Interne Kritik an Sagartz: Störgeräusche vor dem ÖVP-Parteitag

Öffentlicher Brief

Christian Sagartz wird am Samstag als Parteichef wiedergewählt und zum Spitzenkandidaten für 2025 gekürt. Für Aufregung sorgt jetzt ein Brief von Ex-Abgeordnetem Matthias Weghofer, der sogar den Rücktritt des Obmanns fordert. In der ÖVP reagiert man gelassen: Weghofer habe sich „aus persönlichen Befindlichkeiten noch an jedem Parteiobmann gerieben“, heißt es.

Von Wolfgang Millendorfer

Christian Sagartz. Noch bis Juni ist der ÖVP-Chef Europa-Abgeordneter, dann will er in den Landtag zurückkehren und bei der Wahl "die SPÖ-Absolute brechen".

Christian Sagartz. Noch bis Juni ist der ÖVP-Chef Europa-Abgeordneter, dann will er in den Landtag zurückkehren und bei der Wahl "die SPÖ-Absolute brechen".

© Wolfgang Millendorfer

Für den Landesparteitag der ÖVP ist eigentlich schon alles bereit: Vor 400 Gästen wird Christian Sagartz am Samstag im Kulturzentrum Eisenstadt, wie berichtet, als Chef wiedergewählt und gleichzeitig als Spitzenkandidat für die Landtagswahl fixiert. Die eingeschworene Stimmung erhält jetzt aber einen Knacks mit einem Brief des Wiesener Bürgermeisters Matthias Weghofer.

Dass der frühere ÖVP-Landtagsabgeordnete dem Parteichef kritisch gegenübersteht, war bekannt, jetzt macht er das in einer knallharten, vierseitigen „Abrechnung“ erstmals öffentlich und fordert Sagartz zum Rücktritt auf.

Weghofer teilt kräftig aus

Im Brief, der unter anderem auch an Bundeskanzler Karl Nehammer und VP-Generalsekretär Christian Stocker gegangen ist, schreibt Weghofer, dass Sagartz als EU-Abgeordneter „den Kontakt zu den Burgenländerinnen und Burgenländern verloren“ habe, und er führt Auslandsreisen und verschobene Termine aufgrund mehrerer gleichzeitiger Ämter als seine Beispiele an. Konkret geht es um die Rückkehr von Sagartz in den Landtag. Diese wird erst nach der EU-Wahl im Juni fixiert.

Interne Kritik an Sagartz: Störgeräusche vor dem ÖVP-Parteitag

© zVg

Die ÖVP Burgenland könne sich „nicht entfalten“ und „gute Leute werden ausgegrenzt“, schreibt Weghofer und bemängelt die „Performance“ im Land: Mit Verweis auf frühere Wahlergebnisse befürchtet der Ex-Abgeordnete ein „Desaster“ bei der Landtagswahl und erwähnt, dass es intern auch noch mehrere Kritiker gebe.

Sagartz tourt weiter durch die Gemeinden

In einer ersten Reaktion auf das Schreiben meinte ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas gegenüber der BVZ: „In den letzten 30 Jahren hat sich Matthias Weghofer aus persönlichen Gründen noch an jedem Parteiobmann gerieben. Wir nehmen das auch dieses Mal zur Kenntnis.“

Schon in der Pressekonferenz zur Vorschau auf den Landesparteitag hatte Sagartz darauf hingewiesen, dass er mit seiner im Herbst gestarteten Tour durch alle Gemeinden das Ohr an den Bürgerinnen und Bürgern habe: „Ich kenne keinen anderen Politiker, der eine Tour durchs ganze Land macht, da muss man meiner Meinung nach nicht von einer ,Rückkehr„ sprechen.“

Das Ergebnis von 98,8 Prozent als Landesobmann will Sagartz am Samstag halten, und er stellt klar: „Wer mich zum Obmann wählt, der wählt mich auch zum Spitzenkandidaten.“ Mit der ÖVP will Sagartz 2025 Regierungsverantwortung übernehmen, soviel steht als Ziel fest: Unter dem Slogan der „Richtungsentscheidung“ trete die Volkspartei an, „um die Absolute der SPÖ zu brechen“.

ÖVP-Bundesparteiobmann Nehammer, der heuer bekanntlich selbst in den Wahlkampf startet, wird beim großen Treffen der Delegierten in Eisenstadt dabei sein. Matthias Weghofer wird nicht am Parteitag teilnehmen.