Großer Andrang und strahlende Gesichter: Der Weltspartag im Mittelburgenland hat auch in diesem Jahr wieder gezeigt, wie wichtig Vorsorge und Finanzbildung für Groß und Klein sind.
„Habe mich nie damit zufrieden gegeben, dass es eh gut genug ist“
Im Talk mit Jutta Treiber
55 Bücher hat Jutta Treiber geschrieben und das immer mit dem Anspruch es so gut zu machen, wie es ihr zum jeweiligen Zeitpunkt möglich gewesen ist. Unter dem Titel „Lyrisches Kulinarium“ hat die Oberpullendorfer Autorin nun ihren zweiten Gedichtband aufgetischt, der wie ein Kochbuch aufgebaut ist und vom lustigen Kindergedicht bis zum kritischen Antikriegsgedicht einfache Hausmannskost für jeden Geschmack zu bieten hat.
„Lyrisches Kulinarium“. Guten Appetit wünscht Jutta Treiber ihren Lesern im Vorwort ihres neuen Gedichtbands. „So wie in einem Kochbuch vielerlei Speisen enthalten sind, so sind in diesem Buch verschiedene Gedichte versammelt, Kraut und Rüben sozusagen - und einiges mehr“, so Treiber. „Eines aber haben die Gedichte gemeinsam: Sie sind einfache Hausmannskost."
© Michaela Grabner
Ihr neues Buch trägt den Titel „Lyrisches Kulinarium“ – wie ist die Idee dazu entstanden und was wird da genau aufgetischt?
Jutta Treiber: Es ist beinahe 30 Jahre her, dass mein erster Gedichtband erschienen ist. Seither sind viele neue Gedichte entstanden. Das alte Buch werden auch nicht mehr viele Leute haben. Ich hatte also alte und neue Gedichte, vom lustigen Kindergedicht bis zum kritischen Antikriegsgedicht, und auch ein paar Dialektgedichte. Manche Gedichte sind auch auf Auftrag entstanden. Ich habe alle zusammengesammelt, weil es schade ist wenn sie herumliegen und nicht den Weg ins Buch finden, und in einen Topf geworfen. So entstand der Gedanke, den Gedichtband wie ein Kochbuch aufzubauen, denn in einem Kochbuch gibt es auch alles von Vorspeisen über Fleischgerichte und Vegetarisches bis zu Süßspeisen. Der Titel „Lyrisches Kulinarium“ ist von Erich Kästners „Lyrischer Hausapotheke“ inspiriert, einem Gedichtband, den man quasi wie Medizin verwenden kann.
Was gefällt Ihnen selbst am besten an dem neuen Buch?
Jutta Treiber:Mir gefallen meine Dialektgedichte gut und auch die Sprachspielereien. Aber das Buch ist sehr vielfältig, ich könnte gar nicht sagen, was mir am besten daran gefällt
Wieso sind Sie dreißig Jahre nach Erscheinung ihres letzten Gedichtbands zur Lyrik „zurückgekehrt“?
Jutta Treiber: Ich bin eigentlich nicht zurückgekehrt. Gedichte schreibe ich nicht bewusst, sie entstehen meist spontan aus einem Augenblick oder einer Stimmung heraus. Wenn mir etwas einfällt, muss ich es gleich aufschreiben. Deswegen habe ich immer ein kleines Notizbuch in der Handtasche. Am Abend vergesse ich oft, dass ich es auf den Nachttisch hinlege. Wenn ich dann in der Nacht wach werde, fallen mir Dinge ein. Dann bin ich zu faul, aufzustehen und denke mir, ich merke es mir bis morgen. Aber wenn ich in der Früh aufwache, ist es weg. Dann weiß ich nur mehr, dass mir etwas Gutes eingefallen ist, aber nicht mehr was.
Sie haben schon 55 Bücher geschrieben. Woher nimmt man diese vielen Ideen?
Jutta Treiber: Die meisten Ideen habe ich aus meinem eigenen Umfeld, dem eigenen Leben, von den Menschen, mit denen ich zusammenlebe - das ist für mich die größte Inspirationsquelle. Auch was man in der Zeitung liest, im Radio hört, im Fernsehen sieht oder auf der Straße beobachtet. Aus einem Gesprächsfetzen oder Satz kann sich eine Geschichte weiterspinnen oder eine Episode entwicklen. Ich kann nicht aus jeder Idee etwas machen, sonst müsste ich Tag und Nacht schreiben.
Welches Ihrer Bücher ist Ihnen sehr schwer gefallen zu schreiben und welches hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Jutta Treiber: Am Längsten habe ich an „Die Zeit und Hannah“ gearbeitet. Ich habe Ende der 80er-Jahre mit dem ersten Teil begonnen und 2006 ist es erschienen. Natürlich habe ich dazwischen auch viele andere Bücher geschrieben, aber es hat sich in Abständen über 20 Jahre gezogen. Es ist auch mein umfangreichstes Buch, das ich mit viel Herzblut und Bauchweh geschrieben habe, weil es sehr persönlich ist und viel von der eigenen Familie preisgibt. Ich habe mich anfangs sehr schwer damit getan, wieviel ich preisgeben kann, ohne dass die eigene Familie gekränkt oder getroffen wird. Insofern ist es mir sowohl hinsichtlich der Zeit als auch der emotionalen Intensität am schwersten gefallen. Ich habe es meiner Familie vorab zu lesen gegeben, ob ich es überhaupt veröffentlichen kann und sie waren alle einverstanden. Man fürchtet sich auch ein bisschen davor, wie es die Leser aufnehmen werden. Die Reaktionen waren aber sehr positiv. Viele haben mir gesagt, sie haben Ähnliches erlebt, hätten es sich aber nicht preiszugeben getraut.
Viel Spaß haben mir immer kurze, spielerische Sachen gemacht, die mir relativ leicht von der Hand gehen wie das „Na Ja„-Buch. Das ist der Entwurf eines Abends samt aller Skizzen. Ich habe es danach schon noch ein bisschen bearbeitet und verändert, aber das Grundgerüst ist an einem Abend entstanden. Die Knaxi-Fisch-Gedichte sind auch so spontan gekommen. Da habe ich zwölf Vierzeiler an einem Abend geschrieben, die sind einfach nur so gesprudelt. Dagegen habe ich mir Vieles andere ungeheuer schwer erkämpfen müssen.
Wie gehen Sie beim Schreiben eines Buchs vor?
Jutta Treiber:Ich muss auf eine Initialzündung warten, oft lange. Wie die Idee entsteht, über ein bestimmtes Thema zu schreiben, kann ich nicht genau erklären. Beim Buch „Die Wörter fliegen“ etwa haben mir unabhängig voneinander drei verschiedene Freunde von ihren dementen Eltern erzählt. Da habe ich das Gefühl gehabt, dieses Thema fliegt mir zu und ich sollte etwas darüber schreiben. Und plötzlich war die Idee da von Oma und Pia und den Wörtern, die zwischen den beiden hin- und herfliegen. Das Buch war in meinem Kopf fertig und ich habe gewusst, ich möchte es als kindergerechtes Bilderbuch und nicht als Roman schreiben. Das Thema kommt auf dich zu und die Form fast gleichzeitig.
Manche sind mir besser gelungen als andere, aber zufrieden bin ich mit allen Büchern, die ich geschrieben habe.“ Jutta Treiber
Kennen Sie schon den Schluss ihrer Geschichte, wenn Sie mit dem Schreiben beginnen oder entwickelt sich die Geschichte erst beim Schreiben?
Jutta Treiber:Ich bin eine Plan-Schreiberin. Es gibt Leute, die fangen an zu schreiben und schauen, wie es sich entwickelt. Dafür bin ich viel zu rational. Ich kann nichts ohne Plan machen. Ich gehe mit einer Idee schwanger und erst wenn diese im Kopf fertig ist, fange ich zu schreiben an. Ich weiß, wie die Geschichte verlaufen wird und im Großen und Ganzen wie alle Charaktere sind. Kleinigkeiten können sich schon ändern, aber die große Linie ist vorgegeben. Es ist wie beim Hausbau. Man hat einen Plan und danach wird gebaut. Und während man arbeitet, kommt vielleicht eine Wand weg oder ein Fenster wird größer. Beim Schreiben mache ich mir ein Exposé, mit dem ich den Inhalt skizziere.
Haben Sie bestimmte Schreibrituale?
Jutta Treiber: Richtige Rituale nicht wirklich. Ich schreibe aber meistens in meinem Dachzimmer, wo zwei Schreibtische stehen. Einer für den Computer, der ganz leer ist und wo nur liegt, woran ich gerade arbeite. Der andere ganz angeräumt mit allen möglichen Sachen. Dort mache ich das Handschriftliche und er wird auch für den Bürokram genutzt. Meine Bücher schreibe ich aber am Computer, ich mache mir nur Notizen mit der Hand. Wenn ich schon begonnen habe, lese ich mir immer das Geschriebene vom Vortag durch, dass ich wieder besser in die Geschichte hinein finde.
Was sind die schwierigsten Phasen beim Schreiben eines Buchs?
Jutta Treiber: Für mich ist das Schwierigste das Schreiben der ersten Fassung, bis das Grundgerüst steht, also das Weben des Stoffes. Das Zuschneiden und Umändern, das Geschriebene auszubessern, ist schon leichter.
Viele Ihrer Bücher wurden auch in andere Sprachen übersetzt. Welches war das erste und wie ist es dazu gekommen?
Jutta Treiber:Das war „Der blaue See ist heute grün“, das im Verlag Jugend und Volk erschienen ist. Es wurde ins Dänische übersetzt und als Zweites gleich ins Japanische. Dass es übersetzt wurde, dazu habe ich im Grunde nichts beigetragen, das machen alles die Verlage. „Der blaue See ist heute grün“ wurde von meinen Büchern auch am öftesten übersetzt - es gibt das Buch in dreizehn verschiedenen Sprachen. Insgesamt wurden 16 meiner Bücher übersetzt und es gibt Bücher von mir in bisher 29 verschiedenen Sprachen.
Welches Jutta Treiber-Buch ist das Lieblingsbuch von Jutta Treiber?
Jutta Treiber:Ich tue mich schon schwer, wenn man mich nach meiner Lieblingsfarbe fragt, so wie ich mich generell mit Lieblingssachen schwer tue, weil es einengend ist. Wie bei Kindern habe ich jedes meiner Bücher auf seine Art und Weise gern. Bei 55 literarischen Kindern sind schon ein paar dabei, die mir nicht so ans Herz gewachsen sind wie andere, aber ich liebe sie alle irgendwie.
Viele Menschen träumen davon, einmal ein Buch zu schreiben. Was würden Sie jemandem raten, der sein erstes Buch schreiben will? Was braucht es, um ein guter Autor zu werden?
Jutta Treiber:Zunächst einmal das unbedingte Bedürfnis, dass man schreiben will, ja fast muss und ohne Schreiben gar nicht leben kann. Dass man fleißig ist, Sitzfleisch und Ausdauer hat, sich von Rückschlägen und Misserfolgen nicht entmutigen lässt, selbst viel liest, gut beobachtet - die eigene Umgebung und die Menschen-, sich Notizen macht und gute Einfälle hat. Aber das Wichtigste sind Standfestigkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit. Ich habe immer versucht, ein Buch so gut zu schreiben, wie es mir zu dem Zeitpunkt möglich war. Ich habe mich nie damit zufrieden gegeben, dass es eh gut genug ist.
Und was macht für Sie ein gutes Buch aus?
Jutta Treiber: Mir ist wirklich wichtig, dass ich Menschen damit emotional berühre. Ganz kopflastige Sachen lese ich selber nicht so gerne, daher schreibe ich auch nicht so. Wichtig finde ich auch, dass mit Sprache sorgfältig umgegangen wird und die Charaktere authentisch sind. Vor dem geistigen Auge des Lesers sollen Menschen aus Fleisch und Blut entstehen.
Sie haben heuer den 75. Geburtstag gefeiert, da darf man schon ohne schlechtes Gewissen den Ruhestand genießen. Schreiben Sie trotzdem noch?
Jutta Treiber: Momentan schreibe ich nichts. Aber es gibt drei geplante Bilderbücher, die vom Text fertig sind. Eines davon soll im Herbst erscheinen, da ist der Illustrator gerade dabei zu zeichnen. Es ist ein lustiger Text über Bären, die in einen Eissalon gehen. 2025 ist dann die Erscheinung von zwei weiteren Bilderbüchern geplant.
Gibt es eine Geschichte, die sie unbedingt noch zu Papier bringen wollen?
Jutta Treiber:Mein Ziel war es immer, 50 Bücher zu schreiben und 3.000 Lesungen abzuhalen - das habe ich beides erreicht und sogar schon zu 10 Prozent getoppt. Also kommt was, ist es gut - kommt nix, ist es auch gut.
- Welche drei Wörter beschreiben Sie? Willensstark, beharrlich, humorvoll
- Wie sieht für Sie die perfekte Entspannung aus? Auf der Terrasse sitzen, in meinen Garten schauen und wirklich nix tun.
- Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?Charles Levinskys „Rauch und Schall“
- Welches Buch sollte jeder lesen? Jeder sollte das lesen, was er gerne liest.
- Was ist Ihr Lieblingszitat?„Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren“ vom Barockdichter Paul Fleming - das hilft einem manchmal über Verzweiflung hinweg und gibt neuen Lebensmut