Der Fahrplanwechsel im Verkehrsverbund Ostregion bringt Verstärkung zwischen Deutschkreutz, Wulkaprodersdorf, Eisenstadt und Wien. Aus dem Mittelburgenland erreicht man den Wiener Hauptbahnhof morgens im neuen Zug in weniger als 90 Minuten. Und ab 13. Dezember fährt auch die Mattersburger Bahn wieder. Hier gibt‘s alle Neuerungen!
Junge Erwachsene wollen nicht immer auf sich allein gestellt sein
Kinder- und Jugendhilfe
Der „Careleaver“-Verein zur Unterstützung junger Erwachsener ohne Betreuung fordert mit der SPÖ-Burgenland einheitliche Standards in ganz Österreich. Seit einer Gesetzesnovelle im Jahr 2022 ist hierzulande eine Betreuung bis 24 möglich; das soll es in allen Bundesländern geben, wird verlangt, vielleicht sogar bis zum Alter von 26 Jahren.
Im SPÖ-Klub kamen die Jungen zu Wort. Klubobmann Roland Fürst (r.) und Sozialarbeiter Gerald Herowitsch-Trinkl (l.) mit Georg Thurnwalder, Alexandra Weiss und Alexandro Kluger (v.l.) vom Verein "Careleaver".
© Wolfgang Millendorfer
„Es zahlt sich aus, in Menschen zu investieren“, sagte Alexandra Weiss von Verein „Careleaver“ bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Klubobmann Roland Fürst; sie selbst und ihre Kollegen und Freundinnen seien ein Beispiel dafür. „Allen, die ein schwieriges Leben gehabt haben, kann es gelingen, mit adäquater Unterstützung die nötige Resilienz aufzubauen.“
Und manche brauchen dazu gerade in der Zeit von Berufswahl und Ausbildung vielleicht ein, zwei Jahre länger, wird aus der Erfahrung berichtet. Das ist auch der Knackpunkt in der Kinder- und Jugendhilfe, die bis zum vollendeten 18. Lebensjahr vieles an Unterstützung bereithält.
© Wolfgang Millendorfer
„Es kann aber nicht sein, dass junge Erwachsene dann, brutal gesagt, auf die Straße gesetzt werden“, sagt SPÖ-Klubchef Fürst. Mit den unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern sei dies jedoch oft der Fall. Später kommt mit der Studienbeihilfe finanzielle Unterstützung vom Staat wieder zurück, in der Zeit „dazwischen“ ist guter Rat manchmal teuer.
„Welche Eltern würden einen 18-Jährigen wegschicken?“
Als „Careleaver“ bezeichnet man junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in einer Pflegefamilie oder in einer Einrichtung der Jugendhilfe verbracht haben und diese auf dem Weg in ein eigenständiges Leben wieder verlassen. Dass dieser Übergang mit vielen Herausforderungen verbunden ist, liegt auf der Hand.
Gerald Herowitsch-Trinkl nennt als Sozialarbeiter und Obmann im Fachverband der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe ein deutliches Beispiel: „Welche Eltern würden einen 18-jährigen Jugendlichen von zuhause wegschicken, mit einem Gutschein für zehn Stunden im Monat, mit dem man sich melden kann?“
Es gehe nicht nur um Themen wie Geld, Wohnung oder Ausbildung, sondern um Hilfe bei alltäglichen Sorgen. „Jenen jungen Erwachsenen, die vielleicht noch mehr Fürsorge bräuchten, entzieht man einen Großteil der Unterstützung bei Volljährigkeit, diese Diskrepanz versteht niemand“, richtet Fürst seine Forderung an die Bundesregierung.
Im Burgenland ist die Unterstützung bis zum 24. Lebensjahr im Rahmen der stationären und ambulanten Kinder- und Jugendhilfe möglich. „Das kann man machen, wenn man die Prioritäten richtig setzt“, meint Fürst.

© Wolfgang Millendorfer
Gegen den „Heimkind-Stempel“
Seine eigene Geschichte erzählte in der Pressekonferenz Georg Thurnwalder, und auch sie gilt als beispielhaft für die Problematik: Im Maturajahr an einer Handelsakademie in Salzburg musste er als 18-Jähriger aus der betreuten Wohnung raus, Mindestsicherung hätte er nur mit Job bekommen, erzählte Thurnwalder: „Weil das alles im laufenden Maturajahr passiert ist, war ich vom einen auf den anderen Tag obdachlos.“
Eine NGO hat geholfen und ihm für ein Jahr eine Wohnung zur Verfügung gestellt, „das hat mich gerettet“, so Thurnwalder. Zusammen engagiert man sich nun beim Verein „Careleaver“, um anderen zu helfen. „Wir haben selbst so etwas erlebt, und wir wollen junge Erwachsene unterstützen, die das auch durchmachen“, brachte es Alexandro Kluger auf den Punkt. Es gehe auch um die „Entstigmatisierung“, darum, den „Heimkind-Stempel“ loszuwerden: „Aus uns kann mit Unterstützung etwas ganz Großes werden!“