Jeder dritte Lehrling war schon einmal Mobbing-Opfer

Lehrlingsmonitor

Während die überwiegende Mehrheit der Lehrlinge sowohl mit der Lehre als auch dem Berufsbild zufrieden sind, gibt es aber auch eine große Zahl an Mobbing-Fällen. Und das geht überraschend oft von Kolleginnen, Kollegen und anderen Lehrlingen aus.

Von Markus Kaiser

Zwei Drittel der Lehrlinge in Österreich waren bereits mindestens einmal mit Mobbing konfrontiert. Auch das Burgenland ist hier keine Insel.

Zwei Drittel der Lehrlinge in Österreich waren bereits mindestens einmal mit Mobbing konfrontiert. Auch das Burgenland ist hier keine Insel.

© Shutterstock.com, Rawpixel.com

Der „Lehrlingsmonitor“ von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) fragt regelmäßig das Niveau der Lehrlings-Ausbildung ab. Der Anfang März erschienene fünfte Lehrlingsmonitor fragte dazu rund 4.700 Lehrlinge vor allem im letzten Ausbildungsjahr.

Die meisten Lehrlinge sind zufrieden ...

Die Ergebnisse sind über weite Teile erfreulich: Drei Viertel der Befragten gab an, sehr oder relativ leicht eine Lehrstelle gefunden zu haben. Für ebenso viele ist das Berufsfeld, in dem die Lehrstelle gefunden wurde, „interessant“ oder sogar ein „Traumberuf“.

Auch die Arbeitsbedingungen sind großteils fair: Zwei Drittel der Lehrlinge finden ihre Arbeitsbedingungen gut bis sehr gut, nur jeder Zehnte findet sie sehr schlecht. Besonders zufrieden sind Lehrlinge in technischen Branchen, der Baubranche sowie in Banken und der Verwaltung. Immer noch großteils zufrieden, aber doch unzufriedener als in anderen Branchen sind Lehrlinge im Service, Verkauf und Hotelbereich.

... aber eben bei Weitem nicht alle

Es gibt aber auch unschöne bis schockierende Erkenntnisse des Lehrlingsmonitors: Jeder dritte Lehrling wurde bereits Opfer von innerbetrieblichem Mobbing, bei weiblichen Lehrlingen sind es 40 Prozent (Burschen: 29 Prozent). Jeder Zehnte gibt sogar an, regelmäßig beleidigt, belästigt oder bedroht zu werden.

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Am häufigsten werden gemobbte Lehrlinge angeschrien, beschimpft, lächerlich gemacht und abgewertet, sie müssen auch auffallend oft unbeliebte Tätigkeiten ausführen. Zwölf Prozent der Mobbing-Opfer geben an, sexuell belästigt worden zu sein - ein besonders kriminelles Delikt, sind doch viele der Befragten noch minderjährig. Drei Prozent der gemobbten Lehrlinge mussten auch schon körperliche Misshandlungen erdulden.

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Das Mobbing geht in den meisten Fällen von Kolleginnen und Kollegen aus, teilweise aber auch von der Arbeitgeber-Seite, den Ausbildungskräften oder anderen Lehrlingen.

Auch im Burgenland sind Probleme bekannt

Auch in den burgenländischen Lehrbetrieben oder Berufsschulen kommt es laut der ÖGJ-Landessprecherin Vivian Bauer zu Konflikten oder Fällen von Mobbing. Im Burgenland gehe das aber vorrangig von anderen Lehrlingen aus, jedoch würde auch der Umgang von Ausbildnerinnen und Ausbildnern mit Lehrlingen nicht immer auf Augenhöhe, geschweige denn respektvoll stattfinden. „In Betrieben mit einem aktiven Jugendvertrauensrat ist das Arbeits- und Lernklima tendenziell besser, da es nicht nur eine Ansprechperson bei Problemen, sondern auch ein Sprachrohr zwischen Ausbildungskraft und Lehrling gibt“, so Bauer.

Jugendvertrauensrat entscheidend für Betriebsklima

Mobbing in der Berufsschule dürfe keinesfalls unter dem Motto „Augen zu und durch“ unter den Teppich gekehrt werden, betont Bauer weiter: „Mir liegt es in diesem Zusammenhang am Herzen, dass soziale Kompetenzen und Persönlichkeitsbildung feste Bestandteile der Lehrpläne in Berufsschulen werden. Es ist erschreckend, dass Mobbing laut Befragungen auch von Lehrpersonen ausgeht. Ausbildnerinnen, Ausbildner und Vorgesetzte sollen unterstützend in Konfliktsituationen eingreifen und gegebenenfalls als Mediatoren fungieren, als Vorbilder agieren und auf Augenhöhe mit den Jugendlichen kommunizieren.“

Jeder dritte Lehrling war schon einmal Mobbing-Opfer

© zVg ÖGJ

Nähere Infos zur Bildungskampagne der ÖGJ mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen in der Lehrausbildung zu verbessern, finden Sie hier.