Clara Heinrich: Literatin zwischen Natur und Pflege

Literatur trifft Natur

Die Wege des Lebens waren es, welche die Golserin Clara Heinrich zum Gärtnern geführt haben. Und wie der Kreislauf der Dinge so ist, speist die Natur ihr literarisches Schaffen, welches wiederum nicht nur ein Selbstzweck ist.

Von Nina Mayer

Clara Heinrich fühlt sich dankbar und glücklich, auf dem Fleckchen Erde in Gols ein eigenes Gartenparadies bewirtschaften zu dürfen.

Clara Heinrich fühlt sich dankbar und glücklich, auf dem Fleckchen Erde in Gols ein eigenes Gartenparadies bewirtschaften zu dürfen.

© Nina Mayer

Clara Heinrich wuchs in Gols auf. Der Garten ihrer Großeltern diente ihr, wie es in den Dörfern Burgenlands so üblich ist, als Spiel- und Erlebnisraum. In Neusiedl besuchte sie das Gymnasium, später in Wien. Dort wurde sie zum „Stadtkind“, wie sie erzählte.

Politikwissenschaft studierte sie an der Uni der Bundeshauptstadt und in Berlin, wo sie acht Jahre lang hängen blieb. Am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung bekleidete sie den Posten der Redaktionsassistentin. Themenbereiche behandelte sie damals, die ihr bis heute sehr am Herzen liegen.

2021 erkrankte ihr Freund Amar, ein Musiker, an ME/CFS, dem chronischen Fatigue-Syndrom. Ausgelöst wurde es durch eine Viruserkrankung. Schwere Erschöpfung, die dazu führt, gar nicht aufstehen zu können, ist ein Symptom dieser Erkrankung, die leider noch wenig erforscht und von vielen nicht wirklich ernst genommen wird. In Berlin wurde der Alltag für das Paar immer schwieriger, weshalb Clara und Amar sich entschlossen, zurück in die alte Heimat Gols zu ziehen.

Burgenland als Kraftplatz

Natur, Ruhe und mehr Zeit, das ließ wieder durchatmen. Zum Kraftschöpfen begann Clara Heinrich mit dem Gärtnern. 2000 m² bearbeitet sie mittlerweile. Dem Anbau von Gemüse und Kräutern gehört ihre Leidenschaft, anfangs just for fun, mittlerweile beliefert sie sogar die Gastronomie mit ihren Delikatessen.

Viele Gemüsesorten baut die Golserin an, Raritäten wohin das Auge blickt. Lila Kohl, Rüben in Gelb, Weiß und Pink-Weiß geringelt, Kohlsprossen, Daikon-Rettiche, bunte Mangoldsorten, Salate, Karotten, Zucchini und vieles mehr. Natürlich dürfen Kräuter und essbare Blüten nicht fehlen. Auf über 40 Kulturen darf Clara Heinrich stolz sein. Schafe und zwei zutrauliche Katzen komplettieren die Idylle.

Clara Heinrich: Literatin zwischen Natur und Pflege

© Nina Mayer

Gedanken in Worte fassen und ihnen dadurch Raum geben

Es mag wohl die Mischung aus der Idylle der Natur und der Folgen der Erkrankung des Partners sein, die Clara Heinrich zum Schreiben gebracht hat. Hier verarbeitet sie ihr wichtige, immer präsente Themen. Anfangs, nach der Rückkehr ins Burgenland, entstanden Gedichtzyklen. Einer dieser widmet sich dem Seewinkel. In Zeiten starker Trockenheit ist er entstanden, als die Lacken ausgetrocknet waren und man Klimaextreme hautnah mitbekam.

Hier ein Gedicht aus dem Zyklus: see | winkel, ausgesüßt

melde: salz quellen
seichte sehnsucht nach mehr
säbelschnäblern uferschnepfen
keine maßnahmen am stau | horizont
bewegung der hebel
wessen
verwesung

Im Moment sind ihr Essays wichtig. Geschichten, die den Ursprung in ihrem Leben haben und aus diesem erzählen. Auch hier arbeitet sie viel mit Gedichten. Ihr Text „Pusztagold“ erhielt den burgenländischen Literaturpreis und wird im Herbst in einem Schweizer Verlag veröffentlicht werden. Neben den Themen Natur, Krankheit und Frauen ist ihr das Thema Pflege wichtig.

Clara Heinrich: Literatin zwischen Natur und Pflege

© Nina Mayer

Dinge verstehen, um sie mit anderen Augen zu sehen

Menschen, die nicht von Krankheit betroffen sind, fehlt oft das Verständnis dafür, was es heißt, auf der einen Seite immer auf Hilfe angewiesen zu sein, auf der anderen Seite immer gebraucht zu werden. Diese Situation erlebbar zu machen, das ist der Literatin ein großes Anliegen.

Clara Heinrich ist es nicht möglich, längere Zeit von zu Hause weg zu sein, woanders zu arbeiten. Für ihren Freund bereitet sie spezielle Kost zu, hilft beim Duschen oder anderen Tätigkeiten. Keine Auszeiten zu haben, das kostet Kraft, aber Clara Heinrich hat für sich einen Weg gefunden, diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu tanken, nämlich in ihrem Garten und beim Schreiben ihrer Texte.

Der Kreislauf des Lebens

Bald beginnt wieder alles zu sprießen, die Natur ergrünt, Gemüsepflänzchen werden gesetzt und wachsen schnell heran, Vogelgezwitscher erfreut das Menschenherz genauso wie Bienensummen. In dieser Szenerie freut sich Clara, gemeinsam mit Kollegen, im Sommer wieder Lesungen zu veranstalten, aus denen vielleicht andere Menschen wiederum positive Erlebnisse mit nach Hause nehmen können.

Clara Heinrich: Literatin zwischen Natur und Pflege

© Nina Mayer