Nach dem Tod des Frauenkirchner Malers und Bildhauers Matthias Lidy wird sein Atelier aufgelöst: Beim Nachlassverkauf werden Arbeiten aus 45 Jahren künstlerischen Schaffens angeboten.
„Es geht noch um viel mehr als allein um den Neusiedler See“
Talk der Woche
In den vergangenen beiden Jahren hat der Verein Zukunft Region Neusiedler See ein Netzwerk aufgebaut, mit dem auf drängende Fragen des Klimawandels hingewiesen wird – und das auch Lösungen anbietet. Die BVZ sprach darüber mit Obfrau Birgit Braunstein und den Vorstandsmitgliedern Christian Janisch und Alois Lang.
Lebensraum Neusiedler See. Die Region wird in der Arbeit des Vereins ganzheitlich gedacht; die Zusammenänge – ob natürlich oder von Menschen gemacht – liegen auf dem Tisch.
© Klaus Zwinger
Als Verein sind Sie sehr aktiv, zu den Publikationen kommen jede Menge Online-Artikel und eigene Diskussionsforen. Wie lässt sich der Erfolg dieser Denkanstöße messen?
Birgit Braunstein: Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Aufmerksamkeit auf unsere Region zu lenken, ebenso auf die Bewohnerinnen und Bewohner und die Stakeholder. Uns geht es darum, die Wertschätzung für den Natur und Lebensraum bewusst zu machen. Gleichzeitig ist es unser aller Auftrag, diese Schätze zu erhalten. Wir wollen diese vielen einzelnen Bereiche in einer positiven Zusammenarbeit auf einen Nenner bringen: die regionalen Betriebe, die Landwirtschaft und natürlich auch den Tourismus.
Wie schätzen Sie den Zeitdruck ein, der in der Klimafrage doch eine Rolle spielt?
Alois Lang:Es gibt natürlich einen gewissen Druck, eine Notwendigkeit, endlich ohne Interessenskonflikte und ohne Klischees den Natur- und Kulturraum Neusiedler See zu kommunizieren und zu diskutieren – und das immer grenzüberschreitend zu denken. In unserer ersten Publikation kommen namhafte Expertinnen und Experten zu Wort, und wir hätten locker noch einmal weitere 270 Seiten füllen können.
Das war ein wichtiger erster Schritt, um zu zeigen, wie wertvoll es sein kann, ohne Vorurteile an diesen Naturraum und letztlich an die Herausforderungen heranzugehen und Lösungsansätze aufzuzeigen. In vielen Bereichen kann man auch ein zeitliches Zusammentreffen von Klimawandel und Strukturwandel erkennen.
Es geht nicht nur um Perspektiven, sondern vor allem um Entscheidungen. Wie läuft die Kommunikation mit den Verantwortlichen ab?
Christian Janisch: Nicht nur Expertinnen und Experten, auch Verantwortliche des Landes, wie etwa von der Gewässeraufsicht, holen sich immer wieder Informationen und Impulse von unserer Webseite. Das ist erfreulich und zeigt den Anspruch der wissenschaftlich fundierten Beiträge. Der Verein agiert unabhängig, hat mit der Privatstiftung und mit den Esterhazy Betrieben aber einen starken Partner.
So ist der ursprüngliche Gedanke entstanden, sich auf diese Art und Weise mit der Region auseinanderzusetzen und weit über den Tellerrand hinauszublicken. Die Gesellschaft wird in der Arbeit als Think Tank eingebunden, und wir suchen auch immer die Kommunikation mit den Verantwortlichen des Landes.
© Verein Zukunft Region Neusiedler See
Wie fällt Ihr Ausblick auf den kommenden Sommer, auf die Zukunft des Sees generell aus?
Lang: Der Tourismus ist natürlich ein wesentlicher Faktor, hier kann man beobachten, dass einzelne Standorte eine sehr hohe Bettenauslastung aufweisen, und andere mit denselben Bedingungen, demselben See und denselben Radwegen eine wesentlich geringere. Genauso wie es diese Differenzen schon seit vielen Jahren gibt, wird man den See nicht mit einer einzigen Maßnahme retten können, nämlich indem man Donauwasser hineinpumpt.
Janisch: Genauso ist beim Seemanagement nicht das Abpumpen des Schlamms das Hauptproblem, sondern die Frage, wie man ihn trocknet – und dann wohin damit? Diese Fragestellungen bestehen schon seit 20 Jahren und sind heute noch die gleichen.
Welche Ansätze hat dazu Ihr Verein?
Lang: Man wird nicht weitere 20 Jahre warten können, das Land hat mit der Seemanagement GmbH schon gegengesteuert. Aus meiner Sicht müssen wir aber noch Lösungsansätze finden, die bisher nicht angedacht wurden. An der Fachhochschule Salzburg wird zum Beispiel an der stofflichen Nutzung von Schilf gearbeitet, unter anderem mit Pilotversuchen für Schalldämmwände an Autobahnen. Die Frage ist, was man sich leisten kann und will, oder ob Alibimaßnahmen gesetzt werden.
Kann es nur auf die Nutzung des Schilfs hinauslaufen?
Lang: Die stoffliche Nutzung ist ein wichtiger Faktor – aber ebenso das gezielte Abbrennen, das auch von wissenschaftlicher Seite her als ökologisch unbedenklich gesehen wird. Da muss dann die Bundesregierung mitentscheiden, weil es sich auf Gesetzesmaterien auswirkt, etwa was Emissionen betrifft.
Eine zentrale Frage ist die des Grundwassers, das hängt wiederum mit der Landwirtschaft zusammen. Wie spüren Sie das in Ihrer täglichen Arbeit?
Braunstein: Man muss einerseits regional unterscheiden, und andererseits, ob es sich um Ackerbau, Getreide- oder Weinbau handelt. In unserem Weinbaubetrieb bemühen wir uns sehr um biologische Landwirtschaft. Man muss sich auch selbst die Frage stellen, wie man dazu beitragen kann, weniger Wasser zu verbrauchen oder den Temperaturen mit Bepflanzung beizukommen.
Dazu können kleine Wälder, Bäume oder Hecken gepflanzt werden, gegen den Wind, als Schatten und Wasserspeicher. Das wird schon gemacht, und diese Vielfalt muss auch gefördert werden. Auch bei den Rebsorten muss ich umdenken, wobei ich persönlich überzeugt davon bin, dass es viele Weinsorten gibt, die den Klimawandel langfristig überleben werden.
Lang: Ein wichtiger Punkt ist es, dass man die Rebe, die eigentlich ein Tiefwurzler ist, nicht an die ständige Beregnung gewöhnt, was sie letztlich weniger robust macht. Manches könnte man rasch umsetzen.

© Verein Zukunft Region Neusiedler See
Der Klimaschutz ist im Burgenland ja ein großes Thema. Zugleich wird allerorts um den Bodenverbrauch diskutiert. Ist das Problem noch nicht ganz in den Köpfen angekommen?
Janisch: Wenn es auch in unseren Städten und Gemeinden ums Wachstum geht, um Wohnraum für mehr Einwohner und um Geschäftsflächen, dann stellt sich die Frage, ob das immer kontrolliert stattfindet und zu rechtfertigen ist.
Lang: Man braucht schon eine Portion Optimismus. Die Menschen wollen auch die Supermärkte oder Baumärkte vor der Haustür haben. Das Burgenland weist zwar eine gute Struktur mit kleinen Siedlungseinheiten auf, aber das Konsumverhalten entspricht mittlerweile dem von Großstädten. Dass die Landesregierung Maßnahmen zur Eindämmung vorsieht, ist löblich. Die Politik muss aber berücksichtigen, sich vielleicht bei der Wirtschaft unbeliebt zu machen. Das ist ein Spagat, den man schaffen muss.
Braunstein: Ich erinnere mich an eine Diskussionsrunde mit Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, wobei der Verzicht zur Sprache kam: Wir alle wollen ja konsumieren, die Angst vor dem Verzicht rückt den Klimaschutz dann in schlechtes Licht. Genau deshalb ist ein Umdenken nötig, denn es geht darum, Platz fürs Leben zu schaffen.
Lang: Das oberste Argument lautet, dass wir für kommende Generationen die Lebensqualität zu sichern haben. Das bedeutet nicht, dass der Naturschutz alles verbietet, das ist ein Klischee – er leistet einen Beitrag zur Lebensqualität und schlussendlich auch zum Überleben.
Über den Verein
Der unabhängige Verein Zukunft Region Neusiedler See berichtet laufend online über regionale Themen vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung.
In Kooperation mit Expertinnen und Experten werden Privatpersonen und Betriebe verschiedener Bereiche vernetzt, „um gemeinsam an drängenden Fragen zu arbeiten“.
Bislang gibt es zwei Publikationen: „Das Ende des Neusiedler Sees?“ und „Tourismusregion Neusiedler See“

© Verein Zukunft Region Neusiedler See
„Lebenselixier Wassser“: Exkursion am 6. Juni
Zum zweiten Teil der heurigen Eventreihe mit Schwerpunkt „Renaturierung“ lädt der Verein in den Seewinkel ein: Interessierte können im Zuge einer Exkursion gemeinsam mit Expertinnen und Experten die Region erkunden und wesentlichen Fragen auf den Grund gehen.
Im Mittelpunkt steht die Thematik, wie Wasser – ganz gleich ob als Grundwasser oder in den Sodalacken – zu einer Frage wird, die alle betrifft. Und vor allem: Welche Lösungsansätze gibt es dafür im Seewinkel? Zusammen mit Bernhard Kohler (WWF), Harald Grabenhofer (Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel), Elke Schmelzer (St. Martins Therme & Lodge) und David Goldenits (Biohof Goldenits) führt der Weg von St. Andrä am Zicksee zur Neubruchlacke, zur restaurierten Lacke bei der St. Martins Therme und zum Biohof Goldenits. Dabei wird unter Anleitung auch die Natur beobachtet.
Treffpunkt am 6. Juni, 14 Uhr, beim Gasthof zur Linde in St. Andrä am Zicksee; die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung unter www.zukunftsee.at