Bus & „BAST“: Ein Jahr neuer öffentlicher Verkehr im Burgenland

Land zieht Bilanz

Mit neuen (Landes-)Bussen und Linien wurde der öffentliche Verkehr vom Land vor genau einem Jahr neu strukturiert. Zum ersten Geburtstag zogen Landesrat Dorner und Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Werderits zufrieden Zwischenbilanz. Auf Kritik, die auch dieses Mal wieder auftauchte, heißt es vonseiten des Landes, dass man gerade mit den neuen Linien die Möglichkeit habe, rasch zu reagieren. Im Gegenzug wird mehr vom Bund verlangt.

Von Wolfgang Millendorfer

Zogen Bilanz zum einjährigen Fahrplan. Infrastruktur-Landesrat Heinrich Dorner und Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Wolfgang Werderits (v.l.).

Zogen Bilanz zum einjährigen Fahrplan. Infrastruktur-Landesrat Heinrich Dorner und Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Wolfgang Werderits (v.l.).

© Wolfgang Millendorfer

Das „neue Öffi-Zeitalter“ hat das Land Burgenland mit September 2023 ausgerufen: Die Neuorganisation und Ausweitung der Buslinien - innerhalb des Landes und in die Ballungszentren - sehen Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner und Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Wolfgang Werderits nach einem Jahr als „Erfolgsgeschichte“. Allein heuer hätten bislang 665.000 Fahrgäste das Bus-Angebot genutzt, 65.000 wurden bei den Fahrten des Burgenländischen Anrufsammeltaxis, kurz „BAST“, gezählt.

Dabei handle es sich um tatsächlich erfasste Zahlen, wurde bei der Ein-Jahres-Bilanz vorausgeschickt, wohl auch in Richtung kritischer Stimmen: „Diese Zahlen zeigen, dass das Öffi-Angebot im Burgenland sehr gut angenommen wird.“ Insgesamt gibt es mittlerweile 40 Verbindungen zwischen Oberwart und Wien , mitunter ab 3.45 Uhr früh.

Buslinien zwischen den Bezirksvororten sollen dafür sorgen, „dass die Menschen ohne Pkw rasch von A nach B kommen“. Es gibt nun regelmäßig über den Tag Nord-Süd-Verbindungen durch das Burgenland und Anbindungen aus dem Süd- und Mittelburgenland nach Eisenstadt. Dorner und VBB-Geschäftsführer Werderits verwiesen darauf, dass man vor allem auch Pendlerinnen und Pendlern eine komfortable und sparsamere Alternative zum eigenen Auto biete.

BAST-Ausweitung auf die Bezirke Eisenstadt und Neusiedl am See

Das Anrufsammeltaxi wurde in den vergangenen Monaten vom Süden in Richtung Norden ausgerollt, im Dezember sollen nun noch die Bezirke Eisenstadt-Umgebung und Neusiedl am See dazukommen. „Wir haben mit dem BAST ein völlig neues System im Bereich der Mobilität etabliert, das innerhalb kurzer Zeit gegriffen hat“, so Dorner.

Ein altbekannter Kritikpunkt tauchte erst vor einer Woche wieder auf: Hubert Bleich, Obmann der Taci-Fachgruppen-Obmann in der Wirtschaftskammer Burgenland, und Geschäftsführer Bernhard Dillhof bemängelten, dass private Taxiunternehmen leer ausgehen würden: Das BAST werde hauptsächlich vom Landesunternehmen betrieben, „von den 120 privaten burgenländischen Taxiunternehmen dürfen lediglich zwei Unternehmen mit nur insgesamt zwei Taxis mitfahren“, wurde in der Kammer vorgerechnet.

Jeder hätte sich bewerben können, konterte Dorner bei der Bilanz-Pressekonferenz, man wolle niemanden ausbremsen, der freie Markt solle immer seine Möglichkeit bekommen. Ein weiteres Gespräch zwischen Land und Wirtschaftskammer wird es demnächst geben, man wolle Wege finden, wie Dorner sagt.

Bus & „BAST“: Ein Jahr neuer öffentlicher Verkehr im Burgenland

© Verkehrsbetriebe Burgenland

Apropos Kritik: Hier meldeten sich zum einjährigen Geburtstag des neuen Öffi-Systems auch ÖVP und FPÖ zu Wort. Hans Unger, Verkehrssprecher der Volkspartei, stimmte in die Kritik der privaten Taxiunternehmer ein und sieht ein „unausgereiftes“ System. FPÖ-Landesobmann Alexander Petschnig verwehrt sich gegen Begriffe wie „Meilenstein“ und kritisiert „ineffziziente Planung“.

All das lässt Dorner nicht gelten, ebenso wie den politischen Vorwurf leer fahrender Busse: „Davon bin ich immer noch überrascht. Die Fahrgastzahlen werden laufend evaluiert, und wir haben den Vorteil, dass wir schnell agieren können, sollte eine Linie tatsächlich nicht angenommen werden.“ Selbiges gelte für das BAST-System, da erwartet man sich im Nordburgenland noch einfachere Planung, da hier die zerstreuten Siedlungen nicht so sehr Thema seien wie im Landessüden.

Selbst kritisch zeigte sich Dorner auf die Frage nach (neuen) Zugverbindungen - hier nimmt er vor allem die Grünen und Umweltministerin Leonore Gewessler in die Pflicht. Man müsse nicht „mit Gewalt“ eine neue Zugverbindung einführen oder eine alte reaktivieren, wie im Fall der vieldiskutierten Strecke Oberwart-Friedberg. Mit den Landesbussen habe man eine attraktive Alternative geschaffen.

Zugleich werde er sich „nicht verwehren“, wenn es um Zugstrecken geht, hier müsse aber eben auch der Bund aktiv werden, denn angesichts der Dauer und Kosten solcher Projekte, könne das ein Land allein nicht stemmen.