Doskozil fordert neue Vergabekriterien für Förderungen. Landeshauptmann Doskozil und Landesrat Illedits treffen hohe EU-Vertreter. Doskozil lässt mit Forderung nach geänderten Vergabekriterien aufhorchen.

Von Redaktion, APA und Markus Stefanitsch. Update am 06. Mai 2019 (12:08)
BVZ, Markus Stefanitsch
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, AdR-Präsident Karl-Heinz Lambertz, Landesrat Christian Illedits

Fördernehmer sollten sich an Zielvereinbarungen in puncto Lohn- oder Pensionsniveau halten müssen, sagte Doskozil am Montag vor einem Treffen mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel.

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Der Landeschef bezog sich in seiner Argumentation auf gewissermaßen hauseigene Erfahrungen und verwies etwa auf das starke Lohngefälle zwischen dem Burgenland und Ungarn. Trotz hoher Zuschüsse seitens der Union sei im Nachbarland das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren um gerade einmal zwei bis drei Prozent gewachsen. "Und diese Steigerung dürfte von den Tagespendlern und ihrem in Österreich verdienten Lohn stammen", mutmaßte Doskozil in einer Pressekonferenz.

Die EU müsse schauen, dass das Geld auch "bei den Menschen" ankomme: "In Ungarn werden Autobahnen gebaut, wo die Ungarn selber nicht fahren können, weil sie sich die Maut nicht leisten können." Die Fördergelder würden nur bei einem Baukonzern landen, kritisierte der Landeshauptmann.

Doskozil: "Man müsse einzelne Länder mitnehmen anstatt zu bestrafen"

Geht es nach Doskozil, sollen EU-Gelder künftig dann fließen, wenn zuvor bestimmte Zielkennwerte - etwa über eine Förderperiode von sieben Jahren - vereinbart worden sind. Als Beispiele nannte er "mittelfristige Steigerungen" u.a. bei Pensionen, der Erwerbstätigkeit oder beim Einkommen.

Denn geschehe das nicht, werde die innereuropäische Arbeitsmigration weitergehen. Das könnte dazu führen, dass im Falle einer schwächelnden Konjunktur wieder über die Entsenderichtlinie diskutiert werde. Deponieren will Doskozil seine Anliegen in einem Gespräch mit Juncker, das am Nachmittag stattfinden wird.

Angesprochen auf den kürzlichen Vorstoß von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in puncto Neuverhandlung des EU-Vertrags bzw. schärfere Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen von Mitgliedsstaaten, zeigte sich Doskozil vor allem bei letzterem eher skeptisch. Man müsse vielmehr die einzelnen Länder mitnehmen anstatt zu bestrafen, "sonst brechen einzelne Länder weg".

Die EU müsse sich außerdem auf "wichtige Themen zurückziehen" und ansonsten den Regionen Gestaltungsspielraum lassen. Mehr Harmonierung auf EU-Ebene kann sich der burgenländische Landeshauptmann im Steuerbereich oder in Sachen Sozialpolitik vorstellen.

Im Hinblick auf die EU-Wahl sieht Doskozil die Chancen, dass der Sozialdemokrat Frans Timmermans Juncker als Kommissionschef nachfolgen wird, zwar "gegeben", aber "unrealistisch". Dass der nächste Präsident aus dem Kreis der Spitzenkandidaten kommen wird - Umfragen geben EVP-Frontmann Manfred Weber die besten Chancen -, ist für Doskozil jedenfalls "unumstritten".

Dichtes Programm in Brüssel

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Bei seiner ersten Brüssel-Reise als Landeshauptmann wird Hans Peter Doskozil von einer Delegation der Landesregierung und von Landesrat Christian Illedits begleitet, der auch als Vertreter des Burgenlandes im Ausschuss der Regionen (AdR) fungiert. Ebenso wie EU-Botschafter Alexander Marschik, traf die Delegation bereits AdR-Präsident Karl-Heinz Lambertz. 

Update 17 Uhr: Treffen mit Kommissionspräsident Juncker

Beim ersten Zusammentreffen von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, ging es am Montagnachmittag unter anderem um aktuelle Themen wie den mehrjährigen EU-Haushalt und die künftige Förderpolitik. „Burgenland muss Übergangsgebiet bleiben“, sagte Juncker nach dem Gespräch. Dabei zeigte er sich beeindruckt über die bisherigen Leistungen des Landes. Auch Landeshauptmann Doskozil betonte, dass die Regionalpolitik und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit „Europa stärken“ und zum „Europa-Bewusstsein der Menschen beitragen“ würden.  

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Auf dem Programm standen weitere Gespräche mit EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger, der bilateralen Botschafterin Elisabeth Kornfeind und dem Präsidenten der Arbeitnehmer im Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU, Oliver Röpke.
Doskozil überbrachte Juncker, Oettinger und Lambertz auch eine Einladung zu einer Aufführung der Operette „Land des Lächelns“ bei den Seefestspielen in Mörbisch. „Ein Lächeln, das braucht Europa jetzt“, sagte Lambertz.

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