Zwölf Länder, tausend Geschichten und Erfahrungen, die weit über das Reisen hinausgehen: Michael Pahr erzählt warum es sich lohnt, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.
Missbrauchte Onkel Zwölfjährige? Prozess vertagt
Bezirk Oberwart
Ein 48-jähriger Mann soll 2021 seine damals zwölfjährige Nichte sexuell missbraucht haben. Am 26. Juni 2024 bekannte er sich vor Gericht nicht schuldig.
Der 48-Jährige bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.
© BVZ/Kirchmeir
Die Vorfälle sollen sich nach Angaben des heute 15-jährigen mutmaßlichen Opfers im Juli 2021 und am 28. Oktober 2021 im Haus des Onkels im Bezirk Oberwart ereignet haben. Der Erwachsene soll damals in einem Bett bzw. auf einer Couch an der Minderjährigen sexuelle Handlungen durchgeführt und das Mädchen aufgefordert haben, ihn sexuell zu berühren.
Das Mädchen sei wegen dieser Vorfälle in therapeutischer Behandlung, gab die Opfervertreterin an. Die Diagnose laute auf posttraumatische Belastungsstörung. Das Mächen leide unter Ein- und Durchschlafstörungen, Panikattacken und Flashbacks. Der Angeklagte solle die Therapiekosten von mehr als 1.500 Euro und zusätzlich 4.000 Euro Schmerzensgeld bezahlen.
Verteidiger sprach über Zweifel an Angaben der Jugendlichen
„Die Anklage ist geeignet, Ekel und Abscheu hervorzurufen“, sagte der Anwalt des Angeklagten zu den beiden Schöffen und forderte sie auf, sich anzuhören, was sein Mandant zu sagen habe. Für den unbescholtenen 48-Jährigen gehe es nämlich um „sehr viel, um sein restliches Leben“. Es gebe, meinte der Verteidiger, Gründe, an den Angaben der Jugendlichen zu zweifeln. Diese habe über sich selbst gesagt, sie habe „zu viel Phantasie“ und stelle sich imaginäre Figuren vor.
Der 48-Jährige, selbst Vater eines Buben, bekannte sich nicht schuldig. Von seiner Frau, der Schwester der Mutter des mutmaßlichen Opfers, ist er seit dem Vorjahr geschieden. Man habe sich schon vorher auseinandergelebt, bereits 2021, zum Zeitpunkt der angeklagten Vorfälle, habe die Ehe eigentlich nicht mehr bestanden.
Angeklagter: „Es wurde im Bett gemeinsam gekuschelt“
Der Angeklagte berichtete davon, dass sich seine Nichte oft in seinem Haus aufgehalten und man sich gut verstanden habe. Am Abend habe das Mädchen mit seinem Sohn und ihm „gekuschelt“, so der Angeklagte. Es sei auch vorgekommen, dass er mit seiner Nichte die Nacht im Ehebett verbrachte, während seine Frau woanders schlief.
Die 15-Jährige hatte in ihrer auf Video aufgezeichneten Aussage angegeben, zu den Vorfällen sei es gekommen, als der Onkel betrunken war. „Das ist absoluter Blödsinn!“, erwiderte der Angeklagte. Er habe keine Erklärung dafür, warum seine Nichte ihm sexuelle Missbrauchshandlungen vorwerfe.
„Vielleicht hat sie sich das eingebildet, geträumt“, meinte er.
Zwölfjährige vertraute sich der Mutter an
Im Dezember 2021 hatte sich die damals Zwölfjährige ihrer Mutter anvertraut. Nach einem Streit habe sie ihr Kind „ganz schlimm weinen“ gehört, berichtete die Mutter vor Gericht. „Meine Tochter sagte, sie kann es nicht sagen, das zerstört die Familie“, blickte sie auf das dann folgende Gespräch zurück.
Sie habe nicht lockergelassen und schließlich habe die Tochter erzählt, sie sei sexuell missbraucht worden. „Ich fragte näher nach und sie erzählte, dass mein Schwager sich zu ihr ins Bett legte und sie berührte“, so die Mutter vor Gericht. Auch den zweiten Vorfall im Herbst habe das Mädchen geschildert.
Mutter: „Da gibt es keinen Interpretationsspielraum“
Das Jugendamt wurde kontaktiert, der Onkel vorgeladen. „Es gab Aussprachen“, so die Mutter. Ihr Schwager habe zu ihrer Tochter gesagt, sie habe etwas „falsch verstanden“. „Ich sagte, da gibt es keinen Interpretationsspielraum“, so die Mutter. „Er sagte, das war nicht so.“
Zur Anzeige war es erst gekommen, als sich der Zustand des Mädchens trotz Therapie nicht besserte. Nach Rücksprache mit dem Gewaltschutzzentrum entschied sich die Jugendliche, zur Polizei zu gehen.
„Ich traue ihr nicht zu, eine solche Geschichte zu erfinden“, sagte die Mutter. „Sie ist niemand, der Geschichten erzählt, schon gar nicht, wenn es solche Konsequenzen hat.“
Das Verhältnis zwischen der Mutter des mutmaßlichen Opfers und ihrer Schwester, der Ex-Frau des Angeklagten, ist seit der Anzeige getrübt.
Der Prozess wurde vertagt. Das Gericht will ein Sachverständigengutachten einholen, das klären soll, ob bei der 15-Jährige die erforderliche Aussagefähigkeit und Aussagetüchtigkeit gegeben ist.