Marzer Regisseur: „Ich wollte einen unheimlichen Märchenfilm drehen“

Benjamin Knöbl

Nach „The Reason for living“ und „Impetus“ legt der aus Marz stammende und in L.A. lebende Regisseur Benjamin Knöbl mit „Red Lilies“ seinen dritten aufwändig produzierten Film vor.

Von Christian Artner

Benjamin Knöbl (Mitte) und seine Film-Crew bei der Premiere von „Red Lilies“ beim LA Shorts Fest im Juli. Foto: zVg

Benjamin Knöbl (Mitte) und seine Film-Crew bei der Premiere von „Red Lilies“ beim LA Shorts Fest im Juli. Foto: zVg

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Worum geht es in deinem Film?

Benjamin Knöbl:„Red Lilies“ ist ein 14-minütiger Psycho-Thriller. Lily, die 6-jährige Protagonistin, lebt in einem kleinen Haus mitten im Nirgendwo zusammen mit ihrer Mutter. Alles ist friedlich und idyllisch. Eines Tages kommt ein Fremder an dem Haus vorbei und versucht, das kleine Mädchen wegzulocken. Was dann passiert, wird das Leben aller für immer verändern.

Wie ist die Idee zum Film entstanden?

K:Ich liebe Märchen und Sagen und habe diese Liebe schon in einigen Drehbüchern zum Ausdruck gebracht. Nach meinem letzten Film Impetus, einem Historiendrama, wollte ich wieder zurück ins Thriller/Horror-Genre gehen. Nachdem der letzte Kurzfilm mit 32 Minuten sehr lang war, habe ich dieses Mal auf den zeitlichen Sweet Spot des Formats abgezielt: 10-15 Minuten. Umgerechnet sind das 10-15 Seiten Drehbuch. Mit diesen Parametern habe ich mich hingesetzt und nach Themen gesucht, die ich spannend finde und bin bei Hänsel und Gretel fündig geworden. Bekanntlich geht es dort darum, dass zwei Kinder in den Wald laufen und nicht mehr nachhause finden. Das hat mich inspiriert. Mehr möchte ich gar nicht verraten, nur so viel: Nichts bleibt wie es ist.

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Die Hauptdarstellerin ist die erst 6-jährige Kynlee Heiman. Gibt es Unterschiede bei der Zusammenarbeit mit erwachsenen Schauspielern und Kinderschauspielern?

K:: Mit Kindern zu drehen ist ein bisschen wie Lotto spielen, weil man nicht weiß, was man am Drehtag selbst bekommt. Der amerikanische Schauspieler W.C. Fields hat gesagt: Arbeite nie mit Kindern oder Tieren, denn beide sind unberechenbar. Daeshalb hatte ich vor dieser Regiearbeit sehr viel Respekt, weil ich ja wirklich nicht wusste, was auf mich zukommt. Wenn ein Kind momentan keine Lust hat zu drehen, dann kann man nun mal nicht drehen. Ein Erwachsener kann sich das natürlich nicht erlauben. Kynlee und ich hatten aber von Anfang an einen guten sehr Draht zueinander. Sie war beim Dreh ein Energiebündel und wollte immer weitermachen, auch wenn die per Gesetz streng bemessenen maximalen acht Stunden am Set schon vorbei waren.

Mit sechs Jahren hatte sich wahrscheinlich auch noch keine Schauspielerfahrung gesammelt. Hattest du Bedenken, dass sie schauspielerisch das, was du dir vorgestellt hast, nicht umsetzen könnte?

K:Beim Casting habe ich an die 100 Kinder gesehen, die sich für die Rolle beworben haben. Das ging von jungen Darstellern, die Lust am Schauspielen haben, bis hin zu „Eislaufmüttern“, die ihr Kind zum Star machen wollen, das Kind selbst aber null Interesse hat. Für mich war es wichtig, wie die Kinder mit der Szene während des Castings umgehen. Jeder Schauspieler – egal ob Kind oder Erwachsener – bekommt dafür eine Szene, die sie entweder persönlich oder per Video vorspielen. Dazu gab es von mir ein kurzes Statement, wie ich mir die Rolle vorstelle. Aus dem Pool habe ich die drei besten Mädchen ausgesucht, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie die Rolle verstanden haben, dass sie spielen wollten, und, dass sie auch die Ausdauer haben, eine Hauptrolle zu tragen. Am Ende habe ich Kynlee Heiman ausgewählt. Sie war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Wie hast du Kynlee auf ihre Rolle vorbereitet oder welche Unterstützung brauchte sie beim Drehen?

K:gibt verschiedene Ansätze, wie Schauspieler mit Regisseuren arbeiten und wie sie an ihre Rollen herangehen – siehe da Stanislavski, Chekhov, Meisner etc. Ich gehe dabei sehr gerne tief in die Charaktere meiner Schauspieler, und wir reden gemeinsam intensiv über die Rolle und was die Figur in einem gewissen Moment gerade empfindet und woher das kommt. Dabei greift man gemeinsam oft weit in die eigenen, persönlichen Erfahrungen zurück. Auch mit Kynlee habe ich anfangs versucht die Rolle auf diese Weise herauszuarbeiten – aber mit sechs Jahren hat man klarerweise noch nicht so viel Lebenserfahrung, auf die man zurückgreifen kann. Ich habe dann relativ schnell bemerkt, was ihr viel mehr weiterhilft: das Technische. Anstatt über den emotionalen Hintergrund einer Szene zu sprechen, haben wir beredet, wie sie ihre Dialoge und Handlungen am besten auslegt. Also: hier mit einem Lächeln, da mit einer Träne, dort mit gerümpfter Nase.

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Du hast ganz „altmodisch“ auf 16mm-Film gedreht.

K:Genau, mit einem sehr guten amerikanischer Kameramann, Adam Leene, der viel Erfahrung mit Kurzfilmen und vor allem mit 16mm-Film hat. Ich komme aus der Generation von Filmstudenten, die während des Studiums fast ausschließlich digital drehten. Ich hab mir aber schon damals gesagt: Wenn ich mal „groß“ bin (lacht), werde ich auch auf Film drehen. Das ist mit Red Lilies Wirklichkeit geworden. Da der Film zu zwei Dritteln draußen mit natürlichem Licht spielt und wir einen magischen Drehort gefunden hatten, beschlossen mein Kameramann und ich auf 16mm Film zu drehen. Meine Vision war einen „unheimlichen Märchenfilm“ zu schaffen. Das Zelluloid hat dabei unglaublich geholfen, diesen Look zu erzeugen. Egal wie weit Digitalkameras heute schon sind, sie können noch immer nicht dieselbe Detailliertheit und denselben Farbenreichtum einfangen wie Film. Das hat sich vor allem in der Nachbearbeitung gezeigt, als wir die Farben allgemeinem verstärkt und bestimmte Farben weiter herausgeholt haben. Es ist daraus tatsächlich ein visuell unheimliches Märchen entstanden.

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Einige Bilder vom Set zu "Red Lilies".

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Der Drehort für Impetus war ja unter anderem in Baumgarten im Bezirk Mattersburg? Wo wurde dieses Mal gedreht?

K:Wir haben in Los Angeles gedreht. Da ich ein kleines Haus im Wald gebraucht habe, wir aber aus Kostengründen im Umkreis der Stadt drehen mussten – und L.A. ist sehr groß –, habe ich sehr viele Drehorte durchforstet. Schließlich bin ich unweit von Malibu auf einem privaten Grundstück im Topanga Canyon fündig geworden.

Impetus hatte mehrere Aufführungen im Mattersburger Cineplexx. Wird Red Lilies auch wieder bei uns zu sehen sein?

K: Ja, wir planen den Film zur Weihnachtszeit wieder in einem Kino den Burgenländerinnen und Burgenländerin zu zeigen. Dann werde ich auch wieder dabei sein.

Auf welchen Festivals wurde der Film schon vorgeführt?

K: Wir sind erst am Anfang unseres „Festival Circuit“. Premiere hatte der Film beim LA Shorts Fest, das zu den größten Kurzfilm-Festivals der Welt gehört. Es ist außerdem von der Academy akkreditiert und damit eines der OSCAR-qualifying Film Festivals.

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Auf dem LA Shorts hatte Red Lilies kürzlich Premiere.

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Weißt du noch, wie dein Wunsch Regisseur zu werden, entstanden ist?

K: Ich war immer schon sehr interessiert an Musik, Kunst und Kultur. Als Teenager habe ich dann Filmklassiker entdeckt und mich stark mit der Filmgeschichte beschäftigt. Das hat mich dann mehr und mehr in seinen Bann gezogen, vor allem Filme von Kubrick, Fellini und Almodovar haben mich beeinflusst. Und dann kam irgendwann der Wunsch auf: Das will ich auch machen.

Filmregisseur zu sein ist sicherlich für viele ein Traumberuf. Gibt es ein Erfolgsrezept?

K:Einerseits kann jeder Filmregisseur sein – man nimmt eine Kamera und filmt eine Geschichte. Je professioneller man es machen möchte, umso schwieriger wird es, weil es viel Arbeit und Geld kostet. Das Schwierigste ist, Regisseur als vollen Beruf zu ergreifen. Das merkt man vor allem hier in Hollywood, wo es Zehntausende gibt, die ins Filmgeschäft wollen. Dann braucht man auch ein bisschen Glück. Man muss schauen, so viele Eisen wie möglich im Feuer zu haben: immer Filme zu machen, Drehbücher bereit zu halten, sein Netzwerk auszubauen, auf Festivals zu gehen, und vor allem – nicht aufzugeben. Und das ist nicht immer leicht, denn wie man in Hollywood sagt: Der Erfolg über Nacht braucht etwa 10 Jahre. Und selbst dann klappt es für die meisten trotzdem nicht.

Man hat eine ungefähre Vorstellung, was ein Regisseur so alles macht. „Und... Action“ zu rufen ist nur ein Teil davon. Was gehört alles zu den Aufgaben eines Regisseurs?

K: Regie bedeutet, die gesamte Produktion künstlerisch zu leiten. Das heißt einerseits mit den Schauspielern ihre Rollen herauszuarbeiten und mit dem Kameramann die Bildsprache festzulegen. Aber auch mit der Kostümbildnerin die Farben und Stile der Kostüme auszuwählen oder mit dem Requisiteur die Machart und Farbe eines Gartenzauns auszusuchen – der Zaun in Red Lilies spiel übrigens eine besondere Rolle. Auch nach dem Dreh bedeutet Regie zu machen, alle kreativen Entscheidungen zu treffen. Das beinhaltet den Schnitt, aber auch mit dem Komponisten die passende Musik zu finden oder mit der Coloristin die Farbpalette für den fertigen Film festzulegen. Bei einem der letzten Schritte sitzt man mit dem Post-Production Sound Mixer zusammen und bespricht, wo vielleicht noch Geräusche wie Wind, Rauschen, Kühlschranksurren usw. einzufügen sind. Am Ende geht es darum, eine komplette Welt zusammenzustellen, die für die Zuschauer zugänglich ist und sie mitreißt.

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Du führst nicht nur bei deinen eigenen Filmen Regie, sondern bist auch bei anderen Produktionen mit verschiedenen Aufgaben betraut. Kannst du dazu ein wenig mehr erzählen?

K: Aktuell arbeite ich auch als Production Coordinator. Unser Team hält die Produktion quasi am Laufen. Wir stellen Leute ein, planen Drehtage, versorgen die einzelnen Departments mit allem was sie brauchen und behalten dabei das Budget im Auge. Die Bekanntesten mit denen ich kürzliche gearbeitet habe, waren Michael Keaton und James Marsden im Thriller Knox Goes Away, der kürzlich im Kino war. Davor habe ich in Moving On mit Jane Fonda und Lily Tomlin gearbeitet. Ich war kürzlich auch für 's österreichische TV als Producer/Regisseur tätig, und zwar für zwei „Puls 4“-Sendungen, die in den USA gedreht wurden: „Very Good for Hollywood“ und „Die Candy Ken Show“. In „Very Good For Hollywood“ geht es um Österreicher, die in L.A. leben. Da war ich einer der lokalen Produzenten in L.A. und habe einige der Storylines gedreht. Einer der Protagonisten war der Vorarlberger Influencer "Candy Ken". Das ist neben meinem Job als Production Coordinator mein aktueller Day Job. Das Spannende in jeglicher Hinsicht für mich ist: Man weiß heute nicht was morgen kommt.

Deine bisherigen Filme lassen sich den Genres Psychothriller/Horror, Drama zuordnen, es herrscht stets eine ernste, beklemmende Grundstimmung. Könntest du dir auch vorstellen, Komödien zu drehen?

K: Im Drama/Thriller/Horror Bereich fühle ich mich tatsächlich am wohlsten, weil das auch die Genres sind, die ich mir am liebsten anschaue. Im Studium habe ich mich mal an einer Komödie versucht, die dann zu einer schwarzen Komödie mit Mord und Totschlag wurde. Ich glaube, ich lasse Komödien vorerst mal aus.

Du lebst in L.A. Sieht man dort regelmäßig die Filmstars auf der Straße rumlaufen, wie man sich das mitunter vorstellt?

K: So wie man das in Filmen sieht oder in Reiseführern liest, ist es in L.A. nicht. Vor allem am Hollywood Boulevard wird man nie einen Star auf der Straße sehen, außer sie gehen zu einer Filmpremiere. Die meisten wohnen hinter hohen Zäunen in den Hollywood Hills und wenn man sie in der Öffentlichkeit trifft, dann entweder in den teuren Lokalen abseits der Touristenviertel oder in einem Organic Coffee Shop im Hipster Viertel. Die meisten Stars, die ich getroffen habe, kenne ich tatsächlich von der Arbeit.

Alle Infos zu „Red Lilies“: www.bknoebl.com oder Instagram: @redliliesfilm