Kriegsgeschehen im Dorf: So wilderte der Krieg in St. Georgen

Dorfblick St. Georgen

Mit dem 2. Weltkrieg veränderte sich das Leben im Dorf schlagartig. Im Oktober 1939 wird der Jahrgang 1919 zum Militär eingezogen.

Von Von BVZ Redaktion

 Musterung Jahrgang 1922

Musterung Jahrgang 1922

© Foto: Geschichte und Geschichten

Johann Stiglitz, Am Graben berichtete: „ In Wr. Neustadt wurde ich zum Funker ausgebildet. Die Ausbildung war schikanös. Man hatte aber gegen Ende des Jahres noch nicht den Eindruck, dass ein Weltkrieg ausgebrochen wäre. Erst ab Anfang 1940 kam einem zu Bewusstsein, in einen größeren Krieg geraten zu sein“.

Im Oktober 1941 zog man unverheiratete Frauen aus St. Georgen zum Arbeitsdienst nach Deutschland ein. Im Jänner 1942 wurden die drei Kirchenglocken der Pfarrkirche und die kleine Glocke der Xaverikapelle abgenommen. „Sie dienten seit 1923 zur Ehre Gottes und wurden nun für Kriegszwecke verwendet“ (Pfarrgedenkbuch).

Der Druck auf die Kirche wurde immer größer, man verbot viele kirchliche Veranstaltungen. Geringfügige Vergehen ahndete die politische Gemeindeverwaltung sofort. Bestand ein Zusammenhang mit einer kirchlichen Aktivität, dann folgten drastische Maßnahmen. Im Dorf herrscht ein gefürchtetes politisches Regime.

„Als Poldi Wagner vom Arbeitsdienst in Deutschland 1942 zurückkam, wurde sie zu Arbeiten im Milchhaus zugewiesen. Sie wollte aber nicht und ging stattdessen die Kirche schmücken. Anna Zoffmann war Kirchenchorsängerin und ging statt ins Milchhaus auch in die Kirche. Beide wurden angezeigt, von einem Polizisten zum Landesgericht Eisenstadt gebracht und eingesperrt. Mit vier Frauen teilten sie die Zelle. Drei Tage waren sie eingesperrt. Die Leute im Dorf haben sich aber mächtig aufgeregt, für nix hat man die Mädchen eingesperrt. Die St. Georgener Ortsleitung hat dann geschaut, dass sie wieder freigehen,“ erinnerte sich Magdalena Kummer (1922 – 2012).

„Im Jahr 1942 verstarb Josef Siedler an seinen Kriegsverletzungen und erhielt in St. Georgen ein Begräbnis mit militärischen Ehren. Dabei soll ein vom Tischlermeister und Bestatter Matthias Klauber auf den Sarg gestelltes Kreuz auf Anordnung der anwesenden NS-Offiziere abgenommen werden. Als diese dann den Sarg mit einer Hakenkreuzfahne zudeckten, kam es zu Unmutsäußerungen in der Bevölkerung. Klauber ging darauf hin zum Sarg, nahm unter Beifallsbekundungen die Fahne wieder ab, stellte das Kreuz neuerlich darauf und weigerte sich anschließend, dieses nochmals abzunehmen. Keiner der Offiziere gab einen weiteren Befehl“, erzählte Paula Nährer.