Gelungener Auftakt für Lesereihe im jüdischen Museum Eisenstadt

Lob des Symbolismus

Reinhard Tötschinger begeisterte mit seinem Roman über Hitlers Lieblingsbild.

Von Markus Kaiser

V.l.: Richard Mikats, Präsident der Lyrikfreunde Burgenland, Universitäts-Professor Gerhard Langer, Vorstand des Judaistik-Instituts der Uni Wien, Autor Reinhard Tötschinger, Ferdinand Wolf vom Hornsteiner Verein "Initiative Kommunaler Dialog" und Barbara Fränzen. Im Hintergrund ist übrigens - passend zum Pessach-Fest - der Mose-Zyklus über die Befreiung des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Gefangenschaft zu sehen.

V.l.: Richard Mikats, Präsident der Lyrikfreunde Burgenland, Universitäts-Professor Gerhard Langer, Vorstand des Judaistik-Instituts der Uni Wien, Autor Reinhard Tötschinger, Ferdinand Wolf vom Hornsteiner Verein "Initiative Kommunaler Dialog" und Barbara Fränzen. Im Hintergrund ist übrigens - passend zum Pessach-Fest - der Mose-Zyklus über die Befreiung des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Gefangenschaft zu sehen.

© Foto: BVZ/Kaiser

Das jüdische Museum am Eisenstädter Unterberg hat eine sehr ungewöhnliche neue Direktorin. Esther Heiss sagt nämlich Dinge und - halten Sie sich fest - macht sie dann auch. So hatte sie bei ihrer Ernennung zum Jahreswechsel angekündigt, das Jüdische Museum zu einem lebendigeren Ort machen zu wollen, mit Festen, Lesungen und Weinverkostungen.

Gestartet hat sie mit der Lesung. Und das an einem nicht minder ungewöhnlichen Datum: Zwischen dem jüdischen Pessach-Fest (ab 22. April) und dem Hitler-Geburtstag (20. April). Reinhard Tötschinger, Wahl-Hornsteiner und halber Eisenstädter (seine Eltern hatten ein Gasthaus in der FuZo), las aus seinem empfehlenswerten Roman „Rochade“, bei dem es um einen Restaurator geht, der Hitlers Lieblingsbild, "Die Malkunst" von Johannes Vermeer, restaurieren soll.

Obwohl nur im kleinen Rahmen angekündigt, lockte die Lesung rund 20 Interessierte ins Museum, viel mehr hätte der kleine Saal ohnehin nicht vertragen, Heiss darf die Premiere durchaus als Erfolg verbuchen.

Ein bisschen Symbolismus geht abschließend noch: Tötschinger hat sich für die Recherche in das Restaurations-Handwerk vertieft. Es gebe verschiedene Schulen der Restauration, erzählt er: Die deutsche, die den Originalzustand des Bildes wieder herstellen will, stehe gegen die österreichische, die nur unübersehbare Abnützungen ausbessert, sowie die italienische, die sichtbar macht, wo restauriert wurde. Das passt auch auf den Umgang mit dem Nationalsozialismus: Während Deutschland sich neu erfinden wollte/musste, hat Österreich barocke Farbschichten über die Wunden gelegt, der Rest, könnte man sagen, passt eh.

Vielleicht ist das aber auch zuviel der Interpretation, es gibt jedenfalls sicher bald wieder die Gelegenheit, genau das im Jüdischen Museum auszudiskutieren.

Gelungener Auftakt für Lesereihe im jüdischen Museum Eisenstadt

© Nina Mayer, Nina Mayer