30 Jahre nach Willibald Hofer leitet seit September 2026 sein Sohn Jürgen die Geschicke der Marktgemeinde Deutschkreutz. Im Gespräch mit der BVZ blickt das Vater-Sohn-Duo auf damalige und heutige Herausforderungen, veränderte Aufgaben, familiäre Werte und die Zukunft ihres Heimatortes.
Deutschkreutz steht vor einer Entscheidung im Spätsommer
Bürgermeisterwahl
Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Andreas Kacsits (ÖVP) im April steuert Deutschkreutz auf eine wegweisende Entscheidung zu. Am 13. September sind 2.988 Wahlberechtigte aufgerufen, ein neues Ortsoberhaupt zu wählen.
Rittern um das Bürgermeisteramt. Manfred Kölly (LBL), Eva Heidenreich (ÖVP) und Jürgen Hofer (SPÖ).
© BVZ/ÖVP/SPÖ
Mit dem Ende der Einbringungsfrist am vergangenen Freitag steht das Kandidatenfeld für die Bürgermeisternachwahl nun offiziell fest: Eva Heidenreich (ÖVP), Jürgen Hofer (SPÖ) und Manfred Kölly (LBL) rittern um das höchste Amt in der Gemeinde.
Die ÖVP setzt auf ihre Ortsparteiobfrau Eva Heidenreich, die tief in der Gemeinde verwurzelt ist. Für sie ist Deutschkreutz nicht nur ein politisches Pflaster, sondern Heimat: „Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich meine politischen Wurzeln und hier will ich Verantwortung übernehmen“, betont Heidenreich. Ihr politischer Weg begann 2007, nach einer berufsbedingten Pause kehrte sie 2018 in den Gemeinderat zurück und ist seit 2022 Mitglied des Gemeindevorstands. Inhaltlich setzt Heidenreich auf drei Säulen: Stabilität, ein respektvolles Miteinander und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Gemeindebudget. „Sparen, wo es sinnvoll ist – aber niemals auf Kosten der Substanz unserer Gemeinde“, so Heidenreich, deren Wahlkampf von persönlicher Nähe geprägt ist: „Mir ist es wichtig, die Anliegen der Bürger aber auch ihre Sorgen ernst zu nehmen und in meine politische Arbeit einfließen zu lassen“. Seit Juni besucht sie jeden einzelnen Haushalt im Ort, um den Bürgern direkt zuzuhören. Ihr Ziel ist eine Kommunalpolitik, die „Ehrlichkeit gegenüber den Menschen“ als oberstes Gebot sieht.
Für die SPÖ geht Vizebürgermeister Jürgen Hofer ins Rennen, der die Gemeinde bereits seit dem Rücktritt von Kacsits interimistisch führt. Hofer sieht seine Stärke in der aktuellen Krisenbewältigung und der Fortführung begonnener Projekte. „Ruhe, Stabilität und Ordnung prägen meinen Arbeitsalltag“, erklärt er. Zu seinen Prioritäten zählen die langfristige Absicherung der Schule, die Wiederbelebung des Vinatriums, solide Gemeindefinanzen sowie die Stärkung von Tourismus und Wirtschaft „Ein besonderes Augenmerk gilt dabei unseren Winzerinnen und Winzern“, so Hofer, der seit 2022 als Vizebürgermeister fungiert und zudem tief im Vereinsleben verankert ist, etwa als Obmann des Tennisvereins oder als Funktionär des FC Blaufränkisch.
Er setzt im Wahlkampf ebenfalls auf das direkte Gespräch, ob bei Haus- und Betriebsbesuchen oder Vereinsfesten. Sein Ziel ist es, Deutschkreutz mit „Hausverstand, Verlässlichkeit und klarem Blick für die Zukunft“ weiterzuentwickeln.
Die Liste Bündnis Burgenland (LBL) ließ sich für die Bekanntgabe ihres Kandidaten – Altbürgermeister Manfred Kölly - bis kurz vor Ende der Frist für die Einbringung der Wahlvorschläge Zeit. Kölly, der von 2002 bis 2021 an der Spitze der Gemeinde stand, begründet sein erneutes Antreten zur Wahl ums Bürgermeisteramt mit einem wahrgenommenen „Stillstand der vergangenen Jahre“. Er sieht sich als erfahrenen Routinier: Mit insgesamt 35 Jahren Polit-Erfahrung und knapp 20 Jahren als Bürgermeister möchte er das Potenzial der Gemeinde wieder voll ausschöpfen.
Ein zentrales Argument Köllys ist der Zeitfaktor. Er kritisiert, dass seine Mitbewerber hauptberuflich tätig seien, während er als Pensionist die nötige Zeit für den „Fulltimejob“ Bürgermeister mitbringe. Seine Schwerpunkte liegen auf der Förderung von Wirtschaft und Weinbau, der Steigerung der Lebensqualität sowie der langfristigen Planung für Schule und Kindergarten. Kölly kündigt an, seinen bewährten Stil fortzusetzen: „Ich mache keinen Wahl-’Kampf’. Ich gehe, - wie bisher auch – auf die Leute zu und sie auf mich“, so Kölly.
Sollte am 13. September keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, wird die Entscheidung in einer Stichwahl am 11. Oktober 2026 fallen. Für Kurzentschlossene oder jene, die am Wahltag verhindert sind, gibt es zudem die Möglichkeit des vorgezogenen Wahltages am 4. September.