Landwirtschaftlicher Innovationsbetrieb in Lackendorf

Innovationsbetrieb

Im Jahr 1999 gab es im Burgenland noch 1.385 Rinderzuchtbetriebe. Bis 2024 hat sich diese Zahl auf nur mehr 316 Betriebe mehr als halbiert. Einer der Höfe, die dieses „Bauernsterben“ überdauert haben und dabei konsequent auf Nachhaltigkeit und Tierwohl setzen, ist der Milchhof Grötschl in Lackendorf. Aufgrund seiner pfluglosen, regenerativen und klimafitten Form der Bodenbearbeitung war der Innovationshof eine Station der „Best of Boden“-Sommertour von Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner.

Von Nadine Wiedemann

Maria Grötschl, Referentin Isabella Auberger, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Franz Grötschl (der Fünfte), Marita Grötschl, Franz Grötschl (der Sechste) und Franz Grötschl (der Vierte) im modernen Laufstall.

Maria Grötschl, Referentin Isabella Auberger, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Franz Grötschl (der Fünfte), Marita Grötschl, Franz Grötschl (der Sechste) und Franz Grötschl (der Vierte) im modernen Laufstall.

© Nadine Wiedemann

Derzeit führt Franz Grötschl der fünfte den Betrieb. Der Landwirt absolviert eine Ausbildung an der landwirtschaftlichen Fachschule Güssing. Den Großteil seines Wissens eignete er sich selbst an und gibt es regelmäßig in Vorträgen an die nächste Generation weiter.

Ebenso unterstützt bzw. berät er als Mitglied der Vereine „Boden.Leben“, „Ökoregion Kaindorf“ oder „IG gesunder Boden“ Landwirte und -wirtinnen in ganz Österreich und Deutschland. Dabei reicht Franz Grötschls Expertise von Rinderzucht über Bodenpflege, Gülle-, Transport- und Erntetechnik bis hin zu Humusaufbau.

Neben Franz dem fünften leisten Frau Marita, Tochter Lena, Sohn Franz, der Sechste, sowie seine Eltern Maria und Franz, der Vierte, einen unerlässlichen Beitrag. Trotz der zirkulären Wirtschaft, des Fokus auf Regionalität, Qualität und Umwelt sieht sich der Familienbetrieb enormen Herausforderungen ausgesetzt. Denn stetig sinkende Förderungen, verschärfte Auflagen, Klimaveränderungen, Ernteausfälle und sinkende Wirtschaftlichkeit erschweren den Arbeitsalltag.

In seinen Anfängen war der 3,5 Hektar große Milchhof ein Mischbetrieb. Mittlerweile liegt die gesamte Nutzfläche bei 75 Hektar. Angesichts der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit stellte Familie Grötschl 1995 auf reine Milchproduktion um. Im Jahr 2004 wurde der Kuhstall erneuert und mit einem Melkroboter ausgestattet.

Vier Jahre später entschied der Innovationsbetrieb, ohne Pflug und Synthetik zu arbeiten. Nach dem „Low-Input-Prinzip“ werden möglichst wenig Dünger- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt, stattdessen soll sich der Kreislauf schließen. Futtermittel werden lediglich zum Eigenbedarf angebaut, damit der Boden nicht überbeansprucht wird.

In diesem Sinne profitiert der sandige Boden insbesondere von der schonenden Bewirtung mit der von Grötschl etablierten Bodenbearbeitungstechnik. Dabei wird der immergrüne Acker mittels „Mech Grazing“ – „Bio No-Till“-Methode minimal mit vermehrtem Technologieeinsatz bearbeitet, wodurch natürliche Prozesse simuliert werden und die Fruchtbarkeit langfristig erhalten bleibt.

„Wenn wir eine Landwirtschaft wollen, die auch mit dem Klima der Zukunft zurechtkommt, dann brauchen wir nicht nur Erfahrung und ein gutes Gespür für die Natur, sondern auch Mut und neue Ideen. Landwirtinnen und Landwirte wie Franz Grötschl zeigen mit viel Engagement, wie man aus der Praxis heraus echte Lösungen entwickeln kann“, so Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner. Bereits für November plant die Landeshauptmann-Stellvertreterin das erste burgenländische Bodensymposium. Der Erhalt der Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit stehen im Fokus des Vernetzungstreffens.

Landwirtschaftlicher Innovationsbetrieb in Lackendorf

© Nadine Wiedemann

Eine gleichermaßen zentrale Rolle spielt das Wohlergehen der Kühe. Insgesamt beheimatet der Hof 110 Tiere, davon sind knapp 60 Melkkühe. Obwohl das Tier an oberster Stelle steht und großer Wert auf die Einhaltung der AMA-Tierwohl-Kriterien gelegt wird, ist der Milchhof Grötschl bisher nicht Bio-zertifiziert. Zumal das Areal um den Tierstall nicht genügend Weideflächen bietet.

Dennoch spielen weder Zuchtwert noch Höchstleistung bei den Tieren der Familie Grötschl eine Rolle. Im Gegenteil, Franz Grötschl hält seine Tiere in einem modernen Laufstall mit viel Bewegungsfreiheit. Doch die größte Besonderheit der Tiere liegt in der Züchtung. Franz Grötschl setzt nämlich auf robuste Altrassen mit Vitalität und Langlebigkeit.

Ihre Milchleistung beträgt rund 8.000 Liter pro Jahr. Dafür erhält der Bauer eine Vergütung von 52 Cent pro Liter beim Verkauf an die Industrie. Überdies vertreibt die Familie auch selbst Milch, Joghurt, Topfen und Käse ab Hof in Lackendorf. Die anfallende Gülle wird als organischer Dünger im natürlichen Nährstoffkreislauf eingeschlossen.

In einigen Jahren will Franz der sechste in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Landwirtschaftlicher Innovationsbetrieb in Lackendorf

© Nadine Wiedemann

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© Nadine Wiedemann

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© Büro LH-Stv.in Haider-Wallner

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