Schnitzel-Zwist um Veggie-Produkte: Tofu oder Pute?

Darüber spricht das Land

Aus für vegane Grammelknödel oder Sellerieschnitzel? Auch im Burgenland scheiden sich beim Thema vegane Ernährung die Geister.

Von Elisabeth Kirchmeir

Wenn unter dem Motto „vegan daham“ am Lebenshof Sonnenweide gemeinsam gegessen wird, dann schaut gelegentlich auch Schweinchen Donny vorbei.

Wenn unter dem Motto „vegan daham“ am Lebenshof Sonnenweide gemeinsam gegessen wird, dann schaut gelegentlich auch Schweinchen Donny vorbei.

© Andreas Nussbaumer

Vergangene Woche hat das EU-Parlament entschieden, dass vegane und vegetarische Fleischersatzprodukte nicht mehr mit „Burger“, „Schnitzel“ oder „Wurst“ bezeichnet werden dürfen. Wie denken Fans der pflanzlichen Ernährung darüber? Was sagen die Fleischhauer? Wir haben uns umgehört.

„Ich baue klassische Gerichte vegan nach“, sagt Karin Giefing, die seit Herbst 2019 in Kaisersdorf die „Naturkuchl - wia z'haus“ betreibt. 80% der Gerichte auf ihrer Speisekarte sind vegetarisch oder vegan. „Wenn ich vegane Grammelknödel serviere, dann haben die Gäste eine Vorstellung davon, was sie erwartet“, sagt die Wirtin.

„Und wenn ich 'Sellerieschnitzel' auf die Karte schreibe, dann wird jeder vernunftbegabte Mensch wissen, dass es ein gebackenes Stück Sellerie ist“, meint sie. Das Verbot für fleischbezogene Begriffe findet sie „absolut überzogen“.

Elisabeth und Andreas Nussbaumer leben seit 2011 mit 150 Tieren auf Hof Sonnenweide in Weppersdorf. Früher passionierte Fleischesser, ernähren sie sich seit zehn Jahren vegan. „Wir sind nicht missionarisch unterwegs, sondern wollen den Menschen zeigen, dass der Umstieg möglich ist“, sagt Andreas Nussbaumer.

Als zwei Schweine bei den Nussbaumers einzogen, war es vorbei mit der Leidenschaft fürs (Fleisch-)Schnitzel. „Man braucht keine wissenschaftliche Beobachtungsgabe, um zu erkennen, dass Schweine intelligenter als Hunde sind“, erzählt Andreas Nussbaumer. Die Persönlichkeit der Haustiere zu beobachten und Fleisch zu essen - das passte einfach nicht mehr zusammen.

Bei den Tierpatenschaftstagen sind am Lebenshof Sonnenweide Menschen zu Gast, die erstmals einer Kuh direkt in die Augen sehen oder von Schweine-Eber Donny freundlich begrüßt werden. „Das kann zu einem Überdenken der Ernährungsweise führen“, freut sich Tierfreund Andreas Nussbaumer.

Die Nussbaumers servieren ihren Gästen vegane Snacks, die köstlich und gar nicht nach „Pappendeckel“ schmecken. Weil das gemeinsame Verkosten so gut ankam, veranstaltet das Paar seit einigen Monaten das Treffen „vegan daham im Burgenland“. „Jeder nimmt eine vegane Speise mit, daraus entsteht ein großes Buffet“, erklärt Andreas Nussbaumer das Konzept. Das nächste „vegan daham“ findet am Donnerstag, 16. Oktober, am Lebenshof Sonnenweide statt.

Schnitzel-Zwist um Veggie-Produkte: Tofu oder Pute?

© Shutterstock / Nina Firsova, Nina Firsova

Das Verbot für fleischbezogene Bezeichnungen für Veggie-Produkte findet er „völlig lächerlich“. Und er zitiert Mahatma Gandhi: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Seiner Meinung nach seien Konsumenten in der Lage, vegane Würstel zu erkennen. Für die betroffenen Unternehmen sei das Verbot „eine Katastrophe: Sie müssen die Verpackungen umstellen“. „Der Trend wird trotzdem nicht aufzuhalten sein“, meint Andreas Nussbaumer.

Rückgang beim Fleisch- und Wurstkonsum

Dass künftig nur mehr Produkte aus „echtem Fleisch“ mit „Burger“, „Schnitzel“ oder „Wurst“ bezeichnet werden dürfen, werde von vielen Fleischern begrüßt, sagt hingegen Thomas Hatwagner, Innungsmeister der Fleischer im Burgenland. „Die Branche setzt sich für eine klare und einheitliche Regelung auf EU-Ebene ein, um Verbraucherschutz und Transparenz zu stärken“, berichtet er auf BVZ-Anfrage.

„Ziel ist es, Verwechslungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass Konsumenten auf den ersten Blick erkennen, ob es sich um ein tierisches oder pflanzliches Produkt handelt.“ Pflanzliche Fleischersatzprodukte seien, so Hatwagner, in den letzten Jahren „sichtbarer geworden“, die Nachfrage steige. Gleichzeitig sei ein Rückgang des Konsums von Fleisch und Fleischwaren zu beobachten, was sich auch auf die Umsätze der Betriebe auswirke.

„Einige Fleischbetriebe haben begonnen, ihr Sortiment um fleischlose oder hybride Produkte zu erweitern“, berichtet der Innungsmeister. Jüngere Konsumenten und Familien würden zunehmend nach vegetarischen oder veganen Alternativen fragen. Dennoch bleibe das klassische Fleischerhandwerk mit hochwertigen Fleisch- und Wurstwaren das Kerngeschäft der meisten Betriebe.

„Auch zellkultivierte Produkte sollen von Bezeichnungen wie Wurst, Schnitzel oder Burger ausgeschlossen werden“, meint Hatwagner. Noch laufen die Gespräche auf EU-Ebene, eine endgültige Entscheidung im Namensstreit steht noch aus.

Wolfgang Spitzmüller, Klubobmann der Grünen im burgenländischen Landtag, ernährt sich „zu 95 Prozent vegan, zu fünf Prozent vegetarisch“. Es werde zunehmend einfacher, auf Fleisch zu verzichten: „Im Supermarkt ist das Angebot wirklich toll und immer mehr Gaststätten bieten fix zumindest ein veganes Gericht an“, freut er sich.

Die Entscheidung des EU-Parlaments, fleischbezogene Bezeichnungen für Veggie-Produkte zu verbieten, nennt er eine „sinnlose Aktion“. „Das bringt weder den Konsumentinnen noch den Landwirten oder Betrieben auch nur einen winzigen Vorteil“, meint der Grün-Politiker. „Jedem ist klar, was in einem Soja-Schnitzel drin ist.“

Auch seine Parteikollegin, Samara Sánchez Pöll, Klubobfrau der Grünen Eisenstadt, setzt sich mit der veganen Ernährung auseinander. „Mein halbes Leben lang ernähre ich mich vegetarisch und seit ich 15 Jahre alt bin, vegan“, sagt sie.

In den meisten Lokalen im Burgenland esse man mittlerweile richtig gut vegan. „Selbst beim Heurigen bekkommt man zumindest ein gutes Schwarzbrot mit Kernöl und Essiggurkerl“, erzählt die Grünpolitikerin.

Was die Entscheidung des EU-Parlaments betrifft, so traue sie „Fleischkonsument:innen absolut zu, im Supermarktregal zu erkennen, was tierisch ist und was ein pflanzliches Produkt ist“.

Im Gespräch: So gelingt vegane Ernährung

Schnitzel-Zwist um Veggie-Produkte: Tofu oder Pute?

© privat

Was ist aus gesundheitlicher Sicht zu beachten, wenn man sich vegan ernährt?

Karin Weingrill: Eine vegane Ernährung kann gesund sein, erfordert aber besondere Aufmerksamkeit für kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Eisen, Jod, Omega-3-Fettsäuren und Protein.

Wie gelingt bei veganer Ernährung eine ausgewogene Nährstoffversorgung?

Durch eine vielfältige Auswahl an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen – ergänzt durch angereicherte Lebensmittel und bei Bedarf Supplemente für B12, Vitamin D und Jod.

Wie sind industriell verarbeitete vegane Produkte aus dem Supermarkt zu beurteilen?

Sie sind oft nährstoffarm, enthalten viele Zusatzstoffe und sollten nur gelegentlich konsumiert werden – frische, unverarbeitete Lebensmittel sind die bessere Wahl.

Welche Lebensmittel empfehlen Sie für die tägliche vegane Ernährung?

Die Basis bilden Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle und angereicherte Produkte – sie liefern alle wichtigen Nährstoffe. Besonders Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh und Nüsse sind essenziell für die Proteinzufuhr.

Wie kann man sich vegan und abwechslungsreich ernähren?

Eine abwechslungsreiche vegane Ernährung gelingt durch kreative Kombinationen, saisonale Auswahl und neue Rezepte. Etwa 25 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche – vor allem Gemüse – fördern ein gesundes Mikrobiom und sichern die Nährstoffvielfalt.

Was ist sonst noch wichtig?

Regelmäßige Blutkontrollen und professionelle Ernährungsberatung helfen, Mängel zu vermeiden und langfristig gesund vegan zu leben.

Fakten zum „Veggie-Wurst-Verbot“

Am 7. Oktober traf das EU-Parlament die umstrittene Entscheidung: Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte dafür, dass Bezeichnungen wie „Wurst“, „Burger“ oder „Schnitzel“ für Fleischersatzprodukte verboten werden.

355 Parlamentarier waren für das Verbot, 247 lehnten es ab, 30 enthielten sich der Stimme. Verbraucherschützer kritisieren die Maßnahme. Jetzt sind die 27 EU-Mitglieder am Wort.

Bei Milchprodukten gelten strenge Regelungen bereits seit einigen Jahren: So entschied der EuGH 2017, dass der Begriff „Milch“ nur für Produkte verwendet werden darf, die aus der „normalen Eutersekretion“ von Tieren gewonnen werden. Ausgenommen von diesem Verbot ist die Kokosmilch.