Der Bildungscampus der Stadtgemeinde Oberwart wurde als eines von 23 Projekten für den Bauherr:innenpreis 2026 nominiert.
Zukunft für Oberwarts Synagoge ist noch offen
Nachnutzung Synagoge
Nach dem Umzug der Musikschule werden Nutzungskonzepte diskutiert. Bibliothek, Veranstaltungszentrum, oder doch endlich ein Stadtmuseum? Die Diskussion um die Nachnutzung des geschichtsträchtigen Gebäudes ist spannend.
In Oberwart werden verschiedene Möglichkeiten für die Nachnutzung der ehemaligen Synagoge diskutiert.
© Bertie Unger
Die Geschichte der ehemaligen Synagoge in Oberwart ist von Wandel geprägt. Errichtet um 1904, diente sie jahrzehntelang als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde, bevor sie durch die Nationalsozialisten zweckentfremdet und nach dem Krieg zur Heimat der Zentralmusikschule wurde. Doch mit dem bevorstehenden Umzug der Zentralmusikschule in den neuen Bildungscampus wird die Zukunft des geschichtsträchtigen Gebäudes neu diskutiert.
„Wir machen uns viele Gedanken, wie die ehemalige Synagoge künftig genutzt werden kann“, sagt Bürgermeister Georg Rosner. Eine Rückführung zum religiösen Zweck wäre eine Möglichkeit, doch das ist längst nicht alles. „Die Synagoge könnte als Veranstaltungszentrum dienen, oder als Bibliothek. Wir haben ja eine Kooperation mit der Stadtbücherei, wir finanzieren die Bibliothek im Keller der Arbeiterkammer mit. Die Synagoge wäre da nicht so schlecht“, sagt Oberwarts Bürgermeister. „All das wird in den Gremien diskutiert. Dort befindet sich ja auch ein Veranstaltungssaal, der genutzt werden kann. Ein Teil als Bücherei, ein anderer vielleicht auch als Museum, das wir uns auch genauer anschauen wollen“, betont Rosner. „Die Idee mit dem Stadtmuseum hätte schon einen gewissen Charme. Ein Museum in einem historischen Gebäude, um wieder Leben rein zu bekommen und aufzuzeigen, was Oberwart einst ausgemacht hat. Die Nachnutzung kann in verschiedene Richtungen gehen und all das wird, wie so vieles in der Stadt, gerade diskutiert“, sagt Rosner.
Zeugnis jüdischer Geschichte in Oberwart
Die Idee mit einem Stadtmuseum hätte tatsächlich seinen Reiz. Die jüdische Gemeinde existierte seit dem 19. Jahrhundert und prägte den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt entscheidend mit. Das Gebäude selbst wurde 1904 mit einer Festpredigt des renommierten Oberrabbiners Bela Bernstein aus Szombathely eingeweiht, bevor das jüdische Leben in Oberwart im Jahr 1939 ein abruptes Ende fand. Die Gemeinde wurde von den Nationalsozialisten zur Aufgabe ihrer Synagoge gezwungen, das Gebäude später umfunktioniert. Nach dem Krieg gelangte es zurück in den Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde und wurde der Stadtfeuerwehr überlassen. Seit 1997 beherbergte es die Musikschule. Mit der bevorstehenden Übersiedlung der Zentralmusikschule in den neuen Bildungscampus rückt die Zukunft der einstigen Synagoge im September wieder in den Fokus. „Kultur ist ein wichtiger Faktor für das gesellschaftliche Leben“, betont Bürgermeister Georg Rosner. Und eine multifunktionale Nutzung könnte dabei ein gangbarer Weg sein, um Gedenken, Bildung und Kultur unter einem Dach zu vereinen. Auch die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen und der Israelitischen Kultusgemeinde wird eine Rolle spielen.
Klar ist: Das Gebäude soll nicht in Vergessenheit geraten, sondern aktiv ins Stadtleben integriert werden. Die kommenden Monate werden zeigen, welche Vision letztlich umgesetzt wird.