Spieglein, Spieglein in der Hand: Wer findet die fehlende Hälfte am schnellsten?
Bedarfsgerechte vegane Ernährung fördert Gesundheit und Wohlbefinden
Gesundheitskompass
Dr. Wolfgang Steflitsch aus Ollersbach bei Neulengbach informiert über die Vorteile einer veganen Ernährung, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.
Symbolbild
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Eine Ernährungsform, die auf wesentliche Bestandteile an Nahrungsmittel verzichtet, klingt vorab einmal langweilig. Diesem Argument kann entgegengehalten werden, dass erstens noch immer eine große Vielfalt in der veganen Küche besteht und zweitens Rezepte und Zubereitung immer mehr an Quantität und Qualität zunehmen. Dazu müssen wir aber global und nicht nur regional denken.
Das entscheidende Attribut zur veganen Ernährung ist das Wort „bedarfsgerecht“, denn auf diese Weise können nutritive Defizite ausgeglichen und alle gesundheitsrelevanten Vorteile der veganen Ernährung genutzt werden. Und das gilt auch für sogenannte vulnerable Bevölkerungsgruppen (Kinder, Senioren, schwangere und stillende Frauen, Patient*innen mit schweren Erkrankungen mit besonderen Bedürfnissen), mit Ausnahme von Säuglingen und Kleinkindern. Auf der sicheren Seite befindet man sich, wenn man regelmäßig Kontakt mit einer/m ernährungsmedizinisch erfahrenen Ärztin oder Arzt aufnimmt bzw. mit einer Ernährungsberatung. Erweitertes Basiswissen kann man durch Kursbesuche, kompetente Fachliteratur, Podcasts und Reportagen erwerben.
Die Imitation von echtem Fleisch oder Wurst in der veganen Industrie halte ich persönlich für eine oftmals gewinnorientierte, ernährungstechnische Versuchsanstalt oder Spielwiese. Seriös recherchierte Reportagen berichten von „schwarzen Schafen“ unter den Produzenten von Fleischersatzprodukten. Deshalb muss man/frau sich gut informieren, ob ungesunde Beimischungen oder problematische Mengenverhältnisse im Produkt enthalten sind. Empfehlungen von seriösen Institutionen können hilfreich sein.
Bedarfsgerechte vegane Ernährung bedeutet, dass dem individuellen Bedarf entsprechend bei mittel- oder langfristigem Konsum veganer Nahrungsmittel ein Übermaß und ein Defizit von Makro- und Mikronährstoffen ausgeglichen werden.
Es gibt keine größeren Studien, welcher Prozentsatz an Veganer*innen sich bedarfsgerecht ernähren, sehr wohl aber aktuelle Daten und Fakten wie hoch der Prozentsatz an Menschen mit veganer oder vegetarischer Ernährung ist. Gründe für eine vegane Ernährung sind primär ethischer Natur, gefolgt von gesundheitlichen, ökologischen, sozialen und religiösen Motiven.
Prozentsatz von vegan bzw. vegetarisch lebenden Menschen (2022)
- Weltweit leben 500 Millionen Menschen vegan, davon rund 400 Millionen in Asien
- Mehr als 1 Milliarde Menschen ernähren sich vegetarisch, v. a. die Hindu-Population.
- In Europa leben etwa 6,7 % Vegetarier und 2,1 % Veganer pro Land.
- Irland, Dänemark, Norwegen und Schweden: Veganer-Anteil 4 %.
- Die Zahl der Veganer und Veganerinnen steigt weltweit, z. B. in den USA von 3 % (2020) auf 5 % (2022).
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) publizierte im Juli 2024 eine Neubewertung zur veganen Ernährung. Erstmals beurteilte die DGE eine gut geplante vegane Ernährung für die Allgemeinbevölkerung als gesundheitsförderlich. Die Stellungnahmen aus den Jahren 2016 und 2020 warnten noch vor tierproduktefreier Ernährung. Erstmals wurden in der DGE-Beurteilung gesundheitsbezogene Parameter, Risiko für ernährungsbedingter Erkrankungen, Umwelt, Tierwohl und soziale Aspekte berücksichtigt.
Methodische Aspekte trüben die Aussagekraft vieler Studien. Dazu zählen das Fehlen einer einheitlichen Definition von veganer Ernährung, die Nicht-Berücksichtigung von Störfaktoren, wie Geschlecht, Alter, körperliche Aktivität, Alkohol- und Nikotinkonsum und sozioökonomischer Status der Teilnehmerkollektive. Außerdem handelt es sich oft um Beobachtungsstudien mit Selbstauskünften zur Ernährung.
Defizit und Übermaß durch nicht-bedarfsgerechte vegane Ernährung in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung (Allesesser)
Nahrungsmittel können mit Jod angereichert werden. Um den Retinol-Spiegel auf ein adäquates Niveau zu heben, sind relativ große Mengen an veganen Lebensmitteln mit Provitamin-A-Karotinoiden notwendig. Eine gezielte Lebensmittelauswahl ist erforderlich, um eine Ausgewogenheit an Makro- und Mikronährstoffen zu gewährleisten. Das trifft besonders auf herausfordernde und vulnerable Lebensphasen zu. Defizite können durch geeignete Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel substituiert werden.
Menschen, die sich vegan Ernähren, sollten die Nährstoffe in ihren Produkten gut kennen und vor allem auch die Angaben der Inhaltsstoffe von veganen industriell verarbeiteten Produkten und Fertigprodukten (Nährstofftabelle). Dabei sollten sie auch beobachten, ob ihre Verdauungsenzyme ausreichend gebildet werden und die Fettverdauung funktioniert. Klinisch zeigen sich bei Störungen in diesen Bereichen Verdauungsbeschwerden und ungewollte Gewichtsveränderungen. Die gesundheitlichen Folgen können vielfältig sein.
Die erwachsene Allgemeinbevölkerung profitiert von einer „bedarfsgerechten“ veganen Ernährung im Vergleich zu Allesessern hinsichtlich günstigerer Werte bei Body-Mass-Index, metabolischen Parametern, wie Blutzucker, Cholesterin und Triglyzeride, sowie eines niedrigeren Risikos für das metabolische Syndrom, ischämische Herzerkrankungen und Tumore (Studien-Beweis für ausgewählte Karzinome). Der Blutdruck und die Insulinresistenz werden nicht signifikant beeinflusst. Studien zeigen Hinweise für eine Erhöhung des Frakturrisikos. Die wissenschaftliche Datenlage für Diabetes mellitus und Schlaganfall lässt noch keine schlüssigen Aussagen zu, allerdings können wir durch die vorteilhafte metabolische Risikoentwicklung positive Ergebnisse erwarten. Immer vorausgesetzt, dass bei der veganen Ernährung das Attribut „bedarfsgerecht“ richtig umgesetzt wird.
Konkret bedeutet dies, dass zumindest einmal pro Jahr ein umfassender Laborstatus hinsichtlich von Blutbild, Immunsystem, Organfunktionen, Stoffwechsel-Parameter, Vitaminen und Spurenelementen erhoben und auf pathologische Abweichungen reagiert wird. Grundvoraussetzung für eine zielgerichtete Feinabstimmung der Ernährung ist eine gute Kenntnis der Makro- und Mikronährstoffe in den zugeführten Nahrungsmitteln (z. B. Nährwerttabelle).
Daten und Fakten zu Treibhausgasemissionen, Landnutzung und Biodiversität zeigen deutliche Vorteile einer veganen gegenüber einer omnivoren Ernährung. Das dürfte laut DGE nach Vorliegen einzelner Untersuchungen auch auf Tierwohl und auf soziale Aspekte zutreffen.
Referenzen
Klug Alessa et al. für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Neubewertung der DGE-Position zur veganen Ernährung 2024: DGE_Position_Neubewertung_Vegane_Ernährung_EU_2024_60-84.pdf
Klug Alessa et al. Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau International, 2024.
Leitzmann Claus. Veganismus: Grundlagen, Vorteile, Risiken. C.H. Beck-Verlag München, 2018.
Monteiro Carlos Augusto et al. Ultra-processed foods: what they are and how to identify them. Public Health Nutrition, 2019; doi: 10.1017/S1368980018003762
Lane Melissa et al. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: umbrella review of epidemiological meta-analyses. BMJ, 2024. doi: 10.1136/bmj-2023-077310

Dr. Wolfgang Steflitsch
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Wahlarzt-Ordination für Lungenheilkunde
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www.lungenspezialist-neulengbach.at
Wolfgang Steflitsch versorgt die Menschen als Lungenfacharzt seit 1995: "Sobald Sie mir Ihre Gesundheit anvertrauen, wird sie zu meiner obersten Priorität. Ich möchte den Wunsch vieler Menschen, die sich für die Behandlung, Vorbeugung und Gesundheitsförderung einer lungenfachärztlichen und gleichzeitig ganzheitlichen Medizin anvertrauen wollen, erfüllen."