Vergangenes Wochenende feierte die Kreativwerkstatt „Beim Storchennest" rund um Astrid Sänger und Otakar Slíva ihr 20-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür.
Jahrhundert-Projekt präsentiert
Burgenlandkroatisch
Vor 500 Jahren siedelten sich die Kroaten in der Region Burgenland, Westungarn, Slowakei, auch in Wien und im Osten Niederösterreichs bis nach Tschechien. Forschungen zeigen eindeutig, dass dies eine gezielte Ansiedelung durch die Grundherren war.
Prof. Robert Bacalja aus Kroatien, Projektleiterin Edith Mühlgaszner, Prof. Ivo Szucsich (mit Gattin) und hkdc-Vorsitzender Martin Ivancsics sind stolz auf ihr „Jahrhundert-Projekt“ (v.l.).
© zVg hkdc
Auch nach fünf Jahrhunderten haben sie ihre Sprache erhalten. In den zweisprachigen Schulen unseres Landes wird Burgenländischkroatisch unterrichtet. Die kroatische Sprache hat drei Gruppen von Dialekten, sie werden nach dem Fragewort „Was?“ (Kroatisch „Ča?“, „Što?“, „Kaj?“) unterschieden. Der große Teil der burgenländischen Kroaten sind„Ča-kavci“, einige Orte im Süden sind „Što-kavci“ und nur zwei Orte in Ungarn werden den „Kaj-kavci“ zugeordnet. In mehreren Publikationen wurde die Umgangssprache in einzelnen Orten dokumentiert und beschrieben. Schon hier zeigten sich recht auffällige Unterschiede.
2011 startete das Kroatische Kultur- und Dokumentationszentrum (hkdc) Vorbereitungen für ein großes Projekt zu diesem Thema. Vorsitzender Martin Ivancsics und Edith Mühlgaszner als Projektleiterin aus Schandorf legten das Thema fest: Die Erforschung der Dialekte bzw. Umgangssprache der burgenländischen Kroaten. Nach ersten Diskussionen wurde der Umgang erweitert: zu den Orten im Burgenland wurden auch die kroatischsprachigen Orte in Ungarn, Slowakei und Mähren einbezogen. Damit begann ein „Jahrhundert-Projekt“, wie es einige Besucher der Präsentationen spontan titulierten.
© zVg hkdc
Zu Beginn wurden insgesamt 310 Personen in den Gemeinden interviewt und ihre Auskünfte auf Band gebracht – in Summe waren es 710 Stunden Interviews, die dann auch transkribiert wurden. 16 Expertinnen und Experten aus Österreich, Ungarn, Kroatien und Holland übernehmen die Auswertung und Bearbeitung, sie verglichen die einzelnen dörflichen Eigenheiten, dokumentierten akribisch Unterschiede im Wortschatz, in der Betonung und Aussprache sowie viele andere sprachwissenschaftliche Kriterien. Insgesamt wurde an diesem Projekt 13 Jahre gearbeitet.
Das Ergebnis wurde kürzlich in Eisenstadt präsentiert. Fünf Bände und ein Zusatzband wurden herausgegeben, die Arbeit des Teams ist auf 1.400 Seiten nachzulesen. Es wird bei Bedarf auch den Instituten für Slawistik, Wissenschaftlern, Studierenden und Interessierten zur Verfügung stehen. Eine andere derart umfassende Dokumentation – noch dazu für eine Minderheit in fünf Regionen – ist derzeit nicht bekannt.
„Das ist das Jahrhundert-Projekt“ – dieser Satz scheint ein verdientes Kompliment zu sein.