Marillen: Nur eine Mini-Ernte in Kittsee. Aufgrund des Frostschadens gibt es heuer keinen Verkaufsstand der beliebten „Kittseer Marille“.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 02. Juli 2020 (04:25)
Totalausfall. Die zarte Blüte der berühmten „Kittseer Marille“ litt enorm unter den frostigen Temperaturen im April.
Pum

Bischof, NÖP

Ein Leser wollte im Rahmen der Aktion „Frag die BVZ“ wissen, wie es nun um die heurige Marillenernte stehe, und ob es heuer Produkte zu kaufen gebe. Die BVZ hat bei dem Verein „GenussRegion Kittseer Marille“ nachgefragt.

Auf ein überdurchschnittlich ertrag- und erfolgreiches Marillen-Jahr 2019 folgt das auf vielen Ebenen außergewöhnliche Jahr 2020: Beinahe zeitgleich hatten die Bauern im April mit nächtlichem Frost und der Corona-Krise zu kämpfen (Die BVZ berichtete). So stehen sie nun vor noch nie da gewesenen Herausforderungen.

Infolge des großen Ernteverlusts trafen die Kittseer Marillenbauern eine Entscheidung: „Aufgrund des strengen Frostes während und nach der Blütenzeit und des damit verbundenen Totalausfalls unserer Bauern wird es keinen Verkaufsstand 2020 geben. Wir bitten um Verständnis und hoffen auf ein gutes Marillenjahr 2021“, blicken sie trotz alledem optimistisch in die Zukunft.

Auf Anfrage der BVZ erklärt die Obfrau des Vereins „GenussRegion Kittseer Marille“ Maria Bezenek-Salvamoser, dass es aber doch vereinzelt Produzenten gebe, die wenige Marillen ernten konnten: „Diese sind allerdings für Marillen-Produkte, Stammkunden oder den Eigenbedarf vorgesehen. Es wird also heurige Produkte - einen Jahrgang 2020 - geben, vor allem Nektar, Schnaps und Marmelade, aber natürlich nicht in dem Ausmaß wie sonst. Diese sowie Schnaps- und Nektarreserven von 2019 wird es direkt bei den Produzenten, beim Sommerfestival und beim Advent im Schloss zu erwerben geben.“

Vereinsmitglied Nicole Hefele-Holicsek, die gemeinsam mit ihrer Familie ungefähr 250 Bäume bewirtschaftet, konkretisiert im Zuge des Interviews die Ausmaße des Totalausfalls: „Wir haben tatsächlich keine einzige Marille auf unseren Bäumen. Es ist irgendwie immer noch unglaublich.“ Die Stimmung innerhalb des Vereins sei jedoch „nicht schlecht. Wir können‘s eh nicht ändern. Wir haben alle die gleichen Sorgen. Es hat uns sogar, würde ich behaupten, noch mehr vereint“, erzählt Hefele-Holicsek.

Der finanzielle Schaden könne noch nicht beziffert werden, aber die Ernte-Zahlen der Vorjahre sprechen für sich: „2019 war ein sehr starkes Jahr, da haben wir insgesamt 700 Tonnen geerntet. Es war das zweitstärkste Jahr bis jetzt. Spitzenreiter war die Marillensaison vor vier Jahren. Da hatten wir über 800 Tonnen.“ Im Durchschnitt, in einem „normalen Marillenjahr“, werden ungefähr 450 bis 500 Tonnen der beliebten und schon berühmten Frucht geerntet.