Achtung! Diese wehrhafte Raupe beißt!

Gartenwissen

Als Falter ist der Weidenbohrer eher unscheinbar. Doch seine Raupen können in wenigen Monaten ganze Baumbestände zerstören...

Achtung! Diese wehrhafte Raupe beißt!

© Shutterstock/Mabeline72

Der Weidenbohrer ist ein Nachtfalter, gehört zur Familie der Holzbohrer und erreicht eine Flügelspannweite von sechs bis acht Zentimetern. Damit ist er der größte in Mitteleuropa vorkommende Kleinschmetterling. Seine unscheinbare grau marmorierte Zeichnung dient zur perfekten Tarnung auf Baumrinden, wo er tagsüber schläft.

Zwischen Mai und August legen die Weibchen bis zu 700 Eier verteilt in Baumrinden ab. Die geschlüpften Raupen sind bis zu zehn Zentimeter lang und auffällig dunkelrot gefärbt. Sie fressen sich durch das Holz der Wirtspflanze und richten dabei erheblichen Schaden an.

Besonders Weiden, Pappeln, Birken und Obstbäume stehen auf dem Speiseplan der imposanten Raupe. Sie riecht streng nach Essig, wodurch sie einerseits Feinde abstößt und andererseits weiterer Artgenossen anlockt.

Dazu kommt, dass die Raupen ein scharf riechendes Sekret versprühen können, wenn sie sich angegriffen fühlen. Bei Berührung beißt der ungebetene Gast auch gerne mal zu. Das kann sehr unangenehm sein, ist allerdings nicht giftig.

Schaden an betroffenen Bäumen erkennen

Bis zu zwei Zentimeter breite Gänge frisst die Weidenbohrer-Raupe in das Holz. Betroffen ist zumeist das untere Drittel der Baumstämme und der Fuß des Baumes, wo sich rötlich gefärbte Häufchen feiner Späne und Kotspuren finden.

Der zuvor erwähnte Essiggeruch ist ebenfalls oft deutlich wahrnehmbar und ein eindeutiger Nachweis für den Schädling.

Bei starkem Befall sind die Raupen nachts sogar im Innern des Baums durch raspelnde Fressgeräusche zu hören. Betroffene Bäume fallen auch durch welke Blätter und vertrocknete Zweige auf. Je mehr Raupen einen Baum besiedeln und schwächen, umso größer ist die Gefahr für den Befall anderer Schädlinge und letztendlich das Absterben des ganzen Baumes.

Was tun, wenn der ungebetene Gast eingezogen ist?

Den Weidenbohrer im Hausgarten zu bekämpfen, ist ein schwieriges Unterfangen. Bei einer Entdeckung muss schnellstmöglich gehandelt werden, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern.

Zweige mit Fraßspuren sollten bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten und über den Hausmüll entsorgt oder verbrannt werden. Im Anschluss empfiehlt es sich, die betroffenen Stellen mit Quassia-Seifenbrühe einzusprühen. Diese wirkt nämlich sowohl auf die Eier als auch auf die Raupen des Weidenbohrers giftig. Quassia-Späne ist ein Bitterholz, das über Apotheken bezogen werden kann.

Rezept: 250 Gramm Quassia-Späne über Nacht in zwei Liter Wasser einweichen und anschließend 30 Minuten lang zu einer Brühe kochen. Die Brühe danach abseihen und mit der zehnfachen Menge Wasser verdünnen. (Tipp: Quassiaholz nach dem Sieben trocknen lassen, da es bis zu drei Mal wiederverwendet werden kann!) Schmierseife in warmen Wasser auflösen und hinzugeben (etwa 500 Gramm) und die Brühe auf die befallenen Bäume spritzen. Der entstehende seifige Belag kann nach einigen Tagen mit Wasser abgewaschen werden.

Achtung:Da diese Mischung nicht nur für den Weidenbohrer, sondern auch für viele Nützlinge schädlich ist, sollte sie nur sparsam und ausschließlich lokal begrenzt angewendet werden!

Als natürliche Fressfeinde des Weidenbohrers gelten Schlupfwespen, Spechte und alle Arten von Rabenvogel (Kolkraben, Dolen und Elstern).

Vorbeugende Maßnahmen

Da geschwächte Bäume generell ein höheres Risiko für einen Schädlingsbefall tragen, empfiehlt es sich präventiv einige Dinge zu beachten: Ein passender Standort, der genügend Wurzelraum bietet ist besonderes wichtig und die beste Ausgangsbasis für ein langes Baumleben. In öffentlichem Raum ist die Streusalzbelastung ein Thema.

Eine weitere Möglichkeit, den Weidenbohrer zu bekämpfen, sind Pheromonfallen. Die darin enthaltenen Sexuallockstoffe ziehen männliche Falter an, welche mit der Falle aus dem Verkehr gezogen werden und sich so nicht fortpflanzen können.

Zur Vorbeugung zählt auch ein regelmäßiger Baumanstrich aus einem Lehm-Kalk-Gemisch. Dieser bildet eine gewisse Barrierewirkung.

Wenn „Täter“ zu „Opfern“ werden

In der Antike hatten die Griechen und Römer eine andere Methode, dem Weidenbohrer zu Leibe zu rücken: Die Raupen wurden nämlich mit Mehl gemästet und wegen ihres eiweißreichen Gehalts als Delikatesse verspeist! Mahlzeit!

Unscheinbar tarnt sich der Nachtfalter des Weidenbohrers tagsüber auf Baumrinden.

Unscheinbar tarnt sich der Nachtfalter des Weidenbohrers tagsüber auf Baumrinden.

© „Natur im Garten“ / B. Haidler