„Milch-Comeback“ im Burgenland: Doskozil plant Bio-Molkerei

An zwei Standorten

Im Mittelburgenland soll eine eigene Bio-Molkerei entstehen, in der Landwirtschaftlichen Fachschule in Güssing wird dann heimische Milch weiterverarbeitet. Die neue „Burgenland-Molkerei“ soll den Betrieben mehr Marktsicherheit und Bio-Anreize bringen, kündigt Landeshauptmann Doskozil an. Politisch gibt das Thema aus Sicht der Opposition Anlass zu Diskussionen.

Von Wolfgang Millendorfer

„Milch-Comeback“ im Burgenland: Doskozil plant Bio-Molkerei

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Derzeit sind burgenländische Milchbau-Betriebe für den Absatz oder für die Weiterverarbeitung ihrer Produkte auf Molkereien in der Steiermark und in Niederösterreich angewiesen. Das soll sich, wenn es nach Landeshauptmann Hans Peter Doskozil geht, bald ändern: Ein Modell für eine eigenständige Bio-Landesmolkerei wird derzeit erarbeitet, wie nun bekanntgegegben wurde.

„Seit über 15 Jahren gibt es keine Molkerei im Burgenland. Das ist auch ein Nachteil für die heimischen Bio-Milchviehbetriebe, den wir jetzt kompensieren wollen“, so Doskozil. Einerseits soll die Schaffung der „Burgenland-Molkerei“ fixe Absatzmöglichkeiten und Preisstabilität für burgenländische Erzeuger gewährleisten, damit verbunden werde auch der Weiterbestand dieser Bio-Betriebe langfristig abgesichert, heißt es in einer Aussendung.

„Milch-Comeback“ im Burgenland: Doskozil plant Bio-Molkerei

© APA/ROBERT JAEGER, ROBERT JAEGER

Zugleich will man auf diesem Weg konventionell produzierende Milchviehbetriebe zum Umstieg auf Bio animieren. Der Bio-Plan des Landes nimmt damit also auch bei den aktuellen Überlegungen eine tragende Rolle ein. Zu guter letzt sieht Doskozil das geplante Modell mit kurzen Transportwegen als nicht unwesentlichen Beitrag zur CO2-Vermeidung. „Eine Win-Win-Situation für die heimische Landwirtschaft und für die Bio-Ziele“, sagt Doskozil.

Start mit 500.000 Kilo Rohmilch

Die „Burgenland-Molkerei“ soll im ersten Schritt die Verarbeitung von rund 500.000 Kilo Rohmilch für den Bedarf in den landeseigenen und landesnahen Küchen abdecken. Geplant sind dazu zwei Standorte: In Kooperation mit Milchbau-Betrieben soll im Mittelburgenland die besagte Bio-Molkerei entstehen, in der Landwirtschaftlichen Fachschule Güssing wird die Milch weiterverarbeitet. In Güssing will man zudem einen Schwerpunkt auf eine „Schaukäserei“ legen, heißt es seitens des Landes.

Erst im Dezember waren Liegenschaften im Umkreis der Landwirtschaftlichen Fachschule Teil des Paketes, das mit der Landwirtschaftskammer zum neuen Fördervertrag ausverhandelt worden war. Das Land kauft, wie berichtet, sowohl in Eisenstadt als auch in Güssing Flächen von insgesamt rund 30 Hektar an.

Mit den Molkerei-Plänen greife „ausgerechnet ein sozialdemokratischer Landeshauptmann eine Baustelle der Agrarpolitik an, die seit Jahrzehnten unbeantwortet blieb“, wird in der Aussendung unterstrichen: Biobauern würden im Programm der Bundesregierung „finanziell schlechter gestellt“, so Doskozil.

Das Burgenland solle nicht nur wieder „ein eigenständiges Standbein auf dem Molkerei-Sektor bekommen“, man wolle der Landwirtschaft auch Zukunftsperspektiven geben. Das Konzept wird derzeit finalisiert, die Details will Doskozil noch im Frühjahr präsentieren.

ÖVP, FPÖ und Grüne sind skeptisch

Eine erste Reaktion auf die Pläne kam von den Freiheitlichen: FPÖ-Landesobmann Alexander Petschnig gibt sich ebenso kritisch wie sein Stellvertreter und Bauern-Sprecher Thomas Karacsony. Sowohl die Größenordnung von 500.000 Litern als auch die Bio-Produktion passen für die FPÖ nicht ins Konzept. Nur drei von 71 Milchbauern würden im Land bio produzieren, rechnet Petschnig vor.

Kritik an den neuen Landesplänen gibt es ebenso vonseiten der ÖVP: Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas spricht erneut von einer „Einkaufstour des Landeshauptmannes“, der damit auch „ins Milchgeschäft einsteigen“ wolle. Der ÖVP fehlt dazu das Konzept, man werde die wachsende Zahl der Landes-Unternehmen mit einer „Anfragenserie“ im Landtag thematisieren, kündigt Fazekas an.

Zu Bedenken geben Petschnig und Karacsony zum aktuellen Thema außerdem, dass die Zahl der Bio-Milchbetriebe österreichweit rückläufig sei, weil „Bürokratie und faktisch nicht vorhandene Preisvorteile“ den Bereich unattraktiv machen würden.

Doskozil hat aber bereits angekündigt, dass man sich „gezielt um den Bio-Milch-Sektor“ kümmern wolle. Es gehe nicht zuletzt um „Wertschätzung“ und darum, dass „niemand zurückgelassen werden“ solle. Der Bio-Plan hat immer wieder für Diskussionen in der Landwirtschaft gesorgt, wird aber konsequent verfolgt: Auch Schritte wie die Gründung einer eigenen Bio-Genossenschaft zur Vermarktung heimischer Produkte würden laufend Verbesserung bringen, wird seitens des Landes betont.

Die Grünen befürworten „die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Bio“, sehen für eine landeseigene Molkerei derzeit aber keine Notwendigkeit, wie Abgeordneter Wolfgang Spitzmüller sagt. Wie die FPÖ verweist er auf die wenigen Bio-Milchbetriebe; anstelle einer Landesgesellschaft solle man die Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern suchen.