So treffen die US-Zölle auf Wein das Burgenland

Trump macht ernst

Nun ist es fix: US-Präsident Donald Trump setzt seine Drohung von Zöllen auf europäische Produkte wie Wein in die Tat um - wenn auch „nur“ mit 20 statt den angekündigten 200 Prozent. Im Burgenland schmerzen die Zölle empfindlich, die BVZ beleuchtet wie und warum.

Von Von Peter Wagentristl

Burgenländische Winzer, die besonderst stark am US-Markt vertreten sind, werden sich für ihren Wein wohl neue Absatzmärkte suchen müssen.

Burgenländische Winzer, die besonderst stark am US-Markt vertreten sind, werden sich für ihren Wein wohl neue Absatzmärkte suchen müssen.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

„Die USA sind unser drittwichtigster Exportmarkt“, verdeutlicht Wein Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister den Ernst der Lage. Der Anteil der US-Importe am gesamten rot-weiß-roten Weinexport im Wert von rund 295 Million US Dollar beträgt sieben Prozent (20,6 Millionen US Dollar). Österreich liegt damit auf Platz 13 der größten Exporteure.

So treffen die US-Zölle auf Wein das Burgenland

© aawe

In den USA ist Österreich auf Platz 13 bei den Importen. Von den rund 295 Million US Dollar Exporten aus Österreich entfallen sieben Prozent (20,6 Millionen US Dollar) auf die USA.

Ab Samstag in Kraft, ab Mittwoch mit voller Härte

Ab 5. April werden auf alle betroffenen Nationen Zölle in Höhe von 10 Prozent erhoben, ab 9. April treten die angekündigten höheren Raten in Kraft. Die Europäische Union erwarten Zölle von 20 Prozent, Südafrika sogar 30 und die Schweiz 31 Prozent. „Das tut uns sehr, sehr weh“, findet Zechmeister klare Worte: „Aber auch das werden wir überstehen.“

Für das Burgenland sind die Zölle auch deshalb schmerzvoll, weil das kleine Land mit den großen Weinen ohnehin nicht über Quantität und Preis am Weltmarkt bestehen kann, sondern über Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis. Und letzteres wird für Händler bis Konsumenten in den USA durch die Zölle deutlich unattraktiver.

So treffen die US-Zölle auf Wein das Burgenland

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Allerdings: „Am schlimmsten wird es wohl den Billigsektor treffen, vor allem in Italien“, so Zechmeister. Hier mischt das Burgenland aber ohnehin nicht mit. Im hochpreisigen Segment werden die Auswirkungen wohl überschaubar bleiben: Ob ein Sassicaia 400 oder 480 Euro kostet, wird den gutbetuchten Käufer wohl nicht abschrecken. Ebenso bei den heimischen Spitzenweinen: Ein Mariental oder Perwolff findet um 96 Euro wohl genauso leicht einen Käufer wie um 80 Euro.

Bevor die Zölle fixiert wurden und auch schon vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten waren einige US-Händler noch auf großen Einkaufstouren im Burgenland. So mancher könnte sich so zumindest einen Puffer aufgebaut haben, um die zweifellos schwierigen Zeiten zu durchtauchen. Wie sich diese Zölle entwickeln, lässt sich beim Trump'schen Welthandel wohl kaum abschätzen.

Wir wissen nicht, was Trump morgen macht. Geht er rauf auf 100 Prozent oder streicht er sie ganz? Wein Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister über die Unsicherheit am US-Markt zusammen.

Wen die Zölle besonders hart treffen

Eine kleinstrukturierte Weinwirtschaft wie im Burgenland, mit vielen kleinen Familienbetrieben und (lokal)patriotischen Weintrinkern und -käufern, hat viele Vorteile - wenn Kleinbetriebe einen großen Anteil ihrer Produktion aber an mittlere und große Weinhändler verkaufen, kann es durchaus kritisch werden.

„Manche wird es besonders hart treffen“, so Zechmeister: „Nämlich jene, die am US-Markt aktuell besonders stark vertreten sind.“

So treffen die US-Zölle auf Wein das Burgenland

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Zechmeister erzählt etwa von einem Beispiel aus dem Landessüden. Ein Weinbaubetrieb mit acht Hektar hat bei einer Messe einen auf den US-Markt spezialisierten Weinhändler kennengelernt, der sich wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses in den Wein verliebte und gleich rund die Hälfte des produzierten Weins für in die USA exportierte. Bricht dieser Markt nun ein oder für manche ganz weg - was durchaus wahrscheinlich ist -, kann es bei kleinen Betrieben an die Substanz gehen.

Hoffnungsmärkte könnten für Ausgleich sorgen

Im Strategiepapier von 2024 hat Wein Burgenland die USA noch als einen der wichtigsten Exportmärkte klassifiziert, wie das Quartett Zechmeister, Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep, Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld und Herbert Oschep. Mittlerweile leider Schnee von gestern. Heute liegen die größten Hoffnungen auf Kanada als Wachstumsmarkt und vor allem auf Skandinavien, wo der österreichische und vor allem burgenländische Weine immer beliebter wird.

So treffen die US-Zölle auf Wein das Burgenland

© Exportentwicklung 2000-2024, Quelle: Darstellung ÖWM nach Statistik Austria: vorläufige Exportzahl

Noch dazu treffen die Zölle die österreichische Weinwirtschaft in ohnehin schwierigen Zeiten: Erstmals in diesem Jahrtausend gingen die Exporte zurück. Österreich exportierte 2024 64,2 Millionen Liter Wein im Wert von 233,3 Millionen Euro - das entspricht einem Minus bei der Menge von 1,7 Prozent und beim Wert sogar von 6 Prozent.

„Nachdem letztes Jahr wieder mehr günstiger Wein im Tank nach Deutschland verkauft wurde, haben wir bald bemerkt, dass wir den außergewöhnlich hohen Exportwert von 2023 nicht halten werden können“, so Chris Yorke, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing (ÖWM), zur Bilanz 2024: „Dafür ist auch die gesamte globale Wirtschaftslage aktuell zu volatil.“

Doppelt negative Auswirkungen für das kleine Österreich

Genau dieser Trend sorgt auch für eine besonders triste Prognose. Denn jener billige Wein, der bisher für den US-Markt produziert wurde, braucht neue Abnehmer. „Die betroffenen europäischen Weinbaugebiete müssen sich neue Märkte suchen. Hier wird es zu einem Verdrängungswettkampf kommen“, sagt Zechmeister schwierige Zeiten voraus.

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© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Länder wie Frankreich und Italien würden nun noch stärker um Märkte wie die Schweiz werben. Das Burgenland matche sich hier mit „Regionen und einzelnen Weingütern, die deutlich mehr Marketing-Budget haben als wir“, berichtet der dreifache Wein-Geschäftsführer. Diese Folgeerscheinungen der US-Zölle werden wohl erst in einiger Zeit zu tragen kommen. Alls zusammen sei jedenfalls „eine Herausforderung mit großen Konsequenzen.“

EU-Reaktionen in den USA mit Sorge erwartet

Dass sich die EU die Zölle ohne Widerspruch gefallen lässt, ist wohl auszuschließen. Die heimische wie auch die US-amerikanische Weinwirtschaft warten nun gespannt auf die Reaktionen. In den USA erwarte man sich ebenfalls Einbrüche am europäischen Markt: „Auch in den USA will niemand diese Zölle. Die USA sind stark in Belgien, Frankreich und Deutschland vertreten“, diese Exportmärkte würden nun wackeln.

Bei einem Wirtschaftskrieg gibt es nur Verlierer. Wein Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister über die US-Zölle und die erwarteten EU-Reaktionen.

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© Nina Mayer, Nina Mayer

Die Reaktionen der EU wiederum könnten neue Absatzmöglichkeiten schaffen, wo US-Weine es künftig schwerer haben. Das ist zwar eine Chance für den heimischen Wein-Export, aber verschärfe auch den Verdrängungswettbewerb. „Das Burgenland muss daher noch mehr auf Qualität und Herkunftssicherheit setzen“, ist Zechmeister überzeugt.

Burgenlands Weinwirtschaft mit europäischer Mission

Ursprünglich nicht wegen der US-Zölle, aber doch mit gutem Timing, ist die burgenländische Weinwirtschaft aktuell in Brüssel zu Gast. Dort wird nämlich im Ausschuss der Regionen (AdR) der EU eine „Intergroup Wine“ ins Leben gerufen - den Vorsitz hat dabei das Burgenland. Mit dabei sind, bis auf Frankreich, alle wichtigen Weinregionen Europas. Dem Burgenland zur Seite steht etwa Piemont.

Mehr dazu in den nächsten Tagen aufbvz.atund in Ihrer BVZ.