Erstmals wurde eine Einchrichtung der Gesundheit Burgenland im Rahmen eines Zertifizierungsprozesses als eigenständiges Vollzentrum anerkannt.
Die unglückliche Entscheidung des ermordeten Güssinger Kreisnotärs
Burgenland 1921
Das erste Jahr unserer Landesgeschichte wurde auch mit dem Blut von 17 zivilen Opfern der Kämpfe geschrieben. Eines davon, der Güssinger Kreisnotär Josef Illés, wird hier vorgestellt und so hoffentlich dem Vergessen entrissen.
Josef Illes mit seiner Frau Rosa.
© Foto: Sammlung I. Illes Macho
Als im Sommer 1921 die österreichische Gendarmerie zur „Landnahme“ des Burgenlandes gemäß des Vertrages von Trianon einrückte, hatten sich die Gegner des Anschlusses von Westungarn an Österreich bereits zu formieren begonnen. Sie bildeten eine seltsame Koalition.
Zwar waren auch pro-ungarisch gesinnte Burgenländer dabei, wie der Graf von Schloss Rotenturm, Tamás Erdődy. Diese waren aber nicht die entscheidenden Faktoren. Das waren hauptsächlich als Freischärler getarnte Verbände der regulären ungarischen Armee, oder Monarchisten wie die der Kommandant der Oberwarter Freischärler und hoch dekorierte k.u.k.-Offizier, Árpád Taby.
Aber es gab zahlreiche und ganz schreckliche Faschisten wie den Kommandanten der Neusiedler Freischärler, Iván Héjjas. Ganz besonders gefürchtet war sein Gesinnungsbruder Pál Prónay, der Sympathisanten der ungarischen Räteregierung mit einer Brutalität verfolgte, die erst wieder 20 Jahre später die Nationalsozialisten an den Tag gelegt werden sollte. Dazu kamen noch Abenteurer und ganz einfach Räuberbanden.
Als das Burgenland ein Bandengebiet war
© wiki
Diese, sich teilweise selbst „Lumpen-Garde“ nennenden Freischärler, schafften es, die nicht kriegserprobten Gendarmen wieder hinter die Leitha und Lafnitz zurückzudrängen. Zurück blieben anarchische Zustände, in denen die Räuberbanden Jagd auf vermeintlich wohlhabende Burgenländer (überverhältnismäßig oft waren die Opfer Juden) machten und die Faschisten und Monarchisten republikanisch und damit pro-österreichisch gesinnte Burgenländer verfolgten. 17 Menschen fielen ihnen auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes zum Opfer (siehe Infobox). Mal waren sie zur falschen Zeit am falschen Ort. Und manchmal trafen sie einfach falsche Entscheidungen.
Der pro-österreichische Ungar als Opfer der pro-ungarischen Österreicher
Dazu zählte der unglückliche Güssinger Kreisnotär Josef Illés. Geboren wurde er 1887 in Sárvár (Kotenburg) nahe Szombathely (Steinamanger). Illés Schwiegervater war der Güssinger Bürgermeisters Samuel Schalk, dessen Cousine Luise Renner, geborene Stoisits, die Ehefrau des ehemaligen Staatskanzlers und späteren Bundespräsidenten Karl Renner war. Das und ein Briefwechsel mit Renner reichte schon, um als Anschluss-Befürworter ins Visier der ungarischen Gendarmerie zu geraten.

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Seine Flucht nach Fürstenfeld war bereits organisiert und auf halbem Wege, da rückte die österreichische Gendarmerie ein und die ungarischen Gendarmen mussten St. Michael verlassen, wo Illés seine Kanzlei und Wohnung hatte. So entschied sich Illés zur Umkehr. Ein folgenschwerer Fehler: Am 30. August 1921 kam nach dem österreichischen Rückzug wieder die ungarische Gendarmerie retour und verhaftete Illés.
Seine Frau Rosa Illés sollte später zu Protokoll geben, dass der Wachtmeister von Güssing geschrien habe: „Wir wissen alles! Sie sind österreichisch gesinnt.“ Man warf ihm vor, er habe in St. Michael austrommeln lassen, dass „Räubermagyaren“ kämen. Obwohl sich beim Verhör, so Rosa Illés, herausgestellt habe, dass nicht ihr Mann, sondern der - bereits nach Österreich geflohene - Ortsrichter das habe austrommeln lassen, musste Illés von seinem Posten schriftlich abdanken und wurde verhaftet, vorgeblich, weil er Kommunist sei. Von drei Gendarmen wurde er in Richtung Kirchfidisch weggeführt. Der St. Michaeler Wachtmeister soll beim Abtransport noch gemeint haben, dass Frau Illés nichts zu fürchten habe, „so lange er in den Händen der Gendarmen sei“.
Die Gendarmen brachten ihn aber nicht nach Szombathely vor Gericht, sondern in ein Kirchfidischer Gasthaus, das als Bandenhauptquartier diente. Ein bis heute nicht aktenkundiger Oberleutnant Bronayi ließ Illés durch einen Genickschuss bei einer Ziegelei bei Kohfidisch hinrichten und den Leichnam liegen. Am morgen des nächsten Tages wurde die Leiche gefunden.

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Die beiden Bandenmitglieder wurden im September 1923 von einem ungarischen Militärgericht freigesprochen, da dieses ihren Waffengebrauch als gerechtfertigt ansah. Gerüchte hielten sich, dass auch der Gemeindearzt Dr. Rettegi am Mord beteiligt war, da dieser danach aus der Gemeinde verschwand.
Illés hinterließ seine Witwe Rosa mit drei Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren. Ein 1991 aufgestellter Gedenkstein vor dem Brunnen in St. Michael erinnert an den Ermordeten.

© zVg BMLV
Seinem Schwiegervater, dem Güssinger Bürgermeister Samuel Schalk, sollte es nicht besser gehen, er wurde vermutlich nur wenig später bei seinem gewöhnlichen Stammtisch vergiftet. Da die Ermittlungen ohne Resultat blieben, konnte der mutmaßliche Mord nicht den Freischärlern zugerechnet werden, Schalk zählt daher nicht zu den 17 zivilen Opfern der Landnahme des Burgenlandes 1921.
Nachfahren der Opfer gesucht!
Hier ist nun jeder einzelne Leser und jede einzelne Leserin gefragt. Neben zwei zivilen Opfern aus Wien und zwei aus NÖ, die zur falschen Zeit am falschen burgenländischen Ort waren, wurden 13 Burgenländer ermordet. Sie haben es nicht verdient, vergessen zu werden. Bitte helfen Sie mit, fragen Sie Eltern und Großeltern, ob jemand Informationen über die Opfer hat und melden Sie sich bei mir:0664/88645524oderm.kaiser@bvz.at.Ich stelle gerne den Kontakt zu den Militärhistorikern her. Hier sind die bekannten biografischen Daten der Opfer:
Der Bindermeister und Gastwirtssohn Ferdinand Schmidt (* 14. 05. 1899, Neudauberg) aus Neudauberg erlitt am 28. August beim Haus Goger, Burgauberg, an einer Straßensperre der Freischärler einen tödlichen Herzschuss.
Am 2. September wurde der Bauer Franz Grenauer (* 12. 08. 1896, Aschau, B) aus Aschau/Oberschützen am Weg Bretter zu kaufen in Offenegg in NÖ, also auf österreichischem Boden von Freischärlern vom Rad geschossen. In Gendarmerieakten wird er auch „Grünbauer“ genannt.

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Josef Schlögl (* 20. 01. 1894) aus Steinbach wurde am 5. September, beim Kühehüten im Raum Pilgersdorf von Freischärlern durch einen „zufälligen Maschinengewehrschuss“ tödlich verwundet.
Am 7. September wurde der beinamputierte Kriegsheimkehrer Johann Baumgartner jun. (* 13. 11. 1891) aus Salmannsdorf von Freischärlern aus seinem Haus entführt und wegen pro-österreichischer Spionage etwa 150 Meter vom Gasthaus Hollenthonner (heute Kirchschlager Straße 6) in Pilgersdorf an einem Apfelbaum (heute Bereich Ägydiplatz) aufgehängt. 1925 wurde Gustav Lederer in Oberpullendorf verhaftet und der Mittäterschaft am Mord an Baumgartner beschuldigt.
Stephan (István) Baranyai (* 1875), der in der Romasiedlung (heute Gelände des ESV Dobersdorf) lebte, wurde am 14. September 1921 vor Dobersdorf am heutigen Lafnitzweg von Freischärlern mit mehreren Schüssen ermordet. Ein Motiv für das Verbrechen konnte nicht ermittelt werden. Er hinterließ acht unversorgte Kinder.
Am 26. September 1921 wurde Johann Brunner (* 20. 04. 1900) in der Nähe seines Elternhauses in Henndorf Nr. 113 gegen Mitternacht von einem ungarischen Banditen ohne Grund niedergeschossen.

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Franz (Ferenc) Pataki (ursprünglich Schnellbach, *30. Juni 1872 in Márkó) war seit 1917 Pfarrer von Pernau (Pornóapáti), zuvor von 1905 bis 1917 Pfarrer in Gerersdorf bei Güssing. Am 16. Oktober wurde die Entführung und Ermordung des als österreichfreundlichen ungarischen Pfarrers bekannt.
Hugo Schindler (* 1903, Gattendorf, B) wurde am 5. Oktober 1921 von Freischärlern aus der Lederfabrik des Leopold Spitzer in Eisenstadt, Unterbergstraße Nr. 16, wo er auch wohnte, entführt. Die Leiche wurde am 1. Dezember im Gemeindegebiet von Schützen etwa in der Mitte der westlichen Tiergartenmauer gefunden.
Am 3. oder 7. Oktober geriet Maria Horvath (geb. Mahal, * 05. 03. 1856, Polzice/CZ) aus Bruckneudorf in einer Schießerei auf dem Gelände des Brucker Lagers zwischen die Fronten, wurde durch einen Bauchschuss schwer verletzt und starb einige Tage später an ihren Verletzungen.
Bei einem Überfall auf den Meierhof Apetlon wurde am 4. März 1922 gegen 02:30 Uhr der 63-jährige Apetloner Nachtwächter Christian Horvath (* 25. 03. 1859) von einer ungarischen Bande, die vom Meierhof „Mexiko“ gekommen war, erschlagen. Horvath hinterließ seine Ehefrau Katharina und sechs Kindern. Das Nachtwächter-Marterl in Apetlon erinnert heute noch an ihn.