"Einen Sommer wie heuer hat noch keiner erlebt"

Dürre in der Stadt

"Fürs Klima in der Stadt ist der Baum das Wichtigste", sagt der Stadtgartendirektor. Doch dieser Sommer setzte den Bäumen extrem zu.

author Von Elisabeth Kirchmeir

Bürgermeister Thomas Steiner und Stadtgartendirektor Stefan Ferschich bei einer Baumpflanzung in der Ruster Straße. Die Jungbäume mussten im Dürresommer 2026 intensiv bewässert werden.

Bürgermeister Thomas Steiner und Stadtgartendirektor Stefan Ferschich bei einer Baumpflanzung in der Ruster Straße. Die Jungbäume mussten im Dürresommer 2026 intensiv bewässert werden.

© Stadt Eisenstadt

Viel zu früh begannen heuer Bäume in einer Notreaktion ihr Laub abzuwerfen, in vielen Baumkronen bilden sich dürre Äste. Das Ende von Bergahorn, Rotbuche und Birke zeichnet sich ab - sie kommen mit der Hitze und Trockenheit in unserer Region nicht mehr zurecht und "wollen sich verabschieden", wie Eisenstadts Stadtgartendirektor Stefan Ferschich sagt.

Den ganzen heißen Sommer lang kämpfte sein Team ums Wohlbefinden der Bäume in der Stadt. Täglich waren vier Tankwägen mit je 2.000 bis 5.000 Litern Wasser unterwegs, um zirka 1.000 Bäume zu bewässern. Das Wasser holten die Stadtgärtner aus dem Maschinenteich im Schlosspark, dieser speist sich wie ein artesischer Brunnen von unten.

Stauden trotzen der Trockenheit

Blumenrabatten gibt es nur mehr wenige in der Stadt. Beim bunt bepflanzten Kreisverkehr bei der Leinnerkreuzung, wo die Mattersburgerstraße mit der Ruster Straße zusammentrifft, wird automatisch bewässert, durch die Fußgängerzone fährt ein Tankwagen. In vielen Straßenzügen wird bereits auf trockenheitsresistente Stauden gesetzt, die mit feinem Kies oder Gartenfaser gemulcht werden.

Trotz aller Bemühungen stellte Stefan Ferschich erste Schäden fest: Einige Jungbäume hat "der Schlag getroffen", das bedeutet, dass die Pflanze plötzlich abstirbt, weil sie mit der Hitze nicht zurecht kommt. Alte Bäume, die man gar nicht mehr bewässern kann, trieben in einer Stressreaktion durch. "Im Frühjahr wird man sehen, wie groß die Schäden sind", sagt der Stadtgartendirektor.

Im Wald leiden Buchen und Eichen

Besorgt blickt er in Richtung Leithagebirge: Eichen und Buchen färbten sich schon im Sommer braun. "Die meisten werden es schaffen, viele aber auch absterben", meint Stefan Ferschich.

Das Bild des Schlossparks Eisenstadt wird sich verändern. "Die alten Rotbuchen sterben innerhalb von drei Jahren ab", befürchtet der Experte für urbane Grünräume. Die Hainbuche kommt mit Hitze und Dürre halbwegs zurecht. Feldahorn und Lederhülsenbaum sind klimafit, Linden nur mehr bedingt. Die heimischen Kiefern im Schlosspark werden schrittweise korsischen Kiefern weichen. Auch Pinien und Zedern wurden im Park gesetzt.

"Eine besondere Herausforderung im Schlosspark ist der Boden", sagt Stefan Ferschich. Unter 30 Zentimeter Erde erstreckt sich Kalkstein. Ausreichend Wurzelraum zu schaffen, ist die Grundlage für eine wirksame Bewässerung. "Bei Neupflanzungen im Straßenbereich wird das schon berücksichtigt", sagt der Stadtgartendirektor.

Manche Bäume werden absterben

Gießränder und Drainageschläuche sorgen dafür, dass das Wasser zu den Wurzeln gelangt. "Von den Gießsäcken sind wir wieder abgekommen", informiert Stefan Ferschich. Das algenversetzte Wasser aus den Maschinenteich hat die Poren der Gießsäcke verstopft.

"Einen Sommer wie heuer - das hat noch keiner erlebt", schüttelt der Stadtgartendirektor den Kopf. "Ich habe mit vielen Leuten geredet: Es gibt keine Erfahrungswerte dazu." Er rechnet damit, dass sich verstärkt Dürräste in den Baumkronen bilden werden. Manche Bäume werden ganz absterben.

"Für das Klima in der Stadt ist der Baum das Allerwichtigste", sagt Stefan Ferschich. Umso mehr Bäume, umso mehr Schatten, je mehr Grün, umso lebenswerter ist die Stadt. Jetzt ist Weitblick gefragt, denn Bäume, die man jetzt setzt, sollen für künftige Generationen Schatten spenden.

Stadtgärtner immer unterwegs

Eisenstadt ist "Natur im Garten"-Gemeinde.

Eisenstadt ist "Natur im Garten"-Gemeinde.

© BVZ / Kirchmeir

  • Das Stadtgärten-Team umfasst 18 Mitarbeitende und fünf Lehrlinge.
  • Zu ihren Aufgaben zählt neben dem Gießen das Mähen, die Unkrautentfernung und der Heckenschnitt.
  • In Kooperation mit Freiwilligen wird im Frühjahr das "Krötentaxi" organisiert - am Feiersteig werden Kröten eingesammelt und über die Straße getragen.
  • Seit 2025 ist Eisenstadt "Natur im Garten"-Gemeinde. Auf Torf, Herbizide, chemischen Pflanzenschutz und mineralische Düngung wird verzichtet.