Posch: „Erleichtert, dass es keine Mehrheit gegen die SPÖ geben wird“

Nach Landtagswahl 2025

Wie in vielen anderen Gemeinden, so musste die SPÖ auch in Neudörfl beim prozentualen Ergebnis leichte Verluste hinnehmen. In absoluten Stimmenzahlen konnte jedoch ein Zugewinn verzeichnet werden. Bürgermeister Posch spricht über seine Wunschkoalition, die geringe Wahlbeteiligung in Neudörfl und über seine Zeit als Landtagsabgeordneter.

Von Christian Artner

Bürgermeister Dieter Posch (l.): "Mit mehr als 1.300 Stimmen hat die SPÖ Neudörfl einen sehr guten Beitrag zum Gesamtergebnis geleistet." Gemeindevorstand Martin Giefing (r.) erreicht 1178 Vorzugstimmen im Bezirk, allein 600 davon in Neudörfl.

Bürgermeister Dieter Posch (l.): "Mit mehr als 1.300 Stimmen hat die SPÖ Neudörfl einen sehr guten Beitrag zum Gesamtergebnis geleistet." Gemeindevorstand Martin Giefing (r.) erreicht 1178 Vorzugstimmen im Bezirk, allein 600 davon in Neudörfl.

© Gemeinde Neudörfl

1336 Wahlberechtigte gaben in der Marktgemeinde bei der Landtagswahl ihre Stimme der SPÖ – das sind um 31 mehr als vor fünf Jahren. Dennoch steht beim Prozentwert ein kleines Minus vor der Zahl. (Siehe Grafik unten). „Ein Minus schmerzt natürlich immer“, so Bürgermeister Dieter Posch. „Mit mehr als 1.300 Stimmen hat die SPÖ Neudörfl aber einen sehr guten Beitrag zum Gesamtergebnis geleistet. Ich war zunächst erleichtert, dass es keine Regierungsmehrheit gegen die SPÖ geben wird und dass die freiheitlichen Bäume nicht in den Himmel wachsen.“

Dass es letztendlich nicht für eine absolute Mehrheit der Sozialdemokratie gereicht hat, führt Posch darauf zurück, dass die übrigen Parteien stark gegen die SPÖ mobilisiert haben. „Wenn man alleine regiert, steht man natürlich ständig im Trommelfeuer aller Parteien. Im Vergleich zu den Landtagswahlen in anderen Bundesländern, bei denen regierende Parteien massive Verluste hinnehmen mussten, ist das burgenländische Ergebnis für eine Landeshauptmannpartei sehr respektabel.“

Bürgermeister Dieter Posch präferiert Rot-Grün

Als Wunschkoalition nennt der bald ehemalige Landtagsabgeordnete Rot-Grün, aus einem einfachen Grund: „Selbst bei Alleinregierungen gibt es etliche Anträge, die einstimmig oder mit anderen Parteien beschlossen werden. Als Abgeordneter habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zwischen SPÖ und Grünen vor allem im Sozialbereich und bei Umweltthemen die größten Übereinstimmungen gegeben hat.“

Eine Koalition mit der FPÖ würde Posch kategorisch ausschließen. „Aus ideologischen Gründen sowieso, aber auch deshalb, weil die FPÖ auf allen politischen Ebenen signalisiert, der Klimawandel sei für sie nicht existent. Das halte ich für einen gefährlichen Zugang. Wir dürfen die Zukunft unserer Enkelkinder nicht aufs Spiel setzen.“

Die ÖVP komme für ihn als Koalitionspartner prinzipiell immer infrage, „weil ich zeit meines Lebens Großkoalitionär bin, aus dem historischen Bewusstsein heraus, dass die beiden großen Blöcke über den Weg der Sozialpartnerschaft unsere Republik aufgebaut haben.“ Allerdings vermisst er bei der burgenländischen ÖVP derzeit jegliche Wirtschaftskompetenz.

Die geringe Wahlbeteiligung ist immer wieder Thema in Neudörfl. Mit 66,44 Prozent liegt sie deutlich unter dem Schnitt anderer Gemeinden, ist jedoch um zwei Prozentpunkte gestiegen. Erwähnenswert sei, so der Bürgermeister, dass acht Kandidaten aus Neudörfl für Vorzugsstimmen geworben haben. „Die Kandidaten waren den Menschen also keineswegs fremd oder zu weit entfernt.“

Erneute Kandidatur war von Beginn an ausgeschlossen

Eine erneute Kandidatur hatte Posch bereits vor fünf Jahren ausgeschlossen. Aus seiner Zeit im Landtag nimmt er eine erweiterte Perspektive auf die Politik mit. „Als Bürgermeister fragt man sich manchmal, warum gewisse Dinge nicht einfach und schneller umgesetzt werden. Wenn man jedoch Teil des Entscheidungsprozesses ist, wird klar, wie komplex vieles ist, nicht zuletzt weil nationales und europäisches Recht berücksichtig werden müsse.“

Rückblickend ist Posch auf einige Errungenschaften, die er selbst mit beschlossen hat, stolz. Als Beispiele nennt er den Wärmepreisdeckel, dass Zinssteigerungen von Genossenschaften nicht vollständig auf Mieter abgewälzt wurden, den massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs und dass bei Gesundheit und Pflege „echte Pflöcke eingeschlagen wurden“.

Martin Giefing erreicht 1.178 Vorzugsstimmen im Bezirk

Als potentieller Nachfolger für Dieter Posch aus der eigenen Gemeinde stellte sich Gemeindevorstand Martin Giefing auf der Bezirksliste zur Wahl. Mit dem persönlichen Ergebnis – 1.178 Vorzugsstimmen im Bezirk, 600 davon aus Neudörfl – zeigt er sich mehr als zufrieden: „Es macht mich stolz, dass so viele Menschen mir ihr persönliches Vertrauen geschenkt haben.“ Insgesamt erreichte Giefing über 400 Stimmen mehr als die sieben Kandidaten aus Neudörfl zusammen. Trotz Vorreihung von Platz 5 auf Platz 3, wird ihm der Einzug in den Landtag wohl verwehrt bleiben.

Auch über den Stimmenanteil seiner Partei in Neudörfl zeigt er sich erfreut: „Mit fast 10 Prozent mehr als im Landesschnitt kann man zufrieden sein. Unsere Leute sind wirklich brav gerannt. Das hat sich ausgewirkt.“

Die 46,38 Prozent der SPÖ Burgenland bewertet Martin Giefing ebenfalls als ein herausragendes Ergebnis. Es zeige, dass die BurgenländerInnen zufrieden sind mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und der Entwicklung des Landes. Giefing habe Vertrauen darin, dass nun diejenige Koalition ausverhandelt wid, mit dem der „eingeschlagene burgenländische Weg weiterhin am besten umsetzbar ist.“

Die Ansicht, dass die jüngsten Ereignisse auf Bundesebene die Wahl im Burgenland maßgeblich beeinflusst hätten, würde Martin Giefing tendenziell widersprechen. „Ich denke schon, dass die BurgenländerInnen klar zwischen den Ebenen trennen. Dass die ÖVP einen derart radikalen Kurswechsel vollzogen hat und ein zentrales Wahlversprechen, kein Kanzler Herbert Kickl, jetzt offenbar bricht, hat der Volkspartei aber sicherlich keinen starken Rückenwind gegeben.“

Gemeindeergebnis:

SPÖ 54,42% (-4,39%)

ÖVP 10,3% (-8,04%)

FPÖ 26,84% (+12,82%)

GRÜNE 5,87% (-0,21%),

NEOS 2,04% (-0,12%),

HAUS 0,57%