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Ziehen zwei Neusiedlerinnen in den Landtag ein?
Landtagswahl 2025
In der Stadtgemeinde Neusiedl am See jubeln vor allem die SPÖ und die FPÖ über das Ergebnis bei der Burgenländischen Landtagswahl am gestrigen Sonntag. Zwei Neusiedlerinnen werden einen Sitz im Landtag bekommen. Zugewinne gibt es für die NEOS, große Erleichterung herrscht bei den Grünen. Für die Liste Hausverstand gibt es weniger als ein Prozent der Stimmen.
© Birgit Böhm-Ritter
Als Neusiedls Bürgermeisterin und SPÖ-Kandidatin Elisabeth Böhm am Sonntagabend vor ihren Unterstützerinnen und Unterstützern das Gemeindeergebnis vorlas, gab es einen lauten Jubel. Mit 39 Prozent der Stimmen in der Bezirkshauptstadt kann die SPÖ trotz eines Verlusts von 4,5 Prozentpunkten durchaus zufrieden sein – und so lud man am Wahlabend in den Veranstaltungsraum der neuen Tennishalle zur Wahlparty ein. Gefeiert wurde mit Frizzante, Aufstrichen und Kuchen.
Auch Böhm steuerte Selbstgebackenes zum Buffet bei. Ihr erneuter Einzug in den Landtag dürfte Formsache sein. „Ich bin froh, dass wir klar erste Kraft in Neusiedl am See sind“, sagte sie unter dem Applaus ihres Teams, ihrer Familie und ihrer Freunde.
SPÖ baut Abstand zu anderen Parteien aus
Die SPÖ habe sich in Neusiedl am See auf hohem Niveau stabilisiert, kommentierte der ehemalige Bildungsdirektor Heinz Zitz das Neusiedler SPÖ-Ergebnis. Ein Blick in die Annalen der Ergebnisse bei Landtagswahlen bestätigt seine Analyse. Neusiedl am See war einst unangefochtene Hochburg der ÖVP. 2015 wurde sie erstmals von der SPÖ überholt. Etwas mehr als ein Prozentpunkt trennte die damaligen Großparteien voneinander. 2020 ist der Vorsprung der Sozialdemokraten auf 13 Prozent gewachsen, bei der Wahl am vergangenen Sonntag waren es bereits mehr als 17 Prozent.
Nur Platz drei für ÖVP
Mittlerweile wurde die ÖVP auch von der FPÖ (23,1 Prozent) überholt und ist mit 21,4 Prozent der Stimmen nur mehr drittstärkste Kraft in Neusiedl am See.
Auch wenn das ÖVP-Ergebnis der Stadtgemeinde in etwa im Bezirksschnitt liegt: Platz drei sei definitiv nicht das, was man sich gewünscht habe, zeigt sich Sabine Nyikos, Neusiedls Vizebürgermeisterin und Kandidatin auf der ÖVP-Liste, enttäuscht: „Da wir uns vor einigen Monaten in Neusiedl am See komplett neu aufgestellt haben, war die Erwartungshaltung auch um die 22 Prozent. Die Wähler unterscheiden aber sehr wohl, ob es sich um eine Bundeswahl, eine Landtagswahl oder der Wahl auf Gemeindeebene handelt. Insofern können wir nicht unbedingt Schlüsse für die Gemeinderatswahl in zwei Jahren ziehen.“ Für das enttäuschende Abschneiden der ÖVP bei der Landtagswahl habe auch die Situation in der Bundespolitik eine Rolle gespielt.

© Evi Huber, Evi Huber- Helmreich fotografier
Brandhofer holt FPÖ-Mandat
Die Freiheitliche Partei darf sich quer durch das Burgenland als große Gewinnerin feiern. Ein historisches Ergebnis fuhr die FPÖ mit 23,1 Prozent auch in der Stadtgemeinde ein. In Neusiedl am See holte man mit einem Zugewinn von 14 Prozent der Wählerstimmen erstmals den zweiten Platz. Die Neusiedler FPÖ-Kandidatin Michaela Brandlhofer zeigte sich „überglücklich“ über das Ergebnis. Die Stimmung sei schon im Wahlkampf gut gewesen, sagt sie. Sie sei viel in Neusiedl am See, Parndorf und Weiden am See unterwegs gewesen. „Dass der Zuwachs dann so groß ausfällt, war aber schon überraschend.“

© zVg/Brandlhofer
Brandlhofer darf jedenfalls nicht nur wegen des guten Ergebnisses feiern. Sie rechnet mit einem Einzug in den Landtag, lässt sie im BVZ-Gespräch wissen. Ein wenig Erfahrung als Landtagsabgeordnete konnte die Kindergartenhelferin bereits sammeln, übernahm sie doch vor einigen Wochen das Mandat von Alexander Petschnig, als dieser in den Nationalrat wechselte.
Neusiedl am See als Hochburg für die Grünen
Die Grünen können in Neusiedl am See aufgrund der urbaneren Bevölkerungsstruktur bei Wahlen traditionell gute Ergebnisse einfahren. Im Vergleich aller burgenländischen Gemeinden holte man in Neusiedl am See hinter Eisenstadt und Bad Sauerbrunn das drittstärkste Grünen-Ergebnis.
11,3 Prozent der Wählerstimmen gingen hier an die Umweltpartei. Zuwächse gibt es aber auch hier nicht. Trotz des Verlusts von 2,2 Prozentpunkten dürfen die Grünen mit dem Neusiedler Ergebnis zufrieden sein. Bei weitem nicht ganz so gut wie in der Bezirkshauptstadt schnitt die Partei nämlich mit 5,7 Prozent der Stimmen im Landesergebnis ab. Die Erleichterung, die 4 Prozent-Hürde und damit wieder den Einzug in den Landtag geschafft zu haben, ist allerdings bei allen groß.
„Genau das ist das Wort mit dem man das Ergebnis kommentieren kann: Große Erleichterung“, sagt Grünen-Gemeinderat Rainer Fussenegger, der auch auf der Wahlkreisliste kandidierte. „Und ich bin froh, dass wir im Land eine 'grüne Hochburg' sind“. Dass die Grünen zittern mussten, sieht er der momentanen Stimmung in der Bevölkerung geschuldet: „Themen wie Teuerung und Migration sind derzeit wichtiger als Umwelt- und Klimaschutz“, vermutet Fussenegger. Auf die Frage, wie er zu einer Koalition der Grünen mit der SPÖ stehe, antwortet er: „Eine Zusammenarbeit könnte ich mir vorstellen.“
Ein Plus für die NEOS
Die NEOS können in Neusiedl am See Stimmen dazugewinnen. Ein Plus von 1,3 Prozent ist ein Erfolg für die junge Partei. Mit 4,26 Prozent holen die NEOS in Neusiedl am See hinter Breitenbrunn das zweitbeste Ergebnis im Burgenland.
0,8 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Neusiedl am See gaben der Liste Hausverstand ihre Stimme.