Ein Ort, zwei Namen: 25 Jahre Felsőőr in Oberwart

Zweisprachige Ortstafeln

Vor 25 Jahren wurde eine Entscheidung getroffen, die nicht jedem schmeckte, aber genau deshalb so wichtig war. Die zweisprachigen Ortstafeln waren kein PR-Gag, kein Denkmal für die Galerie. Sie waren und sind ein Statement und Felsőőr steht heute ganz selbstverständlich neben Oberwart.

Von Bertie Unger

Oberwart und Felsöör - damals ein Aufreger, heute längst schon angenommen.

Oberwart und Felsöör - damals ein Aufreger, heute längst schon angenommen.

© Bertie Unger

Oberwart Zweisprachige Ortstafeln waren nie bloß Schilder. Sie waren ein politisches Bekenntnis und nicht überall willkommen. Auch in Oberwart wurde diskutiert, gezweifelt, polemisiert. Doch wo, wenn nicht hier? In einer Stadt, die seit jeher von Sprachen, Kulturen und Lebensrealitäten durchdrungen ist. Vor 25 Jahren wurde „Felsöör“ offiziell sichtbar gemacht und Oberwart hat sich in diesen 25 Jahren nicht verändert, weil da plötzlich ein Name am Schild mehr stand. Die Stadt war immer zweisprachig. Immer vielschichtig. Immer von einer Dynamik geprägt, in der Herkunft, Sprache, Religion und Lebensrealität ineinanderfließen. Aber mit diesen Tafeln wurde sichtbar gemacht, was längst gelebt wurde und bis heute gelebt wird.

„Am Anfang war das nicht unumstritten, heute ist das für alle eine Selbstverständlichkeit“, sagt Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner. „Da gibt es keine Diskussionen in der Stadt“.

Anfangs war die Aufregung groß.

Vor 25 Jahren wurde diskutiert, polemisiert, sogar gezündelt. „Wozu das?“, fragten manche. „Wieder nur ein Nachgeben.“ Doch mit den Jahren wurde klar: Hier wurde nicht nachgegeben, sondern anerkannt. Dass hier nicht nur Menschen, sondern auch Kulturen nebeneinander existieren. Nicht reibungslos, aber mit gegenseitigem Respekt. In Oberwart verlief die Umsetzung vergleichsweise ruhig. Vielleicht, weil es die Stadt gewohnt ist, mit Vielfalt zu leben? „Das Miteinander hat sich gut entwickelt. Wir sind die Stadt der Vielfalt, das friedliche Zusammenleben mit den Volksgruppen hat Tradition“, betont Georg Rosner. „Natürlich gibt es Leute, die kritisch betrachten, aber im Grunde ist diese Vielfalt bei der Bevölkerung angekommen. Das funktioniert recht gut. Was damals kritisch war, ist heute kein Thema mehr“, sagt Georg Rosner.

Doch wie sichtbar darf Sprache sein? Und wie sichtbar soll sie sein? Das war lange Zeit eine vieldiskutierte Frage. Dieses „Felsöör“ an den Ortstafeln fällt vielleicht nicht mehr jedem auf, aber es bedeutet noch immer etwas. Es bedeutet Zugehörigkeit. Es bedeutet Sichtbarkeit für eine ungarische Volksgruppe, die hier nicht nur geduldet, sondern Teil des Ganzen ist. Nicht als Minderheit irgendwo am Rand sondern mitten in der Stadt, mitten im Leben.

Denn eines ist klar: Um Tafeln ging es dabei nie, sondern um Identität, um Sichtbarkeit, um die Frage, wer dazugehören darf. Und wer gesehen wird. Gerade in Zeiten, in denen Sprache wieder zur Grenze wird, statt zur Brücke, ist das immer noch ein leises, aber deutliches Zeichen.