Spital und Politik: „Spezialisieren, aber nicht zentralisieren“

Doskozils offener Brief

Die Zeit drängt, wenn die Gesundheitsreform noch heuer über die Bühne gehen soll. Ein offener Brief von Landeshauptmann Doskozil soll Druck machen: Die Botschaft ist klar, noch hält man sich im Bund mit Reaktionen zurück.

Von Wolfgang Millendorfer

Herzchrirurgie, Neurochirurgie, Klinik Gols ... für Landeschef Doskozil wären die Projekte im Fall einer Zentralisierung bedroht. Im Gegenzug hat der Ausbau im Land einige politische Gegner.

Herzchrirurgie, Neurochirurgie, Klinik Gols ... für Landeschef Doskozil wären die Projekte im Fall einer Zentralisierung bedroht. Im Gegenzug hat der Ausbau im Land einige politische Gegner.

© Gesundheit Burgenland

Der Landeshauptmann selbst ist noch in der Erholungsphase und trainiert nach der Kehlkopf-Entfernung den Einsatz der Stimmprothese, in der bundesweiten Reformdebatte hat er es jetzt aber wieder geschafft, seine Meinung lautstark kundzutun: Hans Peter Doskozils offene Brief richtet sich an die Verhandler, die spätestens in den kommenden Wochen ein Ergebnis in der Gesundheitsreform erzielen sollen und wollen.

Doskozil wiederholt eine zentrale Forderung – nämlich jene gegen eine Zentralsisierung. Aus der budgetären Lage des Bundes heraus und aufgrund des Spardrucks seien die Folgen für ihn klar: „Schließungen von Spitälern und Abteilungen, insbesondere im ländlichen Raum.“

Spital und Politik: „Spezialisieren, aber nicht zentralisieren“

© Gregor Hafner, HAFNER Gregor

Gegenvorschlag: Hochspezialisierte und hochkomplexe Leistungen sollten künftig in einigen Universitätskliniken gebündelt werden, geführt als reine Bundesspitäler. Die regionale Verantwortung solle in Länderhand bleiben. Aus Sicht des Burgenlandes: Herz- und Neurochirurgie in Oberwart, die Klinik Gols und der Ausbau in Oberpullendorf und mit den Barmherzigen Brüdern in Eisenstadt wären gesichert, so Doskozil.

Im Bund löste der offene Brief noch keine größere Debatte aus, man weiß aber um die scharfe Position des Landes im leidigen Streit um Gastpatienten in Wien. Die Reform könnte scheitern, meint Ralph Schallmeier, der grüne Gesundheitssprecher im Bund, auch angesichts der „Machtspiele“ von Ländern, Sozialversicherungen und Regierung.

Im Burgenland reagierte VP-Landesparteichef Christoph Zarits auf den offenen Brief und wünscht sich vom Land intensiveren Kontakt zu den Nachbarbundesländern. FPÖ-Klubchef Christian Ries meint, eine bundesweite Steuerung mache im Gesundheitswesens „selbstverständlich Sinn“, im Land wollen die Freiheitlichen mehr in „tagtäglichen“ Bereichen, etwa Dermatologie oder chirurgische Orthopädie.

Nach Trennung: Wie geht’s mit der Medizin-Uni weiter?

„Auffassungsunterschiede“ hat es, wie es scheint, auch beim Aufbau der burgenländischen Medizin-Uni gegeben: Christian Joukhadar, jener Uni-Professor, der erst im Herbst geholt worden war, um Aufbau und Akkreditierung voranzutreiben, ist nicht mehr an Bord.

Er will deshalb vor Gericht ziehen, die Landesholding will zur Trennung nicht mehr sagen. Nur so viel: Mit den Vorarbeiten zur Medizin-Privatuini macht jetzt Geschäftsführer Nikolaus Schermann weiter.