Zwölf Länder, tausend Geschichten und Erfahrungen, die weit über das Reisen hinausgehen: Michael Pahr erzählt warum es sich lohnt, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.
30 Jahre „Hilfe direkt“: Franz Grandits wieder in Afrika
Stinatz/Burkina Faso
Für den 89-jährigen Stinatzer Franz Grandits ist die Rückkehr nach Burkina Faso mehr als nur eine Reise. Es ist die Erfüllung seines größten Wunsches.
Franz Grandits (2.v.li.) und Toni Jandrisits (rechts im Bild) in der Schlosserei und Tischlerei, wo 12 Lehrlinge ausgebildet werden. Die Hälfte der Lehrlinge waren Straßenkinder und zum Teil Waisen.
© Verein "Hilfe direkt"
Sechs Jahre lang waren Reisen nach Burkina Faso nicht möglich. Politische Unruhen verhinderten einen Besuch vor Ort. Jetzt ist Franz Grandits zurückgekehrt: Gemeinsam mit Toni Jandrisits konnte sich der 89-jährige Gründer der Hilfsinitiative „Hilfe direkt“ vor Ort ein Bild machen.
Lebenswerk mit Wirkung
Seit 1996 engagiert sich Franz Grandits gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Team für Menschen in Burkina Faso. „Hilfe direkt“ steht dabei für ein klares Prinzip: Jede Spende kommt zu 100 Prozent an.
Die Bilanz ist entsprechend groß. Rund 200 Projekte wurden umgesetzt. 53 Schulen ermöglichen derzeit etwa 17.000 Kindern den Schulbesuch. 120 Brunnen versorgen Dörfer mit sauberem Trinkwasser. Dazu kommen vier Waisenhäuser, drei Krankenhäuser und zahlreiche weitere Initiativen. Insgesamt wurden damit auch mehr als 500 Arbeitsplätze geschaffen.
Doch hinter diesen Zahlen steht vor allem eines: jahrzehntelanger persönlicher Einsatz. Mehr als 50 Reisen nach Afrika, Begegnungen vor Ort und Projekte, die nicht am Papier entstanden sind, sondern gemeinsam mit den Menschen umgesetzt wurden.

© zvg
Noch einmal dorthin zu fahren, wo sein Lebenswerk entstanden ist. Noch einmal zu sehen, wie sich die Projekte entwickeln, die er über Jahrzehnte aufgebaut hat. All das ging für Franz Grandits in Erfüllung.
Neue Projekte sind bereits geplant
Die Situation in Burkina Faso bleibt schwierig. Viele Menschen sind erst vor Kurzem in ihre Dörfer zurückgekehrt. „Hilfe direkt“ unterstützt sie aktuell vor allem mit Nahrungsmitteln. Gleichzeitig setzt man wieder verstärkt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Seit Beginn des Jahres werden Esel mit Pflügen angeschafft. „Die Esel sollen den Menschen helfen, die Felder in der Regenzeit schneller zu bestellen, was ansonsten händisch gemacht werden muss“, sagt Franz Grandits.
Auch neue Projekte sind bereits in Planung, in Dörfern ohne Strom sollen Photovoltaikanlagen errichtet werden. Die Anlagen werden auf eigens gebauten Häusern installiert und stehen der gesamten Dorfgemeinschaft zur Verfügung. „Dort können die Kinder des Dorfes dann bei Licht ihre Hausaufgaben machen“, sagt Toni Jandrisits. Gerade das ist entscheidend, denn viele Kinder haben lange Schulwege und kommen erst spät nach Hause. „Gegen 18.00 Uhr wird es finster und in den Hütten haben sie keine Möglichkeit, ihre Hausübungen zu erledigen.“
Die Gebäude dafür werden von den Dorfbewohnern selbst errichtet. „Hilfe direkt“ stellt Material wie Zement, Sand, Fenster, Türen und das Dach zur Verfügung. Zusätzlich ist auch der Bau einer kleinen Bäckerei geplant.
Ein Mann, der viel bewegt hat – nicht nur in Afrika
Doch nicht nur in Afrika hat Franz Grandits bleibende Spuren hinterlassen – auch in Stinatz war und ist er eine bedeutende Persönlichkeit. Er engagierte sich über viele Jahre hinweg als Gemeinderat, war Feuerwehrkommandant und Gründungsobmann des Vereins „Stinjačko Kolo“, der die Tradition der Tamburizza- und Tanzgruppen in Stinatz lebendig hält. Zusätzlich hat er mehrere Bücher über seine Heimatgemeinde verfasst und damit einen wertvollen Beitrag zur Bewahrung der regionalen Geschichte geleistet.
Franz Grandits ist ein Beispiel für gelebte Menschlichkeit und unermüdlichen Einsatz für andere. Sein Lebenswerk hat das Leben vieler Menschen verändert – in Afrika ebenso wie in seiner Heimat. Seine Geschichte zeigt, dass ein Einzelner Großes bewirken kann, wenn er mit Herz und Entschlossenheit handelt.
Großes Jubiläumsfest in Stinatz
Das 30-jährige Bestehen von „Hilfe direkt“ wird am 8. Mai 2026 in der Mehrzweckhalle in Stinatz gefeiert. Beginn ist um 17 Uhr. Dabei wird nicht nur zurückgeblickt, sondern auch über die aktuelle Situation und die laufenden Projekte in Burkina Faso informiert.
Die Veranstaltung steht unter der Patronanz von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und Botschafterin Maimounata Ouattara. Für die musikalische Umrahmung sorgen das FTM-Trio sowie die Tamburizzagruppe „Stinjačko Kolo“.
Für Franz Grandits schließt sich damit ein weiterer spannender Kreis.
Spendenkonto
Burkina Faso – HILFE DIREKT
Raika Stinatz
IBAN: AT97 3302 7000 0230 5100
BIC: RLBBAT2E027