Polit-Debatte: Geburtenstation Oberwart war kurzfristig gesperrt

ÖVP-Kritik und Reaktionen

Wegen mehrerer Krankenstände in der Klinik Oberwart mussten laut vorliegenden Informationen am Montag drei Geburten „im Einvernehmen“ in andere Krankenhäuser verlegt werden. Die ÖVP wies in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz auf eine „Kollaps-Gefahr“ in der Versorgung hin und sieht ein tiefergehendes Personalproblem. Dem wird seitens der Gesundheit Burgenland aber widersprochen. Inzwischen reagierte auch der Betriebsrat empört.

Von Wolfgang Millendorfer

Polit-Debatte: Geburtenstation Oberwart war kurzfristig gesperrt

© BVZ

„Nach unseren Informationen war die Geburtenstation seit Montag geschlossen, eine Kreißsaal-Sperre wurde verhängt. Hochschwangere wurden an die Krankenhäuser Hartberg und Oberpullendorf verwiesen.“ In einer am Donnerstag rasch einberufenen Pressekonferenz informierten ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazkas und Landtagsabgeordneter Hans Unger über Meldungen Betroffener, die in der Klinik Oberwart „vor verschlossenen Türen gestanden“ seien.

Zeitgleich mit der scharfen ÖVP-Kritik wurde ein Statement der Gesundheit Burgenland ausgeschickt, wo im Namen des kaufmännischen Geschäftsführers Franz Öller von einem „unverantwortlichen öffentlichen Skandalisierungsversuch“ gesprochen wurde: „Die Behauptungen sind zurückzuweisen. Tatsache ist: Der Kreißsaal in Oberwart ist offen. Lediglich drei Geburten wurden zu Wochenbeginn im Einvernehmen mit den werdenden Eltern nach Oberpullendorf, Eisenstadt und Hartberg verlegt.“

Seitens der ÖVP vertreten Fazekas und Unger hingegen die Meinung, es sei „nicht tragbar, dass die Öffentlichkeit über eine Kreißsaal-Sperre nicht informiert wurde“. Sie fordern auch Aufklärung von politischer Seite und nehmen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil als Gesundheits-Verantwortlichen in die Pflicht: Aus Sicht der ÖVP gehe es „offensichtlich um ein Personalproblem, das sich über einen längeren Zeitpunkt aufgebaut hat“.

Polit-Debatte: Geburtenstation Oberwart war kurzfristig gesperrt

© Wolfgang Millendorfer

Werdende Mütter hätten das „in einer Ausnahmesituation zu spüren bekommen“, wie Fazekas sagt. Gesundheits-Geschäftsführer Öller wiederum hielt fest: „Dank der Zusammenarbeit der geburtshilflichen Abteilungen wurde längst eine Lösung gefunden. Jede Verunsicherung aus offenbar politischen Gründen ist gerade im Gesundheitsbereich nur fehl am Platz.“

Fazekas und Unger wollen schon in der Vergangenheit von Personalproblemen gehört haben und fügten hinzu: „Aus der Rettungssperre, die es im Vorjahr im Krankenhaus Güssing gegeben hat, hat man offenbar nichts gelernt.“ Während Fazekas an frühere Diskussionen um eine angedachte Auflassung der Geburtenstation in Oberpullendorf erinnert, fordert Unger „eine Lösung für Oberwart“.

Es könne „keine Ausrede sein, darauf zu warten, bis das neue Spital fertig ist“, sagte Unger in der Pressekonferenz. Wie berichtet, wird die neue Klinik Oberwart im Mai für die Patientinnen und Patienten geöffnet. Die Versorgung soll durchgehend gewährleistet sein, wurde von der Gesundheit Burgenland bereits in der Vergangenheit unterstrichen.

SPÖ und Betriebsrat sind verärgert

Für die SPÖ antwortete Landesgeschäftsführerin Jasmin Puchwein verärgert auf die Vorwürfe der Volkspartei: „Es ist bezeichnend, dass aus unglücklichen Umständen – nämlich gleichzeitigen Krankenständen – Parteipolitik auf dem Rücken des Spitalspersonals gemacht wird. Die ÖVP öffnet damit ganz bewusst die unterste Schublade in der Giftküche.“

Und Puchwein erinnerte wiederum an die einstige Landtags-Debatte um die Anzahl der Krankenhäuser im Land, so gebe es mit Landeshauptmann Doskozil eine „Fünf-Spitäler-Garantie“.

Dietmar Ochsenhofer, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der Gesundheit Burgenland und Betriebsratsvorsitzender der Klinik Oberwart, kritisierte ebenso „mit aller Deutlichkeit“, dass „eine Krankenstandssituation unserer Kolleginnen in der Geburtshilfe öffentlich thematisiert und zu einem Skandal aufgeblasen wird. Das verunsichert unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und trägt null zu einer Verbesserung der Versorgung bei“, schreibt Ochsenhofer in einer Aussendung.

Und weiter: „Betriebsrat und Geschäftsführung arbeiten bereits seit einiger Zeit daran, sich personell so aufzustellen, dass wir auch vermehrte Krankenstände ausgleichen können.“ Der Betriebsrat hebt zudem hervor, dass das Land auf den - bundesweit spürbaren - Mangel an Hebammenmangel schon reagert habe, und zwar mit der Einrichtung eines eigenen Studienganges an der FH Pinkafeld. Im Vorfeld der Klinik-Neueröffnung im Mai bemerke man verstärktes Interesse.