Zurück zur Überweisung: Muss das wirklich sein?

Pro & Contra der Ärzte

Noch ist es eine Idee – aber bald könnte es heißen: Nur mit Überweisung zum Facharzt! Für Patientinnen und Patienten müsste dieses Comeback des „Krankenscheins“ möglichst unkompliziert laufen, sagt die Ärztekammer.

Von Wolfgang Millendorfer

Stempeln beim Hausarzt? Pilotversuche sind jedenfalls bereits in Vorbereitung.

Stempeln beim Hausarzt? Pilotversuche sind jedenfalls bereits in Vorbereitung.

© Shutterstock, megaflopp

Schon 20 Jahre ist es her, dass der gute, alte Krankenschein in Österreich von der e-card abgelöst wurde. Dass jetzt über eine – freilich modernisierte – Neuauflage nachgedacht wird, liegt an den Finanzen. Derzeit geht es in der Debatte aber primär darum, den Patientinnen und Patienten die Sorge vor einer allzu umständlichen Handhabe zu nehmen: So propagiert es die ÖGK, so fordern es die Ärzte ein.

Der Österreichischen Gesundheitskasse geht es um eine Lenkung der Patientenströme, das hat auch mit dem nötigen Finanzausgleich zu tun: Heuer rechnet die ÖGK mit einem Defizit von 900 Millionen Euro. Einige Schritte wurden aktuell angekündigt. Womit haben nun aber Patienten zu rechnen, wenn die Idee mit der Überweisung vom Pilotprojekt zur Regel wird?

- Mit der e-card kann man Fachärzte und -ärztinnen derzeit grundsätzlich ohne Überweisung aufsuchen (bei Röntgen- oder CT-Untersuchungen ist eine Zuweisung oft noch nötig). Der Plan der ÖGK sieht vor, dass künftig zuerst ein Allgemeinmediziner zu Rate gezogen werden soll.

- Von einer Überweisungspflicht wie früher sei aktuell keine Rede, beruhigte ÖGK-Obmann Andreas Huss. Auch von Sanktionen will man absehen.

- In der Praxis sollen bei („kleineren“) Gesundheitsfragen zunächst die Hausärzte und -ärztinnen konsultiert werden. Für Patienten könnte es Anreize geben, etwa indem die Rezeptgebühr reduziert oder die e-card-Gebühr erlassen wird.

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© Wolfgang Millendorfer

So wie der ÖGK geht es auch der Ärztekammer um eine Lenkung, und damit um den effizienteren Einsatz von Ressourcen. Nicht nur für Burgenlands Ärzte-Präsident hakt es aber im System: „Zuerst müssten Anreize geschaffen werden, um auch alle Allgemeinmediziner-Stellen zu besetzen“, erinnert Christian Toth an eine andere Diskussion mit der Kasse.

Das Stichwort Ärztemangel bleibt: Wenn im Burgenland „nur“ sechs Allgemeinmediziner-Stellen nicht besetzt sind, dann sei zu bedenken, dass viele bereits in der Pension weiterarbeiten und weitere bald in Pension gehen. Die Primärversorgungszentren als Lösung funktionieren für Toth nur bedingt: Diese würden eher in Ballungszentren funktionieren, aber nicht so sehr in der ländlichen Struktur.

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© Wolfgang Millendorfer

Die Kammer wünscht sich generell mehr Gesprächsbereitschaft. In der Gesundheit gebe es viele Player, sie müssten an einen Tisch gebracht werden. lautet eine der Forderungen. Und: Man müsse „frei denken“ können, denn für die Lösungen im Gesundheitssystem gebe es viele Ansätze.

Als Sprecher der Allgemeinmediziner im Land erinnert Michael Schriefl daran, dass man seit einigen Jahren versuche, den Hausarzt und die Hausärztin „als Lotsen im System“ zu etablieren, aber der Patient müsse das Gefühl haben, dass er vom System auch einen Nutzen habe. Aus Sicht der Patientinnen un Patienten bringt ess Schriefl so auf den Punkt: „Es macht bestimmt Sinn, wenn es einen Hausarzt gibt, der die Patienten koordiniert. Aber heutzutage macht es keinen Sinn mehr wenn man Patienten in ein System zwingt, das sie nicht haben wollen.“

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© Shutterstock, Inna Dodor

Die Kassenstellen im Detail

Laut Auskunft der Ärztekammer Burgenland gibt es im Land 144 Kassenstellen für Allgemeinmedizin, von denen aktuell sechs nicht besetzt seien. Über alle Sonderfächer hinweg gebe es zudem 102 Facharzt-Kassenstellen im Burgenland, von diesen seien neun nicht besetzt.

Als eine der Problemzonen zeigt sich das Fach der Dermatologie: Von insgesamt sechs Stellen sind zwei unbesetzt. Ein Grund wird auch darin vermutet, dass es im keine Derma-Abteilung in den Spitälern gibt, wo Nachwuchs ausgebildet werden könnte. Somit ist man darauf angewiesen, dass eine Dermatologin oder ein Dermatologe von außen einen Kassenvertrag im Land annimmt.

Und genau hier kommt die bekannte Diskussion um die neun unterschiedlichen Kassenverträge in den Bundesländern zu tragen - und damit die Debatte um die Höhe der Gehälter. EIn weiteres Fach, in dem es Probleme mit den Besetzungen gibt, ist die Gynäkologie: Von den insgesamt 14 Kassenstellen sind mittlerweile vier unbesetzt. Zwei davon werden jedoch seit Ende des Vorjahres durch das Ambulatorium in Güssing abgedeckt.