Bierkistl Neudörfl: „Bewerbungen lassen sich an einer Hand abzählen“

Personal gesucht

Seit mehreren Monaten, aber eigentlich schon seit dem Ende der Lockdowns zur Corona-Pandemie, sucht Thomas Tschurlovich, der Betreiber vom Bierkistl, nach Personal für sein Pub. Im September wird seine einzige verbliebene Kellnerin sowie auch die derzeitige Praktikantin aufhören, dann wird Tschurlovich das Lokal erst einmal ganz alleine führen.

Von Christian Artner

Auch ein Kultpub, wie es das Neudörfler Bierkistl sicherlich ist, hat inzwischen Probleme, Personal zu finden. Betreiber Thomas Tschurlovich (r.) meint, dass einer der Gründe die Arbeit am Wochenende und am Abend ist.

Auch ein Kultpub, wie es das Neudörfler Bierkistl sicherlich ist, hat inzwischen Probleme, Personal zu finden. Betreiber Thomas Tschurlovich (r.) meint, dass einer der Gründe die Arbeit am Wochenende und am Abend ist.

© zVg

In den Blütezeiten der Gastronomie vor ein paar Jahren hatte Thomas Tschurlovich in seinem Bierkistl zumindest drei oder sogar vier Kellner und Kellnerinnen angestellt. Mittlerweile steht er vor einem Problem, sagt er: „Ich finde kein geeignetes Personal.“ Viele hätten während der Corona-Pandemie die Gastronomie verlassen, „und sind auch nicht wieder gekommen. Vor allem in der Erlebnisgastronomie, wie ich sie betreibe, die bis zwei Uhr in der Früh offen hat, will kaum jemand mehr arbeiten.“

„Bei solchen Spielchen mache ich nicht mit“

Auf verschiedenen österreichischen, aber auch ungarischen Plattformen habe er über die vergangenen Monate hinweg Inserate geschaltet. Die Bewerbungen ließen sich auf einer Hand abzählen. Dem Anforderungsprofil entsprach dabei kaum jemand: „Wenn zum Beispiel jemand sagt, er möchte geringstmöglich angestellt werden, damit er nebenbei noch schwarz arbeiten kann, bin ich sofort raus. Bei solchen Spielen mache ich nicht mit.“

Bierkistl Neudörfl: „Bewerbungen lassen sich an einer Hand abzählen“

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Ein anderer Grund hält Arbeitssuchende allerdings davon ab, sich überhaupt zu bewerben, meint Thomas Tschurlovich: „Die Nacht- und Wochenendarbeit. Wenn andere frei haben und feiern, muss man in der Gastro arbeiten. Wenn dann auch noch Kinder vorhanden sind, wird es doppelt schwierig, weil es während dieser Zeit auch kein Betreuungsangebot gibt. Die Gastronomie, die schon am Nachmittag zusperrt, hat zum Beispiel weniger Probleme, Personal zu finden.“

Thomas Tschurlovich ist der Ansicht, dass die Erlebnisgastronomie früher oder später verschwinden oder sich jedenfalls ausdünnen wird: „Ich war zuletzt in Schottland, dort habe ich lange mit jemanden geplaudert. Er hat mir gesagt, dass es dort diese Gastronomie quasi gar nicht mehr gibt. In Pubs gibt es nur noch Selbstbedienung. Dieselbe Problematik kenne ich auch aus Deutschland. Das Kellnerservice wird immer weniger betrieben.“ Tschurlovich glaubt, dass dieser Trend auch nach Österreich kommen wird. Er selbst möchte sich dem aber so lange wie möglich wehren. „Ich habe aber auch schon überlegt, dass ich den Gastgarten mit Selbstbedienung betreibe, dass man sich also die Getränke dort selbst holen muss.“

Das Gehalt sei jedenfalls laut Tschurlovich nicht der Hauptgrund, warum sich immer weniger einen Job in der Gastro „antun“ wollen: „Man kann nach wie vor gutes Geld verdienen.“

„Top motiviert, total engagiert – alles tadellos“

Vom 1. bis 18. August hat Thomas Tschurlovich sein Bierkistl ganz allein geführt. Seine einzige Kellnerin verbraucht noch bis 15. September ihre aufgestauten Urlaubstage – dann ist auch sie weg. In den vergangenen Wochen hatte er allerdings Hilfe von Kristin. Sie beginnt in der Slowakei im September ihr fünftes Jahr an einer Hotelfachschule. Dafür brauchte sie noch eine Praktikumsstelle. „Ihre Mutter wohnt in Neudörfl, so haben wir zueinander gefunden. Sie ist spricht Englisch fast perfekt, Deutsch lernte sie jeden Tag etwas Neues, von Österreichisch hatte sie aber Null Ahnung. Ich dachte, ich gebe ihr eine Chance“.

Tschurlovich wurde auch nicht enttäuscht: „Sie war top motiviert und total engagiert, alles tadellos. Unsere Stammgäste hatten überhaupt kein Problem damit, dass sie nur wenig Deutsch konnte, andere Gäste musste man vorher über die Situation aufklären.“

Kontaktfreudig, guter Wille und rechen sollt man können

Nach ihrer Ausbildung will Kristin vielleicht nach Neudörfl ziehen. „Ich habe hier natürlich auch schon etwas zukunftsorientiert gedacht“, scherzt Tschurlovich, „vielleicht fängt sie dann ja hier im Bierkistl zu arbeiten an.“

Unterdessen bleibt der Gastronom weiterhin auf der Suche nach Verstärkung. Die wichtigsten Qualitäten, die man mitbringen sollte: „ein guter Willen, kontaktfreudig und rechnen sollte man ein wenig können. Der Rest ergibt sich von alleine.“

Bewerbungen nimmt Thomas Tschurlovich weiterhin gerne entgegen (bierkistl@gmx.at)