FPÖ überholt auch im Neusiedler Bezirk die ÖVP

Landtagswahl-Analyse

Alle 27 Gemeinden des Neusiedler Bezirks sind bereits ausgezählt. Das Ergebnis spiegelt den landesweiten Trend wider.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

FPÖ überholt auch im Neusiedler Bezirk die ÖVP

Die Landtagswahl 2025 im Burgenland zeigt im Wahlkreis Neusiedl am See erste vorläufige Ergebnisse. Sämtliche 27 Gemeinden dieses Wahlkreises sind ausgezählt. Dabei erreicht die SPÖ 45,4 Prozent der Stimmen, was einem Rückgang von 3,48 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Wahl entspricht. Die ÖVP erzielt 22,3 Prozent und verzeichnet einen Verlust von 9,2 Prozentpunkten. Die FPÖ ist wie auf Landesebene auch im Bezirk die große Gewinnerin. Sie legt deutlich zu und kommt auf 31,5 Prozent, was ein Plus von 13,04 Prozentpunkte bedeutet. Die Grünen erreichen 5,9 Prozent, das entspricht einem Verlust von 1,15 Prozent. Die NEOS kommen auf 2,3 Prozent und legen leicht um 0,69 Prozentpunkte zu. Die Liste Hausverstand erzielt 0,8 Prozent, was einen Zuwachs von 0,78 Prozentpunkten darstellt.

Das vorläufige Ergebnis deutet auf deutliche Verschiebungen im Wählerverhalten hin, insbesondere auf Kosten von SPÖ und ÖVP, während die FPÖ erhebliche Gewinne verzeichnen kann.

Erste Reaktionen: Ergebnis „erwartbar“

Im Büro der Bezirks-SPÖ traf die BVZ am Nachmittag auf Bezirksgeschäftsführer Fritz Radlspäck und auf den Landtagsabgeordneten Gerhard Bachmann aus Deutsch Jahrndorf. Die Stimmung war gelöst. Das SPÖ-Ergebnis, sei so, wie man es erwarten konnte. Auf eine Wiederholung der „SPÖ-Absoluten“ hat man wohl insgeheim gehofft, aber damit gerechnet hat man nicht.

Gerhard Bachmann freute sich über das Ergebnis in seiner Heimatgemeinde, wo er sogar ein kleines Plus für die SPÖ holen konnte und über die vielen Vorzugsstimmen in den Gemeinden der Parndorfer Platte. Ob es für ihn reichen wird, um wieder ein Mandat im Landtag zu erhalten, ist noch nicht klar. Auf die Frage, mit wem nun die SPÖ koalieren werde, wollten die beiden nicht antworten. Eine „gmahde Wiesn“ dürfte wohl keine der möglichen Koalitionsvarianten sein.

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FPÖ überholt auch im Neusiedler Bezirk die ÖVP
SPÖ Bezirksgeschäftsführer Fritz Radlspäck mit Landtagsabgeordneten Gerhard Bachmann in Erwartung der Gemeindeergebnisse.

© Birgit Böhm-Ritter

FPÖ überholt auch im Neusiedler Bezirk die ÖVP

© Birgit Böhm-Ritter

Drei Mandate dürfte die SPÖ im Neusiedler Bezirk fix haben. Diese werden voraussichtlich an Daniela Winkler (Frauenkirchen), Kilian Brandstätter (Gols) und Elisabeth Böhm (Neusiedl am See) gehen.

SPÖ-Landtagsabgeordneter Kilian Brandstätter bedankte sich bei einer Feier am Wahlabend in Gols bei seinem Team, bei der Familie, Freunden sowie Nationalratsabgeordneten Maximilian Köllner. Sie hätten ihm einen starken Rückhalt auch in schwierigeren Zeiten gegeben. „Ich bin zutiefst glücklich, dass wir in Gols gegen den Landestrend ein Plus für die SPÖ geholt haben. Das haben nicht viele Gemeinden im Bezirk geschafft“, freute er sich über das Gemeindeergebnis.

FPÖ überholt auch im Neusiedler Bezirk die ÖVP

© Klaus Zwinger

Auch SPÖ-Landtagsabgeordnete Elisabeth Böhm lud in Neusiedl am See zur Feier ein. „Ich bin froh, dass wir klar erste Kraft in Neusiedl am See sind“, sagte sie unter dem Jubel ihrer Unterstützer.“ Die SPÖ habe sich in Neusiedl am See auf hohen Niveau stabilisiert, kommentierte der ehemalige Bildungsdirektor Heinz Zitz das Neusiedler SPÖ Ergebnis von 39 Prozent.

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© Birgit Böhm-Ritter

Zweites Mandat für ÖVP wackelt

Das Ergebnis sei so zu erwarten gewesen, sagten die ÖVP-Granden Rudolf Strommer und Altlandesrat Paul Rittsteuer am Wahlnachmittag. Im Bezirksbüro fanden sich eine handvoll Menschen zusammen, um gemeinsam mit Regionalmanager Thomas Otrok die erste Hochrechnung abzuwarten. Dass sich ÖVP und FPÖ um Platz zwei matchen würden, sei klar gewesen. Man hoffte aber, als Zweiter und nicht als Dritter aus dem Rennen zu gehen. Spannend wird jedenfalls die Mandatsverteilung. „Für mich wird es knapp werden“, meinte Gerald Handig selbst. Der Edelstaler Bürgermeister hatte neben ÖVP-Klubobmann Markus Ulram aus Halbturn in der vergangenen Legislaturperiode das zweite ÖVP-Mandat des Bezirks inne. Dieses Mandat könnte zur FPÖ wandern.

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© Birgit Böhm-Ritter

Wie weit hätten nun die parallel zum burgenländischen Wahlkampf laufenden Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene das Ergebnis beeinflusst? Die 180 Grad-Wendung der ÖVP habe die Glaubwürdigkeit der Partei schon beschädigt, für Österreich sei es aber richtig gewesen mit der FPÖ in Verhandlungen zu gehen, meinte Seniorenbund-Obmann Rudolf Strommer: „In Burgenland sei zumindest das Ziel, die absolute Mehrheit der SPÖ zu brechen, erreicht worden. Das zweite Ziel einer bürgerlichen Mehrheit hat die ÖVP verfehlt.“

Die großen Veränderung, die die ÖVP in ihrem Wahlkampf versprochen habe, werde es nun nicht geben, meinte Paul Rittsteuer. Er befürchtet, dass der wirtschaftliche Weg der SPÖ - unter dem Schlagwort Doskonomics bekannt geworden - negative finanzielle Folgen für das Burgenland haben werde.

FPÖ könnte Mandat im Bezirk dazugewinnen

Die FPÖ könnte aufgrund ihres hohen Zugewinns zwei Kandidaten aus dem Neusiedler Bezirk in den Landtag bringen und somit ein Mandat hinzugewinnen. Die besten Karten haben Landtagsabgeordnete Michaela Brandlhofer aus Neusiedl am See und Bezirksparteiobmann Mario Jaksch aus Bruckneudorf. Brandlhofer hatte erst vor Kurzem das Landtagsmandat von Alexander Petschnig übernommen, der in den Nationalrat wechselte.

Die BVZ hat Petschnig kurz vor der großen FPÖ-Wahlparty im Hotel Galantha in Eisenstadt telefonisch erreicht. Sein Statement fiel euphorisch aus: „Das ist ein absolutes Top-Ergebnis auf Rekordniveau. Wir sind überglücklich und stolz auf das Vertrauen, das uns entgegengebracht worden ist.“ Der Ball liege nun bei der SPÖ. Die FPÖ sei für konstruktive Verhandlungen jedenfalls offen, weist Petschnig auf künftige Koalitionsverhandlungen hin.

Grüne froh über Einzug in den Landtag

Die Bezirkssprecherin der Grünen, Margit Paul-Kientzl, zeigte sich ob des Ergebnisses und des neuerlichen Einzuges in den Landtag erleichtert: "Wir sind sehr froh und glücklich, dass wir es geschafft haben. Die Spannung war wirklich extrem, die medial oft angesprochene 4-Prozent-Hürde hing bis zuletzt wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen. Unser Ziel war es, Blau-Schwarz zu verhindern, das ist uns geglückt und dafür haben wir bis zuletzt Leute mobilisiert." Für offene und ehrliche Koalitionsgespräche sei man selbstverständlich offen - die Möglichkeit, mitzuregieren, biete sich schließlich nicht alle Tage.

Der Artikel wurde laufend aktualisiert.