Als eine Bauerndemonstration in St. Georgen Österreich veränderte

Dorfblick St. Georgen

Quer durch Europa demonstrieren im Moment die Landwirte, um gegen schlechte Preise, Bürokratie, strenge Umweltregeln und immer wieder neue Auflagen zu protestieren. Man vergisst, wie wichtig die Bauern für unser aller Wohlergehen sind. Auch in St. Georgen gab es 1959 einen Aufschrei der Weinbauern.

Von Von BVZ Redaktion

Der Bürgermeister der damals noch eigenständigen Gemeinde St. Georgen, Georg Hahnekamp, bei seiner Rede vor dem Landhaus Eisenstadt

Der Bürgermeister der damals noch eigenständigen Gemeinde St. Georgen, Georg Hahnekamp, bei seiner Rede vor dem Landhaus Eisenstadt

© Foto: Geschichte und Geschichten

Die Preise stürzten durch einen Überschuss an Trauben in den Keller und lösten eine schlechte wirtschaftliche Situation aus. Darum fanden am 13. und 20. Feber 1959 Besprechungen von Gemeinde-und Parteifunktionären aus fast allen Weinbaugemeinden des Bezirkes Eisenstadt statt. Der damalige Bürgermeister Georg Hahnekamp wurde zum Vorsitzenden dieses Komitees gewählt und stellte am 23. Feber gewisse Forderungen an das ÖVP Präsidium, um damit auf die Lage der Weinbauern aufmerksam zu machen.

Nachdem aber nachfolgend keine Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet wurden, kam es am 1. März 1959 zu einer Großversammlung in Purbach. 2000 Weinbauern kamen und neben Bürgermeister Georg Hahnekamp stellten sich auch Nationalratsabgeordneter Hofrat Franz Strobl und Landtagsabgeordneter Bürgermeister Michael Sandhofer auf die Seite der Weinbauern. Nachdem es auch diesmal keine Lösungsvorschläge der Verantwortlichen gab, rief das Aktionskomitee zur Durchführung einer Demonstration auf, die am 21. März 1959 um 14 Uhr in Eisenstadt stattfinden sollte.

Um 12 Uhr war es dann soweit. Es erfolgte eine Aufstellung von 600 Traktoren zwischen Eisenstadt und St. Georgen und der Zug bewegte sich langsam Richtung Müllendorf und wieder zurück. Transparente wurden mitgeführt und über 10.000 Flugblätter verteilt. Danach wurde vor dem Landhaus in Eisenstadt eine Großkundgebung abgehalten, bei der Bürgermeister Georg Hahnekamp und Nationalrat Franz Strobl zu den Demonstranten sprachen, berichtete die Argar Post unter dem Titel „Volle Fässer-leere Taschen“.

Nach der Vorsprache am 25. März bei Landeshauptmann Johann Wagner, konnte eine Delegation aus St. Georgen am 21. April die Anliegen im Parlament in Wien vorbringen. Das Ergebnis dieses Vorsprechens ist aber nicht bekannt. Die Aktion der St. Georgener hatte auch österreichweite Folgen. Um eine Interessengemeinschaft der österreichischen Weinbauern zu schaffen, wurde der „Bundesverband der Weinbautreibenden Österreichs“ gegründet.