereits der nächste - vermutlich größte und anspruchsvollste - Abschnitt unserer Reise: der Pazifik. Hier erwarten uns knapp 40 Tage auf See. Wir sind unglaublich gespannt auf alles, was dort auf uns zukommt.

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© BVZ