Der Fahrplanwechsel im Verkehrsverbund Ostregion bringt Verstärkung zwischen Deutschkreutz, Wulkaprodersdorf, Eisenstadt und Wien. Aus dem Mittelburgenland erreicht man den Wiener Hauptbahnhof morgens im neuen Zug in weniger als 90 Minuten. Und ab 13. Dezember fährt auch die Mattersburger Bahn wieder. Hier gibt‘s alle Neuerungen!
„Es muss Spaß machen – aber man darf sich keinen Spaß daraus machen“
Hans Niessl zum 75er
Landeshauptmann, Sport-Austria-Präsident ... und bald Kandidat fürs höchste Amt im Staat? Hans Niessl feiert den 75. Geburtstag und spricht im BVZ-Interview über frühere Entscheidungen, neue Verbündete, und er verrät: „Die Wahlplattform wird schon sehr konkret.“
Hans Niessl mit „Keks“. Der dreijährige Hund und der Alt-Landeshauptmann sind ein Herz und eine Seele - auch beim BVZ-Interview auf der „Alm“ in Eisenstadt.
© Gregor Hafner, Hafner Gregor
BVZ: Wie geht es Ihnen zum 75. Geburtstag?
Hans Niessl: Mir geht es sehr gut! Das Wichtigste ist die Gesundheit, die habe ich Gott sei Dank. Und ich freue mich aktuell über die Sport-Austria-Finals, die erst mit 107.000 Besucherinnen und Besuchern in Wien zu Ende gegangen sind – damit haben wir es geschafft, die Zuschauerzahlen zu verdoppeln!
Die Aufgabe als Bundessport-Präsident hat Sie also fest im Griff. Werten Sie solche Erfolge als besondere Bestätigung?
Es ist vor allem ein Erfolg für den österreichischen Sport, aber ja, das gibt auch mir Kraft und macht viel Freude: Wenn man am Rathausplatz steht, wo 7.500 Athletinnen und Athleten an fünf Tagen gezeigt haben, was alles erreicht werden kann. Zwölf österreichische Rekordergebnisse wurden erzielt, und es gab 20 Qualifikationen für die Europameisterschaft.
Für diese Leistungen und diese Besucherzahlen braucht es wohl vor allem eine reibungslose Teamarbeit ...
Ganz klar, da steckt ein großes Team dahinter, in der tagtäglichen Arbeit und dass bei derartigen Großevents alles problemlos läuft. Ich versuche, den Rücken freizuhalten und zu unterstützen, wo es geht. Und ich glaube, mir ist vor allem eines gelungen, worauf ich wirklich stolz bin: den Sport aus der Politik herauszuhalten. Das bestätigen mir unsere Fachverbände, dass es keinerlei parteipolitische Tendenzen gibt, sondern nur das Ziel, gute Rahmenbedingungen für den Sport zu schaffen. Und das in einem großen Schulterschluss.
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Als Nächstes war die Frage geplant, wie viel Politik im Sport steckt. Formulieren wir es anders: Wie viel müssen Sie mit der Politik diskutieren, um zu den geforderten Rahmenbedingungen zu kommen?
Wenn ich es im Schnitt rechne, vergeht kein Monat, in dem ich nicht mit einem Mitglied der Bundesregierung persönliche Gespräche führe. Das gilt ebenso für Landespolitiker und für die Stadtpolitik in Wien. Insofern ist das natürlich fordernd, weil man immer in entsprechender Form argumentieren muss, um die Forderungen und Rahmenbedingungen umzusetzen. Das ist eben Sportpolitik, und die ist für mich klar eine überparteiliche Politik.
Die Politik lässt Sie aber trotzdem nicht los – welcher persönliche Antrieb steckt hinter Ihrer möglichen Bundespräsidentschafts-Kandidatur?
Ich bin in meiner Funktion in allen Bundesländern unterwegs, und meine persönliche Motivation ist es, dass mich immer mehr Menschen angesprochen haben: „Eigentlich sollte der Bundespräsident so überparteilich sein, wie du es bei der Bundessportorganisation bist ...“ Das war ein Impuls für mich. Auf der anderen Seite ist es die aktuelle Politik in Österreich: Ich bin der Meinung, dass die Gräben zwischen den Parteien immer tiefer werden, dass immer weniger miteinander gesprochen wird.
Sie haben das in Ihrer Zeit als Landeshauptmann anders gehalten, kann man sagen?
Das war in der Vergangenheit so, und ich werde es in Zukunft genauso leben – dass ich mit allen Parteien eine Gesprächsbasis hatte und habe. Im Burgenland war ich mit der SPÖ fast 15 Jahre lang in einer Koalition mit der ÖVP, wo im Wirtschaftsbereich oder in der Bildung sehr viel Positives erreicht wurde. Ich war viereinhalb Jahre in einer Koalition mit den Freiheitlichen, wo ebenfalls durchaus positiv fürs Land gearbeitet wurde.
Ich habe mit Werner Kogler als Sportminister gut zusammengearbeitet und mit den Grünen im Burgenland zu Beginn der 2000er-Jahre beim Ausbau der Windenergie. Wenn man vernünftig miteinander umgeht, dann kann man gemeinsam mehr erreichen.

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Hätten Sie sich in der SPÖ mehr Resonanz auf Ihr Angebot einer Präsidentschafts-Kandidatur erwartet?
Ich bin ja, so wie in der Politik, ein Pragmatiker. Das gilt natürlich auch für die eigene Partei, und da weiß ich genau, dass es eine Gruppe in der SPÖ gibt, die meinen pragmatischen Zugang zur Politik durchaus kritisch sieht.
Das muss ich so zur Kenntnis nehmen. Ich erinnere mich zum Beispiel auch an das Jahr 2015, als ich kritisiert wurde, weil ich zur Asylpolitik gesagt habe, es gibt eine Grenze des Möglichen. Damals hat man gesagt, Asyl kennt keine Grenzen. Das Ergebnis haben wir jetzt präsentiert bekommen. Es ist für mich keine Genugtuung, dass ich elf Jahre später Recht bekommen habe.
Das sind durchaus politische Ansagen. Wird diese Richtung den Wahlkampf ausmachen, wenn Sie einen führen?
Das wird sehr viel ausmachen, denn es ist mir wichtig, meine Standpunkte in allen Bundesländern klarzumachen. Aktuell gilt das etwa ebenso in der Frage des Bundesheeres. Der Bundespräsident ist immerhin oberster Befehlshaber, da interessiert es die Wählerinnen und Wähler schon, wie er dazu steht. Ich sage, der Vorschlag der Kommission sollte umgesetzt werden: acht Monate Wehrdienst plus zwei Monate Milizübungen. Das will ich bei allen Themen so klar halten.
Wie konkret werden Ihre Pläne jetzt? Zeichnet sich die überparteiliche Wahlplattform bereits ab?
Es wird sehr konkret, weil sich immer mehr Menschen anbieten, einer Plattform beizutreten. Wir haben ein Rechtsgutachten eingeholt, in dem die Voraussetzungen festgeschrieben sind, was einen Antritt oder die Handhabe von Wahlspenden anbelangt. Voraussichtlich vor dem Sommer wird ein Verein gegründet, und man muss natürlich schauen, ob es das entsprechende Budget gibt, um überhaupt einen Wahlkampf führen zu können.
Wann werden Sie Namen Ihrer Unterstützer verraten?
Sobald der Verein gegründet ist, kann man offiziell nachlesen, wer der Plattform angehört. Das ist für mich jetzt schon spannend, denn es sind Menschen aus allen Parteien, Mitglieder oder ehemalige Funktionsträger, die sich bereit erklärt haben mitzumachen.
Wird zum Beispiel auch Ihr Landeshauptmann-Nachfolger Hans Peter Doskozil ein Unterstützer sein?
Für den Landeshauptmann geht es jetzt darum, dass er möglichst rasch gesund wird. Er arbeitet ja sowieso schon für das Land. Wir machen für die Plattform jetzt zuerst unsere Hausaufgaben, und dann kommen die nächsten Schritte. Ich gehe davon aus, dass es vonseiten der SPÖ eine größere Anzahl von Unterstützern sein wird, es werden aber genauso Leute aus der ÖVP dabei sein, von den Grünen, Freiheitliche oder ehemalige Freiheitliche. Es sind auch alle zur Unterstützung eingeladen.

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Sie brennen schon darauf, sich wieder in einen Wahlkampf zu stürzen?
Ein Wahlkampf muss immer Spaß machen, und ich muss sagen: Mir macht es aktuell Spaß, politische Interviews zu geben. Ganz einfach, weil es momentan viel zu klären gibt. Denn ich muss ganz offen sagen, ich mache mir Sorgen um Österreich.
Welche Themen sorgen Sie am meisten? Nicht nur die politische Kultur, oder?
Die politische Kultur ist das Eine. Aber das Zweite ist, aufbauend auf einer besseren politischen Kultur Maßnahmen zu setzen, die Österreich nach drei Jahren Stagnation wieder nachhaltig auf die Überholspur bringen. Vor allem im Wirtschaftsbereich, wir brauchen auch eine wirkungsorientierte Evaluierung von Förderungen. Und mein großes Ziel, meine Motivation ist es, dass der Mittelstand entlastet werden muss, und zwar massiv.
All die Menschen, die fünf Tage in der Woche arbeiten und die den Eindruck bekommen, dass sie viel Steuer bezahlen, das Geld aber nicht effizient eingesetzt wird. Man muss Arbeitsplätze sichern und dafür sorgen, dass Österreich international wettbewerbsfähig bleibt, damit man auf diese Weise einfach wieder den Wohlfahrtsstaat finanzieren kann.
Sie haben gesagt, ein Wahlkampf muss Spaß machen – gilt das auch für die Politik, wenn Sie in die Vergangenheit und auf fast zwei Jahrzehnte als Landeshauptmann blicken?
Es muss Spaß machen, wenn ich einen Wahlkampf führe und mich darauf freue, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Das trifft auf mich zu, ich gehe gern zu den Menschen. Man darf sich aber keinen Spaß daraus machen, das gilt für die Politik insgesamt. Wenn ich zurückblicke, ist das Schöne ja auch, dass es Zahlen, Daten und Fakten gibt.
Und die haben gezeigt, dass das Burgenland viele Jahre hindurch immer das größte Wirtschaftswachstum aller Bundesländer hatte, oder die höchste Maturantenquote. Wir haben im Burgenland ab dem Jahr 2003 den Turbo bei der erneuerbaren Energie gezündet. Das sind alles messbare Erfolge. Natürlich hat es in der Politik zugleich immer wieder auch Herausforderungen gegeben.

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Wie sehen Sie die heutige Entwicklung im Burgenland?
Allein was die Energiepolitik betrifft, ist das Burgenland auf einem sehr guten Weg, auch im Hinblick auf die Speicherfrage. Kalifornien zum Beispiel löst mit Elektrospeichern 60 Prozent seiner Spitzen-Stromabdeckung. Da kann das Burgenland also Kalifornien werden. Auf das Bildungssystem wird ebenfalls viel Wert gelegt, und das ist ein zentraler Punkt, so wie der Ausbau des Pflegesystems, des Gesundheitsbereiches oder des öffentlichen Verkehrs.
Kritische Stimmen stellen die Finanzierung der Landes-Vorhaben auf Dauer infrage. Wie sehen Sie das?
Ich gehe davon aus, dass das Land natürlich einen Plan hat, nicht nur für den Ausbau von Pflege oder Gesundheit, sondern auch einen Finanzplan, der all die Bereiche abdeckt.
Abschließend noch einmal zurück zu Ihrem halbrunden Geburtstag: Was wünschen Sie sich?
Zum Geburtstag wünsche ich mir nur eines: Gesundheit! Denn wenn ich gesund bin, dann kann ich weiterarbeiten, für den Sport und vielleicht auch in der Politik.

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