Mit dem Segelboot um die ganze Welt: Zwei Mittelburgenländer erzählen

Interview der Woche

Vivien Mileder aus Frankenau und Julian Reiner aus Oberpullendorf erfüllen sich einen Wunsch, von dem viele nur träumen und starten in wenigen Tagen von der Marina Muiderzand in der Nähe von Amsterdam aus auf eine zweijährige Reise rund um den Globus. Aktuell werden noch letzte Handgriffe erledigt, ehe das Segler-Duo Ende Juli in See sticht.

Von Von Isabella Kuzmits

Leidenschaftliche Segler. Vivien Mileder und Julian Reiner brechen kommende Woche auf eine Weltreise mit dem Segelboot auf.

Leidenschaftliche Segler. Vivien Mileder und Julian Reiner brechen kommende Woche auf eine Weltreise mit dem Segelboot auf.

© Privat

BVZ: Wie ist die Idee zu einer Weltumsegelung entstanden?

Vivien und Julian: Wir segeln seit mehreren Jahren gemeinsam und haben schon verschiedene Reviere erkundet. Der Wunsch, für längere Zeit unterwegs zu sein, ist über die Jahre immer mehr gewachsen – und dann haben wir uns gefragt: Warum nicht gleich um die ganze Welt? Statt später vielleicht zu sagen „Hätten wir doch nur …“, machen wir es jetzt – mit einem eigenen Boot.

BVZ: Welche Route wollt ihr nehmen? Welche Stationen sollen auf eurer Weltreise unbedingt mit dabei sein?

Vivien und Julian: Wir wollen die sogenannte „Barfußroute“ segeln – das ist die klassische Weltumsegelungsroute entlang des Äquators, von Ost nach West, mit den Passatwinden im Rücken. Diese Route gilt als vergleichsweise wetterstabil – perfekt, um die Welt im eigenen Tempo zu umrunden.

Es wird sehr viele schöne Orte entlang der Strecke geben, schwer zu sagen, wo uns der Wind hintreibt.

Mit dem Segelboot um die ganze Welt: Zwei Mittelburgenländer erzählen

© BVZ, Isabella Kuzmits

BVZ: Mit welchem Boot stecht ihr in See?

Vivien und Julian: Wir segeln mit einer knapp 11 Meter langen Segelyacht, die wir im vergangenen Jahr ausrüstungs- und sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand gebracht haben.

Das Boot ist nicht neu, aber zuverlässig, robust und genau auf unsere Bedürfnisse für die große Reise vorbereitet.

BVZ: Wie muss da die Beladung aussehen?

Vivien und Julian: Unser Boot ist für die Langfahrt ausgerüstet – und die Beladung muss gut durchdacht sein. Wir brauchen alles für Navigation, Sicherheit, Reparaturen, Proviant und das Leben an Bord. Dabei gilt: möglichst leicht, kompakt und seefest verstaut.

Mit dem Segelboot um die ganze Welt: Zwei Mittelburgenländer erzählen

© Privat

BVZ: Wann geht es los und von wo aus startet ihr eure Reise ?

Vivien und Julian: Wir starten Ende Juli 2025 in Amsterdam. Unser Ziel ist es, bis Ende Dezember von Kap Verde über den Atlantik in die Karibik zu segeln – natürlich mit genügend Zeit für Zwischenstopps und Anpassung an Wetterfenster.

BVZ: Was wird die längste Strecke sein, die ihr durchgehend am Meer sein werdet?

Vivien und Julian: Die längste Etappe wird voraussichtlich die Pazifiküberquerung – die kann mit unserer Bootsgröße gut 30 Tage dauern.

Auch der Atlantik ist eine große Strecke, für die wir etwa drei Wochen einplanen. Die Ozeanüberquerungen werden also definitiv ein neuer Meilenstein für uns – auf den wir uns mit viel Respekt, aber auch Vorfreude vorbereiten.

BVZ: Welche Segelerfahrungen habt ihr bisher sammeln können?

Vivien und Julian: Wir haben in den letzten Jahren mehrere tausend Seemeilen im Mittelmeer und Atlantik gesammelt – auf unterschiedlichen Booten und mit verschiedenen Crews.

Diese Erfahrungen waren unglaublich wertvoll, weil wir viele Reviere, Wetterlagen und Umgangsweisen an Bord kennengelernt haben. Sie haben uns gut auf die Langfahrt vorbereitet.

BVZ: Wo hat es euch bisher am besten gefallen?

Vivien und Julian: Besonders gut gefallen haben uns die Kanarischen Inseln – der tiefblaue Atlantik, die Grindwale und Delfine, das milde Klima und die beeindruckende, vielseitige Natur, haben uns einfach begeistert. Dort haben wir nicht nur tolle Segelerfahrungen gesammelt, sondern auch die besondere Atmosphäre genossen, die besonders unter Langfahrern durch Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit geprägt ist.

BVZ: Wie bereitet man sich auf eine Weltreise vor?

Vivien und Julian: Wir bereiten uns inzwischen seit über zwei Jahren auf die Reise vor. Am Anfang standen viele Ideen, Träume – und ganz praktische Überlegungen: Wie wollen wir das angehen, welches Boot passt zu uns, wie lässt sich das beruflich und organisatorisch umsetzen? Seitdem ist viel passiert: Wir haben unser Boot gefunden, es ausgerüstet, unsere Kenntnisse vertieft, Reviere getestet und Stück für Stück alles vorbereitet – vom Sicherheitskonzept bis zur Routenplanung. Es ist ein Prozess, der viel Zeit, Energie und Herzblut braucht – aber genau das macht ihn so besonders.

BVZ: Wollt ihr ausschließlich zu zweit unterwegs sein oder würdet ihr zwischendurch auch einen Mitsegler aufnehmen?

Vivien und Julian: Grundsätzlich wollen wir die Reise zu zweit unternehmen, aber gerade am Anfang werden uns sicher auch Familie und Freunde auf einzelnen Etappen begleiten. Das ist schön, denn so können wir besondere Momente teilen, bevor es dann auf die längeren Passagen geht.

BVZ: Wird es einen Blog geben, wo man eure Reise verfolgen kann?

Vivien und Julian: Ja, wir haben einen Instagram Account „sailing.ventura“ und arbeiten gerade an unserer Homepage. Dort gibt es einen Livetracker, über den man unsere Route in Echtzeit verfolgen kann – ergänzt durch aktuelle Berichte, Fotos und Einblicke in unseren Alltag an Bord. So können Familie, Freunde und alle Interessierten unsere Reise miterleben.

BVZ: Mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn man sich auf solch ein Abenteuer begeben will?

Vivien und Julian: Die genauen Kosten sind sehr individuell und hängen stark vom Boot, vom Komfortanspruch und vom Lebensstil unterwegs ab.

Wir haben uns dazu ein Budget gesetzt und alles gut durchgerechnet – inklusive Reserven für laufende Kosten und unvorhergesehene Reparaturen. Wer es genauer wissen will: Wir planen, dazu einen eigenen Blogbeitrag zu veröffentlichen.

BVZ: Wie schafft man es, so eine Reise zu finanzieren?

Vivien und Julian: Man muss kreativ sein: sparen, schrauben, tauschen – und manchmal einfach glauben, dass es geht.

Reich werden wir unterwegs sicher nicht, aber dafür reicher an Erfahrungen und Erlebnissen.

BVZ: Welchen Tipp habt ihr gegen Seekrankheit?

Vivien und Julian: Wenn jemand seekrank wird, hilft es am besten, sich mittschiffs aufzuhalten – dort sind die Bewegungen am geringsten. Auch am Steuerstand zu stehen und den Blick auf den Horizont zu richten, kann helfen, weil das Gleichgewichtssystem sich so besser orientieren kann.

Ingwer soll ebenfalls wirken, haben wir aber selbst noch nicht ausprobiert. Und wenn es wirklich schlimm wird, haben wir zur Sicherheit auch Medikamente an Bord.

BVZ: Zwei Jahre auf See sind zwei Jahre ohne Familie und Freunde – wie geht man damit um?

Vivien und Julian: Zwei Jahre auf See bedeuten natürlich auch, dass wir Familie und Freunde vermissen werden – das ist uns sehr bewusst.

Zum Glück lebt man heute nicht mehr völlig abgeschottet: Über digitale Medien können wir in Kontakt bleiben, regelmäßig schreiben und telefonieren. Und wir freuen uns sehr über Besuch unterwegs – einige Etappen werden wir bewusst so legen, dass Familie und Freunde mit an Bord kommen können.

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Mit dem Segelboot um die ganze Welt: Zwei Mittelburgenländer erzählen
Die Abenteur von Vivien und Julian können auf dem Instagram-Account „sailing.ventura“ oder unter www.sailing-ventura.at mitverfolgt werden.

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Mit dem Segelboot um die ganze Welt: Zwei Mittelburgenländer erzählen
Setzen Ende Juli die Segel. Julian und Vivien haben sich in den vergangenen Jahren intensiv auf ihre Weltreise vorbereitet. Beenden möchten sie diese in Griechenland.

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